
Mühlenbach - Mit dem Zieren des Dorfes ist in Mühlenbach die fünfte Jahreszeit angekommen. Am vergangenen Samstag hängten die Narren die bunten Stoffbändel über die Straße, am kommenden Wochenende wird der Narrenbaum durch die Ringer in der Dorfmitte aufgestellt.Nur eine Woche später lädt die Narrenzunft dann zum großen Müllermicheleball in der Gemeindehalle ein. "Für uns ist gerade die Fasent im eigenen Dorf ein besonderes Anliegen", erklärte Narrenvater Horst Keller. Am Samstag, 4. Februar, werden die Narrentaufe und der anschließende Zunftball deshalb wie gewohnt mit vielen Gästen gefeiert. Die Frauenfasent am 8. Februar betrifft die Zunft zwar nicht direkt, dafür der Verkauf des "Narrenblättle" am Samstag, 11. Februar.
Mit dem Schmutzigen Donnerstag übernehmen die Narren dann endgültig das Regiment in Mühlenbach. Morgens werden die Kindergartenkinder und die Schüler von der Pflicht befreit, dann wird in der Gemeindehalle gefeiert und nachmittags das Rathaus gestürmt. Gleich im Anschluss startet das "Gitzig rufen". Bis am Fastnachtssonntag ist dann erst einmal Pause, bevor die Zunft zur Narrenmesse einlädt. "Die ist schon eine kleine Tradition und aus unserer Fasent nicht mehr wegzudenken", so Keller.
Am Sonntagabend lädt dann die Trachtenkapelle zum Musikerball, bevor die Narrenzunft am Montag und Dienstag in der "Elfimess" die Missgeschicke der Mühlenbacher aufdeckt. Am Fasentdienstag ist dann das letzte große Aufbäumen mit dem Umzug, der Kinderfasent und dem abschließenden "Narrenverbrennen". Und dort, wo es für andere Zünfte die wohlverdiente Ruhephase gibt, spucken die Mühlenbacher erst recht in die Hände.
Am 26. und 27. Januar 2013 feiern die "Müllermichele" und "Kleiekotzer" nämlich ihren 33. Geburtstag. Was 1975 aus einer närrischen Wette zusammengeschmiedet wurde, mündete 1980 in der Gründung der Mühlenbacher Narrenzunft. Eugen Heizmann war damals als eiserner Radfahrgegner bekannt und sollte zehn Zentner Kohle in Haslach bestellen – natürlich per Fahrrad. Die Wettgegner sahen sich schon als Sieger, weil sie nicht mit der Ausdauer von Eugen Heizmann gerechnet hatten. In vielen Stunden lernte er heimlich radeln und gewann seine Wette.
Schon im Folgejahr beteiligte sich die "Wettgemeinschaft" an der Fasent mit selbst gebauten Wagen. Noch vor Gründung des Vereins gab es in Mühlenbach eine Narrenverbrennung, 1978 den ersten Einsatz des "Küchlewagens" und im selben Jahr sogar das erste "Narrenblättle". Ein Jahr vor der Vereinsgründung gab es einen Hemdglunker- und Fackelumzug mit anschließendem Hemdglunkerball im Gasthaus "Ochsen", die Elfimessen am Montag und Dienstag, den Umzug am Dienstagnachmittag und schließlich die Narrenverbrennung. Somit war der Schritt zur Vereinsgründung nicht mehr groß, und am 25. Oktober 1980 unterschrieben Uwe Buck, Fritz Eisenmann, Hermann Eisenmann, Hermann Griesbaum, Eugen Hetzmann, Emil Keller, Fidel Keller, Adalbert Neumaier, Wendelin Neumaier, Helmut Putzke und Gerhard Volk die entsprechende Urkunde.
Fidel Keller wurde zum ersten Vorstand gewählt und ist mittlerweile Ehren-Narrenvater des Vereins. Bis heute ist Gerhard Volk als einziges Gründungsmitglied im Elferrat aktiv. Der "Müllermichel" verkörpert bis heute den Müllerburschen einer Mühle. Damals gab es in jeder Mühle auch einen "Kleiekotzer", durch den die Kleie beim Mahlen hinausgeschossen (gekotzt) wurde. Damit sollten alle unheilbringenden Dämonen vertrieben werden. Vor 22 Jahren bekamen "Müllermichele" und "Kleiekotzer", "Kiechlewieber" und "Kaffeetanten" schließlich musikalische Verstärkung von den "Blechmechoniger", die im November ihr Jubiläum gefeiert haben. "Gleich nach der Fasent gehen wir in die Feinplanung des Narrentreffens, an dem sich die Mühlenbacher Vereine mit Bewirtungsbuden und Personal beteiligen werden. Den genauen Festablauf legen wir nach dem Sommer fest", so Horst Keller.