Nagold Der altbekannte Faust kommt als spitzige Komödie daher

Schwarzwälder-Bote, 02.05.2012 22:02 Uhr

Nagold. Den altbekannten "Faust" von Goethe als turbulente Komödie, geht das denn? Ja, das funktioniert, wie die Zuschauer bei der Aufführung "Zum Teufel mit Faust" feststellen durften. Die Klassikerparodie bot eine gelungene Mischung aus Nonsens und Hochliteratur – und das in der stimmungsvollen Atmosphäre der Burgruine Hohennagold.

Gott hat ein Problem: die Menschheit. Ausgerechnet die Krone seiner Schöpfung gerät zunehmend aus der Bahn. Insbesondere sein Lieblingsziehsohn Faust macht Schwierigkeiten, da er in seiner Wissenschaftsbesessenheit immer mehr Geheimnisse der Schöpfung lüftet. Da hilft nur eins: Faust muss verschwinden.

Gleich in der ersten Szene von "Zum Teufel mit Faust" wurde dem Zuschauer klar, dass hier nicht der "Faust" von Goethe geboten wurde, sondern eine neue Version der "Woesner Brothers". Das Berliner Autorenduo hat sich auf die Parodie von Tragödien spezialisiert, und der Schönaicher Guckkasten war mit dieser Version zwei Tage lang im Rahmen der Landesgarten- schau auf der Freilichtbühne Hohennagold zu sehen.

Die Schauspielergruppe zog das Publikum von Anfang an in seinen Bann – und ließ es in den kommenden zwei Stunden nicht mehr los.

Denn Gottes Plan geht nicht so schnell auf. Zwar bietet sich Mephisto an, die Sache rasch zu erledigen und Faust zum Selbstmord zu zwingen, wenn er im Gegenzug dafür ein paar Tage im Himmel herrschen darf. Doch damit wird der Bock zum Gärtner gemacht, denn wenn ausgerechnet der Teufel das Böse zum Guten wenden soll, ist Chaos programmiert.

Immer rasanter werden die Verwicklungen, denn Faust will auf einmal nicht mehr sterben, als er sein Gretchen kennenlernt. Mehrere Nebenfiguren, wie die Nachbarin Marthe oder Fausts Gehilfe Günther, sorgen für zusätzliche Verwirrung. Komplett wird das Chaos, als auch noch die Engel eigene Pläne schmieden. "Bei diesem Projekt geht wirklich alles schief", seufzt Mephisto verzweifelt.

Dafür hatten die Zuschauer umso mehr ihren Spaß an der aberwitzigen "Faust"-Version. Die Verse sprudelten vor Sprachwitz und Hintersinn, Altbekanntes wurde mit neuen Ideen aufgepeppt, auf der Bühne ging es pausenlos rund. Das Ende ähnelte dann wieder dem Klassiker. Faust stirbt, aber er muss nicht in der Hölle schmoren, sondern kommt in den Himmel.

Das Fazit der Zuschauer: ein irre komisches Stück, klasse Schauspieler und ein wundervoller Aufführungsort.

 
 
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