Mühlenbach Warnung vor "Goldgräberstimmung"
Schwarzwälder-Bote, 19.04.2012 21:00 Uhr
Auf dem Scheerberg im Kreis Emmendingen steht bereits ein Windrad. Bevor sich auch in Mühlenbach die Rotoren drehen werden, müssen noch etliche Hürden genommen werden. Foto: Archiv/HaidFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Niels Seehase Mühlenbach. Das Thema "Windenergie" bewegt auch in Mühlenbach die Gemüter. Das zeigte sich bei einem Informationsabend am Mittwoch, zu dem die Gemeinde verschiedene Referenten und interessierte Bürger eingeladen hatte.Ehe sich auf Mühlenbacher Gemarkung Windräder drehen, sind noch viele Hürden zu nehmen und Unwägbarkeiten zu meistern – das dürfte wohl jedem der rund 30 Zuhörer am Ende der mehr als vierstündigen Veranstaltung im Pfarrheim "St. Bernhard" klar gewesen sein.
Wie schwierig es sein kann, geeignete Standorte auszuweisen und dabei vielen verschiedenen Interessen gerecht zu werden, machte unter anderem Holger Fischer deutlich. Der Ingenieur, Leiter eines Freiburger Planungsbüros, beschäftigt sich mit der Teiländerung "Windkraft" für den Flächennutzungsplan der Verwaltungsgemeinschaft Haslach- Umland. Schon beim ersten dafür nötigen Arbeitsschritt, in dem die vorläufigen Suchräume für mögliche Standorte festgelegt werden, gelte es, zahlreiche Kriterien zu beachten – Natur- und Artenschutz, Lärmschutz oder der Abstand zu Infrastruktureinrichtungen, zu denen wichtige Straßen gehören. "Ich bin mir sicher, dass große Teile in der Ortenau nicht darüber hoppsen werden", erklärte Fischer. Für wichtig – "auch wenn es ein paar Euros kostet" – hält der Ingenieur eine Sichtbarkeitsanlalyse. Mit einer solchen Studie könne festgestellt werden, welche Auswirkungen geplante Windräder auf das Landschaftsbild haben.
"Klasse statt Masse" ist die Devise von Andreas Heizmann. Der Geschäftsführer des in Gutach ansässigen Ingenieurbüros für Alternative Energien, von Mühlenbachs Bürgermeister Karl Burger (Freie Wähler) salopp als "Windkraft-Papst" angekündigt, setzt auf wenige große, hocheffiziente Anlagen. Diese müssten an den besten Standorten gebaut werden, daher seien Konflikte mit dem Landschafts- und Naturschutz programmiert, machte Andreas Heizmann deutlich.
Der Fachmann für regenerative Energien konnte in Mühlenbach von einem positiven Beispiel aus der Nachbarschaft berichten – dem Bürgerwindrad auf dem Brandenkopf. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2002 seien mit diesem mehr als 20,1 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt worden, so Heizmann, der auch als Geschäftsführer der Bürgerwindrad Brandenkopf GmbH fungiert. Deren Gesellschafter "verdienen Geld damit", betonte Heizmann und wies darauf hin, dass fünf Prozent des Nettoertrags als Pacht an die Landbesitzer gingen.
Geht es nach Gerhard Kienzler, wird eines Tages auch mit dem Interkommunalen Windpark Prechtaler Schanze/Schorenkopf Geld verdient. Mit seinem Unternehmen Windkraft Schonach entwickelt er dieses Projekt und gab in Mühlenbach Auskunft über den Stand. Nach seinen Planungen könnten zwischen Prechtaler Schanze und Schorenkopf einmal fünf Windräder gebaut werden – drei auf Gutacher Gemarkung, zwei auf Mühlenbacher Gebiet. Optimistisch ist er, was den Betriebstart der Anlagen angeht: Wie er sagte, könnten die ersten Anlagen Ende 2013/Anfang 2014 betriebsbereit sein.
Ein mögliches Beteiligungsmodell eines solchen Windparks stellte im Anschluss Torsten Schwarz, Geschäftsführer der Windkraft Elztal GmbH in Elzach, vor. Das Credo dort laute: "Betroffene sollen Begünstigte werden". Als Leitmotive nannte Schwarz "hohe Akzeptanz" und "lokale Wertschöpfung". Der "Dorffrieden" müsse unbedingt erhalten bleiben. Alle Waldbesitzer sollten deshalb eingebunden werden, die Bürger in den betroffenen Orten erstrangig Anteile der Windkraftgesellschaft zeichnen dürfen. Damit die Gewinne aus der Windenergie der gesamten Region zugute kommen, könne eine Stiftung ins Leben gerufen werden. Über diese könnten dann soziale Projekte – zum Beispiel ein Dorfladen – gefördert werden.
Schwarz warnte vor Modellen, bei denen es "wenige Gewinner, aber viele Betroffene" gibt. Auch Mühlenbachs Gemeindeoberhaupt Karl Burger (Freie Wähler) mahnte nach dem letzten Referenten des Abends, Martin Wenz vom E-Werk Mittelbaden, zur Vorsicht. "Goldgräberstimmung" sei fehl am Platz. Grundstückseigentümer, die schon die "Dollarzeichen" in den Augen hätten, sollten genau überlegen, was sie machen wollen und auch machen können. In der abschließenden Diskussion plädierte der Bürgermeister dafür, sich bei Planungen für Windkraftanlagen stets vorab mit den Nachbarn zu verständigen – sei es im privaten Bereich oder zwischen den Kommunen.


