Nagold. Als Gastreferent beim 20. ökumenischen Männervesper war Paul Odoeme, katholischer Pfarrer in Nagold, geladen. Thema des Abends war "Christentum und Islam in Nigeria". Pfarrer Odoeme berichtete aus seiner nigerianischen Heimat, in der je knapp die Hälfte der Bevölkerung Muslime und Christen sind.

Besonders kritisch sei die Situation für die christliche Minderheit im muslimisch geprägten Norden des Landes. Christen, aber auch staatliche Einrichtungen, seien in letzter Zeit zunehmend dem Terror der radikalen Sekte "Boko Haram" ausgesetzt, sagte Odoeme. Erschwerend wirke sich die allgemeine politische Situation im Land aus: Der Reichtum sei außerordentlich ungerecht verteilt. Korruption weit verbreitet. Die großen Einkünfte des Landes, die durch die Gewinnung der Bodenschätze in den letzten Jahren entstanden, kämen der breiten Bevölkerung nicht zugute. Die katholischen Bischöfe des Landes streben nach Angaben von Odoeme den Dialog mit den Muslimen an. Dabei sei besonders die "schweigende Mehrheit", die über 90 Prozent der Muslime gefordert, die die Gewalttätigkeiten ablehnen. Gegengewalt als Reaktion auf den Terror lehnte Odoeme entschieden ab.

Auf die Frage, was man in Nagold tun könne, verwies Odoeme auf das Schulprojet in Ugwuaku, das von den katholischen Gemeinden der Seelsorgeeinheit Oberes Nagoldtal vor etwa fünf Jahren ins Leben gerufen wurde: Bildung für die Jugend sei der Schlüssel zur Veränderung. Schulische Bildung, sowohl für die christlichen als auch für muslimische Jugendlichen. Gerade diese seien häufig einem sehr bildungsfeindlichem Umfeld ausgesetzt, was Chancen an wirtschaftlichem Erfolg mindere und den Keim für späteren Fanatismus lege.

Nach dem Vortrag folgte eine ausgiebige, rege Diskussion, bis Pfarrer Odoeme den spannenden Abend mit einem gemeinsamen Segenslied beschloss.