Nagold Bei vier Grad bestes Badewetter

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In die kalten Fluten der Nagold hat sich Extremsportler Thomas Wittek gestürzt. Foto: Kunert

Nagold-Emmingen - Es ist saukalt. Vielleicht vier Grad Celsius. Gefühlt sind es Minus-Grade. Und Thomas Wittek aus Nagold-Emmingen trägt kurze Trainingshosen. Aber damit nicht genug. Nun stürzt er sich mit Todesverachtung in den Augen in die eiskalten Fluten der Nagold.

Kein Zweifel: Thomas Wittek ist ein Extremsportler. Seit seinem Gewinn des Jungle-Marathons im Oktober in Brasilien sogar ganz offiziell der extremste Sportler der Welt. Sechs Marathons in sieben Tagen querfeldein durch den fieberheißen Dschungel am Amazonas. Und das mit einem Rochen-Stich ins rechte Bein am Tag vor dem Start. Es gibt Fotos von Witteks Füßen am letzten Tag des mörderischen Rennens: Total zerstört sind die. Die Haut der Sohlen löste sich nach 254 Kilometern in meist nassen Schuhen vom Gewebe. Unvorstellbare Schmerzen. Doch Wittek weiß, wie man trotzdem den eigenen Körper zum Weiterlaufen zwingt. Immer weiter. Über alle physischen und psychischen Grenzen hinweg.

Daher ist das Bad heute in der winterlichen Nagold eher eine der leichteren Übungen. Nicht, dass so etwas zu seinem täglichen Trainingsprogramm gehörte. Thomas Wittek posiert heute für die TV-Kamera. Probeaufnahmen mit einem Team von der »Neue Panorama Film« aus Köln, die über Wittek eine Dokumentation drehen will. Vielleicht sogar eine ganze kleine Doku-Serie. Wie sich der sympathische Mann aus Emmingen daheim im Nordschwarzwald auf seine anstehende Titelverteidigung beim Jungle-Marathon 2016 vorbereitet. Um dann wieder bei diesem aberwitzigen Lauf jenseits jeder menschlichen Belastungsgrenze anzutreten. »Aber diesmal ohne Stich eines Stachelrochens«, witzelt Wittek, während Kameramann Joschka Thiel die letzte Aufnahme am Monitor kritisch prüft.

Teilnahme am Eismarathon geplant

Gedreht wird erst einmal nur ein sogenannter Mood. Ein Trailer, der den Mann, Familienvater und Extremsportler Thomas Wittek vorstellen soll. Dass die TV-Sender an dem Mann interessiert sind, der auch schon dreimal den Wüstenmarathon in der Sahara gewonnen hat – jeweils hundert Kilometer am Stück durch die Todeszone dieser Wüste – wurde vorab schon mal gecheckt. Jetzt geht es darum, welche »Präsenz« Thomas Wittek vor der Kamera hat. Welche Bilder er liefert. Wie das Arbeiten mit ihm funktioniert. Und TV-Mann Thiel ist sichtlich begeistert. »Thomas ist echt ein supernetter Kerl. Ein wirklicher Sympathie-Träger.« Und die Bilder, die er liefert, sind jenseits jeder Normalität. Schon nach diesem ersten Drehtag.

Ein Abstecher führt in den Nagolder Hochseilgarten von Dieter Nell, einem alten Freund von Wittek. Das Gelände befindet sich eigentlich im Winterschlaf. Nell baut an einigen Neuerungen. Doch für das Film-Team mit Wittek an der Spitze öffnet er das große Tor. Und gleich ist der Extremsportler Wittek wieder ganz in seinem Element, springt für die nächsten Aufnahmen über Zäune und Mauern, drückt sich mit Rucksack unter Baumstämmen hindurch. Sprintet Abhänge rauf und runter. Immer mit vollster Konzentration. Denn jeder Fehltritt kann eine schlimme Verletzung bedeuten.

Dass es heute so fies kalt ist, ist für Wittek im Grunde gar nicht so verkehrt. Eigentlich plant er für 2016 auch die Teilnahme an einem Eis-Marathon in Grönland oder Alaska. Joschka Thiel ist gleich Feuer und Flamme. »Das gäb super Bilder.« Die ganze Geschichte von Wittek sei einfach faszinierend. Und es gäbe soviel zu erzählen, weil Wittek seine Rennen auch wie kein anderer minutiös plant. Zum Beispiel seine Energie-Nahrung selbst zubereitet, das notwendige Überlebensgepäck für diese Rennen immer optimal zusammenstellt. Interessant ist die Geschichte dabei natürlich vor allem für andere »echte Kerle« – und solche, die es sein und werden wollen. Auf dem Sender DMAX zum Beispiel. Oder bei Pro7-Galileo. Vor allem, weil Thomas Wittek mit seinen mittlerweile 48 Jahren die stets sehr viel jüngeren Konkurrenten bei diesen extremen Langzeit-Rennen abzuhängen weiß. Und einfach jedes Mal »alt« aussehen lässt. »Er ist schon ein wirklich ganz Besonderer.« Und Thiel fragt sich, warum Thomas Wittek bei all seinen herausragenden und außergewöhnlichen Erfolgen nicht schon längst ein TV-Star geworden ist. Und antwortet sich selber: »Weil es ihm offensichtlich nie um den Ruhm ging. Nur um die Herausforderung.« Und das mache ihn nicht nur für die Kamera noch umso interessanter.

  
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