Nagold - Runter in den Keller, fahles Licht aus Leuchtstoffröhren, Schaumstofffetzen an den Wänden, bis unters Dach vollgepackt mit Verstärkern und Instrumenten – der Proberaum im Youz hat alles, was ein Platz für Rock ‘n’ Roll-Kreativität braucht.

Man ist 16, talentiert und voller Gedanken, Melodien und Wut. Die E-Gitarre, die man sich hart vom Taschengeld erspart hat, wird jeden Tag bis zum Exzess malträtiert und zusammen mit den besten Freunden – jetzt Bandkollegen – plant man die langjährige Rockstar-Karriere bis ins kleinste Detail.

Das Problem ist, dass es Eltern mitunter ziemlich auf die Nerven geht, wenn man mittags um vier und mit schlechten Verstärkern eine eigene Interpretation von Slayers "Raining Blood" in der Garage neben dem Benz startet.

Dort darf man laut sein

Proberaumsuche ist für jede Nachwuchsband eine ziemlich großer Stein auf dem Pfad zum Ruhm. Denn für alles, was man außerhalb des Elternhauses mieten will, muss man im Normalfall teures Geld bezahlen. Leider ist aber bereits jeder Cent in Gitarre und Verstärker geflossen. Das Jugendhaus Youz hat das schon vor Jahrzehnten erkannt und hilft mit dem urigen Bunkerraum im Kellergeschoss des Backsteinhauses, jungen Musikern mit einem Obdach aus. Dort darf man laut sein, dort meckert keiner, wenn man seine Wut herausschreit. Dort kann man noch alles, was an Emotionen in einem Teenager vorgeht, in Drei-Akkord-Punk-Musik packen.

Das war schon vor 20 Jahren so, das ist so geblieben. Mit ein wenig Nostalgie in den Augen erzählt Gerd Hufschmidt, Leiter des Jugendzentrums, dass das Haus Anfang der 80er Jahre eine regelrechte Punk-Hochburg war. Mit Szenegrößen wie "Born Against" oder "Nations on Fire" und Konzerten vor 300 Besuchern. Das ging sogar soweit, dass man Bands wie Nirvana in den 80-ern einen Gig verwehren musste, weil der Laden ausgebucht war. Legendär waren damals auch die Proberaumkonzerte: 100 Menschen quetschten sich in einen Raum, nicht größer als ein Wohnheimzimmer.

Wie wichtig der Raum für die Nagolder Jugendmusikkultur heute noch ist, merkt man an der großen Nachfrage. "Wir haben immer zwischen vier bis fünf Bands im Raum, die zweimal die Woche proben", sagt die Sozialpädagogin Hanna Glaser. Seit Oktober ist sie, neben dem laufenden Betrieb des Jugendhauses, für die Verwaltung des Proberaums zuständig. Natürlich kann sich nicht jeder teures Equipment zum Musikmachen leisten. Auch kein Problem, denn das Youz stellt vom Schlagzeug bis zum Verstärker alles zur Verfügung. Dieses Komplettpaket gibt es für den geringen Unkostenbeitrag von zehn Euro pro Mann pro Monat – selbst für Schüler erschwinglich.

Doch nicht nur Schüler dürfen den vollausgestatteten Raum nutzen. "So lange es irgend möglich ist, schicken wir keinen weg", erklärt Hufschmidt. Zur Zeit gebe es auch eine türkische Band aus Profimusikern, die das Proberaumangebot nutzt. Den Stil kann auch der Zentrumsleiter nicht genau beschreiben, er sei aber irgendwo bei "akustischer Folklore" angesiedelt.

Die musikalische Vielfalt hört hier nicht auf: Katha heißt der Arbeitstitel des Bandprojekts von fünf Jugendlichen, die gerade im Raum sind. Man weiß noch nicht wirklich, wo man hin will, ist aber auch nicht wichtig. Denn, nach anfänglicher Schüchterheit, merkt man, wie wichtig das Musikmachen für die 16- bis 24-Jährigen ist. Der Stil: undefinierbar, Einflüsse von Metal bis Acoustic, alles dabei, Chaos der Jugend, zerschnitten nur von der traurig-schönen Stimme von Sängerin Katharina. Sie war auch diejenige, die durch ein Praktikum im Youz auf den Proberaum aufmerksam geworden ist. Auch mit den anderen Bands sei man zum Teil befreundet und die Kommunikation, wer wann in den Proberaum darf und wer putzen muss, laufe wie geschmiert, sagt die 17-Jährige.