Nagold AfD sieht sich als drittstärkste politische Kraft in Baden-Württemberg

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Der Auftritt des AfD-Spitzenkandidaten Jörg Meuthen lockte viele Menschen in die Seminarturnhalle Nagold. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Axel H. Kunert

Nagold. Auftakt der "heißen Phase" für die Alternative für Deutschland (AfD) in den Wahlkreisen Calw und Freudenstadt mit Spitzenkandidat Jörg Meuthen in der vollbesetzten Alten Seminarturnhalle in Nagold. Die Partei strotzt vor Selbstbewusstsein. "Ich lege mich fest: Wir werden mit beeindruckender Fraktionsstärke in den Landtag einziehen."

Meuthen, zusammen mit Frauke Petry auch Bundesvorsitzender seiner Partei, sieht die AfD derzeit als drittstärkste politische Kraft im Land. "Zehn Prozent plus in Baden-Württemberg." Bundesweit sogar noch darüber. Und das nur ein halbes Jahr, nachdem der Bruch mit Parteigründer Bernd Lucke "zu einer existentiellen Krise" der AfD geführt habe. Aus der der Wirtschaftswissenschaftler Meuthen die Partei aber als gestärkt hervorgegangen sehen will. Der Grund – ganz klar: Die aktuell eskalierende Flüchtlingskrise. Und vor allem die Ereignisse der Silvesternacht in Köln und anderswo. "Es ist das eingetreten, was wir immer gesagt haben", pocht Meuthen in seiner Wahlkampfrede auf die Deutungshoheit der AfD in dieser Frage. Und vermeidet doch auffällig das Wort "Flüchtlinge", sondern spricht von einer "unkontrollierten Zuwanderungswelle", auch "Völkerwanderung", die es unbedingt sofort zu stoppen gelte.

Meuthen: "Die haben Angst vor uns"

Unter Applaus der Anwesenden prophezeit er, "dass Angela Merkel dieses Thema bald aus dem Amt fegen wird". Und amüsiert sich darüber, dass "das Kartell der etablierten Parteien" nun geradezu in einen Wettlauf eingetreten sei, die angestammten Positionen der AfD zu übernehmen, "die vor drei Monaten noch als rechtsradikal gegolten" hätten. "Die haben Angst vor uns", sagt Meuthen. Und schüttelt – hier in Nagold vor der laufenden Kamera des eigens angereisten SWR-Teams – den Kopf über die Verweigerung von Kretschmann und Wolf, sich in der TV-Elefantenrunde live mit ihm zu messen.

"Ich hätte eine große Lust gehabt, mit denen zu diskutieren." Nun bekomme er aber zehn Minuten Redezeit unmittelbar im Anschluss an die Elefantenrunde, kündigte Meuthen an. Was er als guten Ausgleich werte. Die Menschen "da draußen" würden die Botschaft schon begreifen. Allerdings: Jörg Meuthen spricht in eineinhalb Stunden fast nur über Bundespolitik, ätzt, wie er selbst sagt, auch mit echter Häme in Richtung Berlin, wo man "längst das Gefühl dafür verloren hat, wo den Menschen der Schuh wirklich drückt." Und kündigt immer wieder – neben der Häme – eigene Lösungen an, die der politische Gegner der AfD ja immer abspreche. "Wir sind nicht nur eine Protestpartei. Wir sagen auch wie es besser geht." Doch dann kommt doch nur die Formel: Grenzen dicht machen, nach australischem Vorbild nur die durchlassen, die in Deutschland gewollt und gebraucht werden.

Wie man der humanitären Desaster in den Herkunftsländern der Flüchtlinge Herr werden könnte, die Antwort bleibt Meuthen als selbst ernannter Retter der christlich-abendländischen Leitkultur schuldig.

Blick hinter Kulissen des innerparteilichen Streits

Dann, ganz zum Schluss, kündigt er doch noch "zwei Mal fünf Minuten" Themen der Landespolitik an: Innere Sicherheit. Und Bildung. Um dann doch nur die mangelnde Polizeipräsenz in Köln in der Silvesternacht anzuprangern. Und eine unbedingte Rückkehr allein zum dreigliedrigen Schulsystem zu fordern. Auch: "Die Ganztagsschule muss ein freiwilliges Angebot bleiben." Die "schleichende Verstaatlichung von Kindheit und Jugend" müsse gestoppt werden. Und vor allem: Dieser ganze "ideologische Gender-Quatsch" müsse sofort beendet werden. Bei den anschließenden Fragen aus dem Publikum gewährt Meuthen einen überraschend offenen Blick hinter die Kulissen des innerparteilichen Streits, der im letzten Sommer die AfD spaltete. Und macht das ehemalige prominente Parteimitglied Hans-Olaf Henkel als eigentlichen Treiber des Konflikts damals aus. "Ich habe deshalb persönlich Henkel zum Parteiaustritt aufgefordert." Dem dieser dann auch nachkam. Meuthen sei damals, so sein Bericht, eher unfreiwillig in die Position des "Schiedsrichters" der streitenden Flügel innerhalb der Partei geraten. "Aber ich bin grandios gescheitert, diese Spaltung zu verhindern."

Daher habe er sich der Verantwortung nicht verweigern können, die AfD dann als Bundesvorsitzender zurück in den Politikbetrieb zu kämpfen – was nun gelungen sei. "Und zwar stärker als zuvor."

  
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