Rust/Potsdam - Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) erhält nach seiner Schwaben-Schelte die Goldene Narrenschelle der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Seine Äußerungen und das gewaltige Echo darauf seien eine Narretei, sagte Narrenpräsident Roland Wehrle am Mittwoch. Thierse sei daher ein würdiger Träger des Narrenpreises.

Thierse hatte unter anderem beklagt, wegen der vielen Zuwanderer aus Schwaben bekämen Brötchenkäufer in manchen Berliner Bäckereien inzwischen „Wecken“ statt „Schrippen“. Wörtlich sagte der SPD-Politiker: „Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken.“

"Berlinisch gibt es und wird es auch weiter geben"

Aus Expertensicht behauptet sich das Berlinische („Dit find ick jut“) jedoch tapfer als die Mundart der deutschen Hauptstadt. „Berlinisch gibt es und wird es auch weiter geben“, sagte Joachim Gessinger, Professor für Deutsche Sprache an der Universität Potsdam, der Nachrichtenagentur dpa.

Laut Gessinger schwächt sich die Berliner Schnauze allerdings ab. Grund sei vor allem die Orientierung an der Schriftsprache und der seit Jahrhunderten andauernde Zuzug von Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und dem Ausland. „Hinzu kommt die Ausbreitung von Kiezdeutsch in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil, etwa in Wedding, Kreuzberg oder Neukölln“, sagte der Germanist.

Wie die Narrenvereinigung in Bad Dürrheim mitteilte, soll Thierse die undotierte Auszeichnung am 23. Januar im Europa-Park bei Freiburg persönlich entgegennehmen. Die Laudatio werde Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD) halten.

An diesem Donnerstag will Thierse in der Fernsehsendung „ARD-Buffet“ live vor vielen Tausenden Zuschauern zunächst versuchen, ein schwäbisches Dialekt-Rätsel zu lösen, wie der zuständige Südwestrundfunk am Dienstag in Baden-Baden mitteilte.

Die VSAN vergibt die Narrenschelle jährlich an einen Prominenten. Im vergangenen Jahr hatte sie der Stuttgarter Landtagspräsident Guido Wolf erhalten. Zuvor war sie unter anderem an Schlagersänger Tony Marshall, Sparkassenpräsident Heinrich Haasis, Fernsehmoderator Frank Elstner sowie an EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) gegangen.