Nagold 1000 Gäste im Bann von "Pop & Poesie"
Schwarzwälder-Bote, 13.08.2012 18:01 Uhr
Zündeten ein musikalisches Feuerwerk: die Musiker, Sänger und Schauspieler von "SWR1 Pop & Poesie live in Concert". Fotos: LGSFoto: Schwarzwälder-Bote
Nagold. Wenn 1000 Menschen in einem riesigen Festzelt toben, bedeutet das entweder, dass dort und drum herum sonst nicht viel geboten ist – das kann man bei der Landesgartenschau in Nagold definitiv ausschließen. Oder aber es heißt, wie bei "SWR1 Pop & Poesie live in Concert", dass die Veranstaltung eine Sternstunde ist.
Sicher, das hat man die Macher und Besucher schon über viele Events dieses Sommers sagen hören. Doch das ist ja gerade das Bemerkenswerte: dass sich der zehnte "Sommerzauber"-Höhepunkt auf der Hauptbühne nicht nur in die Reihe der Veranstaltungs-Highlights einfügte, sondern es sogar schaffte, aus dieser herauszuragen. Wie das gelang? Zum einen mit dem seit Jahren bewährten "Pop & Poesie"-Konzept: Neun Musiker, Sänger und Schauspieler nehmen sich einige der größten Hits aller Zeiten vor und zeigen, welche poetischen und lyrischen Kleinode, spannende Geschichten oder schlicht witzige Erzählungen in ihren Texten stecken – so eröffnen die altbekannten Songs plötzlich ganz neue Verständnis- und Gefühlsdimensionen. Und zum anderen war der Glanz einem starken Auftritt geschuldet, der es verstand, das Publikum erst mit der Rezitation der Songtexte zu bannen und dann mit einem gesanglichen und instrumentalen Feuerwerk mitzureißen.
"Das Leben ist eine Sinuskurve, deswegen sind wir auch so gut versichert", erklärte Matthias Holtmann, der für Regie, Konzeption und Moderation verantwortlich war und in seiner sympathisch-schnodderigen Art durch den Abend führte, zu Beginn, dass das nun folgende Repertoire zwischen den höchsten Höhen und den tiefsten Tiefen der menschlichen Existenz changieren würde. Und tatsächlich griffen die Akteure der dritten "Pop & Poesie"-Staffel, der sogenannten "Stairway"-Tour, die verschiedensten Facetten des Daseins auf. Dazu schlüpften sie in unterschiedliche Rollen: etwa in die eines angriffslustigen Rowdys in Queens "We Will Rock You" und AC/DCs "TNT"; in die von mehr oder weniger verzweifelt Liebenden wie in Melissa Etheridges "Like the way I do" und Paul Simons "Fifty ways to leave your lover"; oder in die eines überheblichen Ratgebers wie in Yes’ "Owner of a lonely heart" oder "Desperado" von den Eagles.
Überragend war dabei die Darbietung eines Stücks, das eigentlich als unspielbar gilt, da sich selbst seine Schöpfer nie wirklich an eine Live-Version herangetraut hatten: Queens "Bohemian Rhapsody". Stimmgewaltig ließen die Sänger das verworrene Räsonnement eines Gangsters lebendig werden, und zu Recht ernteten sie dafür minutenlange stehende Ovationen.
Keiner bediene irgendwo einen Laptop, versprach Matthias Holtmann, niemand spiele aus einem Lkw heimlich etwas zu, es geben keine elektronischen Gimmicks unter der Bühne. "Das ist alles live", sagte er, stolz auf die Musiker deutend: "Und das geht nur mit so einer Band, ich schwör’s Ihnen." Dass es auch nicht ohne die Gäste geht, das machte er in seinem rührenden Schlusswort deutlich: "Jedes Konzert ist anders, und wir sind immer nur so gut, wie das Publikum es zulässt. Und mit Ihnen hatten wir eine verdammt gute Zeit."


