Von Till Neumann

Mühlenbach. Die Kinder des katholischen Kindergartens St. Bernhard in Mühlenbach bereiten in diesem Jahr zum ersten Mal einen Adventsweg vor. Er wird an der Grotte im Vorbäch aufgebaut. Am Montag, 17. Dezember, ist feierliche Eröffnung.

Vorsichtig taucht Tabea die Spitze ihres Pinsels in den kleinen Farbtopf. Die rosa Farbe verstreicht sie sorgfältig auf dem Holzengel, der vor ihr auf dem Tisch der Kreativwerkstatt des Kindergartens St. Bernhard liegt. Ihr gegenüber sitzen Celine und Leonie -– die beiden malen ebenfalls kleine Engel an. Im Hintergrund läuft das Lied "Fröhliche Weihnacht überall".

Neben den "Engelskindern" stehen die drei Organisatoren des Adventswegs: Die stellvertretende Leiterin des Kindergartens, Elisabeth Schäfer, die Erzieherin Melanie Dold und Hausmeister August Neumaier. Sie haben die Idee der Kindergartenbeauftragten Rita Maier-Prinzbach aufgegriffen und umgesetzt.

"Wir bereiten 15 weihnachtliche Stationen vor, die an der Grotte im Vorbäch montiert werden", erklärt Schäfer. Festgemacht werden sie an den Halterungen des Kreuzwegs, der dort im Sommer installiert ist.

Der Adventsweg erzählt die Geschichte des Esels Aron. Als Vorlage diente das Kinderbuch "Wie Aron nach Betlehem kam". Dold hat aus den 24 Kapiteln 15 gemacht. "Meine Arbeit bestand darin, die Geschichte zu kürzen und zu vereinfachen", sagt Dold.

Jedes Kapitel wird von den 18 Fünf- bis Sechsjährigen optisch aufbereitet. Außer den Engeln von Tabea, Leonie und Celine wurden beispielsweise ein Pferd, ein Stern und ein Feuer angemalt.

Die Vorarbeit für die Holzformen hat Neumaier gemacht. Er hat die Formen ehrenamtlich zurecht gesägt und glatt geschliffen. Bevor sie montiert werden, wird er sie zudem lackieren. "Sonst quillt das Holz auf", so Neumaier.

Ziel des Projekts ist, den Erwachsenen einen anderen Zugang zu den biblischen Weihnachtsbotschaften zu ermöglichen. "In keinem Alter ist der Zugang dazu so rein und klar wie bei Drei- bis Sechsjährigen", betont Schäfer. Das stelle sie bei ihrer Arbeit im Kindergarten und auch in der Pfarrgemeinde immer wieder fest. Erwachsene seien durch den alltäglichen Stress und die Belastung befangen. Und somit hätten sie oft keinen freien Blick auf das Wesentliche an Weihnachten.

Erwachsene sollen Geheimnis erspüren

"Wie können wir Erwachsene das ursprüngliche Geheimnis von Weihnachten erspüren?", fragt Schäfer. "Sollten wir es nicht wagen, uns Zeit zu nehmen, um es wieder mit den Augen der Kinder zu versuchen?" Ihre klare Antwort ist "ja". Mit dem Adventsweg will sie den Erwachsenen diese Gelegenheit geben.

Um die Kinder mit der Geschichte des Esels Aron vertraut zu machen, wird im täglichen Adventskreis des Kindergartens jeweils eine Geschichte vorgelesen. Be- gonnen wurde damit am vergangenen Freitag. Die dreizehnte Geschichte wird am 20. Dezember gelesen. "Die letzten beiden Kapitel sind für die Kleinen eine Überraschung", sagt Schäfer. "Sie werden erst an Weihnachten zu sehen sein." Die Idee dahinter sei, die Familien neugierig zu machen. "Wir wollen ja schließlich, dass sie zum Adventsweg kommen und ihn anschauen", erklärt Schäfer.

Zudem bekommt jedes Kind bei der Aktion die Möglichkeit, einen Holzstern zu bemalen und zur 14. Geschichte, der Geburt Jesu, an die Grotte zu hängen. Die Freude über diese Geburt soll somit von allen geteilt werden. Die ersten Stationen werden am Samstag montiert.

Mittlerweile haben Tabea, Leonie und Celine ihre Engel fast fertig angemalt. Während sie die letzten Pinselstriche machen, erzählen sie von ihrer Begeisterung für Weihnachten. Celine freut sich vor allem auf das Fest, "weil der Nikolaus kommt". Leonie ist begeistert "wegen der Lichter". Und Tabea mag vor allem "den Schnee".

Dann zeigen die anderen Kinder stolz, was sie angemalt haben. Nach dem Fotoshooting für die Presse ist Pause. "Komm, wir gehen raus und machen eine Schneeballschlacht", ruft ein Junge. Die anderen rennen ihm nach. Auch das ist Weihnachten.