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Museen in Stuttgart Das Flaggschiff hat Rückenwind

Nikolai B. Forstbauer, vom 13.01.2012 14:01 Uhr
Ist zum Wahrzeichen der Stadt Stuttgart geworden: Das Kunstmuseum am Schlossplatz. Foto: dpa
Ist zum Wahrzeichen der Stadt Stuttgart geworden: Das Kunstmuseum am Schlossplatz. Foto: dpa
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Stuttgart - National steigen die Besucherzahlen in den Museen. 2011 wurde die Zahl von ­ 110 Millionen im Jahr 2010 verkaufter Eintrittskarten noch einmal knapp übertroffen. Auch Baden-Württembergs Museumsflaggschiff, die Staatsgalerie Stuttgart, spürt wieder Rückenwind.

Es waren die bekannten Namen, es waren die bekannten grafischen Folgen. Und doch war diese Ausstellung, war die im Frühsommer 2011 in der Staatsgalerie Stuttgart präsentierte Schau „Kriegszeit“ ein ungeheuer ­tiefgehendes Erlebnis. Gerade aus der Ruhe der Präsentation resultierte diese Ungeheuerlichkeit. Nicht erzwungen wirkte die Konzentration auf den einzelnen Zyklus, auf das einzelne Blatt, sie stellte sich folgerichtig ein.

Zuvorderst aus eigenen Sammlungsbeständen erarbeitet, belegte „Kriegszeit“ den Anspruch von Staatsgalerie-Direktor Sean Rainbird, auch die Sonderausstellungen des Museums als Bildungsarbeit kenntlich zu machen und dabei zugleich bewusst eigene Schätze in den Mittelpunkt zu stellen. Bei „Kriegszeit – Kollwitz, Beckmann, Dix, Grosz“ war es das Wiedersehen mit der Ende der 1940er Jahre entstandenen Radierfolge „Die Verdammten“ des 1899 geborenen Stuttgarters Otto Hermann.

Nichts außer Wahn

„Die Verdammten“, das sind die Soldaten der in Stalingrad eingeschlossenen 6. Armee jener deutschen Wehrmacht, die sich mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 aufmachte, mit einem „Vernichtungskrieg“ „Lebensraum im Osten“ für das nationalsozialistische Deutschland zu erkämpfen. Hermann, selbst Teilnehmer des Ersten Weltkriegs, war von Theodor Plieviers ­Roman „Stalingrad“ angeregt.

Im Orkan der multimedialen Bildwelt unserer Tage ­bekommen seine Blätter gerade in ihrem distanzierten, nüchternen Blick auf das in gänzlicher Auflösung begriffene Wesen Mensch bestürzende Aktualität. Hier gibt es nichts außer dem Wahn, sich der gänzlichen Ausweglosigkeit bewusst zu sein und doch einen Weg zu suchen. „Die Flucht in einen anderen Tod“ ist denn auch eines der Blätter des 1995 in Stuttgart gestorbenen Otto Hermann betitelt.

Ermutigende Zahlen

Wer Hermanns Blätter nun noch sehen will, kann sich die Werke nach Anmeldung in der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie vorlegen lassen. Ein Angebot, das traditionell von Liebhabern genutzt wird. Indes könnte sich auch hier etwas ändern, wie die ermutigenden Zahlen der Staatsgalerie für 2011 zeigen. „Rund 100.000 Besucher der Sammlung bestätigen die Lebendigkeit und hohe Qualität unserer Sammlungspräsentationen“, sagt Museumschef Sean Rainbird, weitere 100. 000 Besucher lösten Tickets für die Sonder­ausstellungen.

Damit ist erstmals das sonst ­deutliche Übergewicht des Interesses für die Sonderausstellungen zugunsten eines aus­geglichenen Besucherstroms korrigiert. Zu den Aktiva der Arbeit mit, in und an der Sammlung zählen 2011 Neupräsentationen wie das überfällige Wiedersehen mit der Installation „Doppio Igloo“ (1979) des italienischen Arte-Povera-Künstlers Mario Merz, Ankäufe für die Gegenwartskunst wie eine Installation von Wolfgang Tillmans und die temporäre Gegenüberstellung zweier bedeutender Altarwerke des altdeutschen Malers Jerg Ratgeb.

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