Mittleres Kinzigtal Fußballgott zeigt seine zwei Gesichter
Lars Reutter und Felix Bender, 08.08.2012 09:03 Uhr
Der SV Steinach schwebte nach dem Aufstieg in die Kreisliga A im siebten Fußballhimmel.Foto: Lauterbach
Mittleres Kinzigtal - Fußball kann so schön, aber auch so grausam sein – davon können die Teams im Kinzigtal ein Lied singen. So gab es für den SV Steinach und den FC Kirnbach in der vergangenen Saison himmlische Zeiten, während der SV Haslach durch den knapp verpassten Aufstieg Höllenqualen durchleben musste. Im siebten Fußballhimmel schwebte ganz Steinach nach der vergangenen Saison, schaffte der SV doch nach zehn Jahren in der Kreisliga B den lang ersehnten Aufstieg. "Die Saison war schon ganz schön nervenaufreibend", erinnert sich Vorsitzender Adalbert Firnkes. Letztlich sei das ganze teilweise auch mit einem "Lotteriespiel" vergleichbar gewesen. "Stadelhofen II war beispielsweise spielerisch stärker, aber wir haben die Tore gemacht".
Den tollen Zuspruch, den das Team im fußballbegeisterten Steinach erfuhr, ist auch darauf zurückzuführen, dass das Gros der Spieler schon seit der frühen Jugend bei den "Löwen" kickt. "Wir sind fast alles Steinacher, dementsprechend gut ist auch der Zusammenhalt im Team", sagt Claudius Kreyer, der zwar erst zur Rückrunde zurück nach Steinach wechselte, aber dann einer der Aufstiegsgaranten war. Gut integriert seien laut Kreyer aber auch die auswärtigen Spieler. Alle zusammen hätten nach dem geschafften Aufstieg drei Tage lang gefeiert, erinnert sich der 21-Jährige, der trotz seines Alters in der extrem jungen Mannschaft schon eher zu den Älteren zählt. "Nach dem Aufstieg waren alle happy", erinnert sich auch Firnkes gerne an den "schönen Tag für Steinach" zurück. Gefreut habe er sich auch über die Glückwünsche aus den umliegenden Gemeinden.
Ganz so viele Siege und Tore wie in der Vorsaison werden die Steinacher in der kommenden Runde wohl nicht zu sehen sein. "Wir betreten in der Kreisliga A Neuland, daher ist unser Ziel, nicht wieder abzusteigen", so Firnkes, der darauf hofft, dass auch in der kommenden Saison viele Anhänger zu den Partien des SV pilgern werden. Besonders reizvoll sind natürlich die Lokalderbys. "Gleich zu Beginn der Saison gibt es ja den Knaller in Haslach". Beim letztjährigen Fast-Aufsteiger wäre Firnkes am kommenden Samstag schon mit einem Punkt sehr zufrieden.
SV Haslach will nach missglückter Relegation erneut angreifen
Den Haslachern würde der wohl nicht reichen, auch wenn David Favara damit rechnet, "dass die Steinacher nach dem Aufstieg hoch motiviert sind und sicher 150 Prozent geben." Doch der Abwehrspieler baut auf die Stärke seines Teams: "Wir sind nicht überheblich, aber selbstbewusst und wissen, dass wir in dieser Liga jeden schlagen können."
Das hat der SV Haslach in der abgelaufenen Spielzeit bereits bewiesen: Die starken Leistungen wurden am Ende mit Platz zwei und der Chance, über die Relegation in die Bezirksliga aufzusteigen, belohnt. Doch dort versagten den Mannen von Trainer Volker Barthruff die Nerven. Schon das Hinspiel in Windschläg ging mit 1:4 verloren. Favara erinnert sich nur ungern an die "derbe Schlappe": "Das war ein herber Rückschlag, und wir wussten, dass es im Rückspiel ein kleines Wunders gebraucht hätte." So habe sich die Mannschaft schon ein wenig mit der verpassten Gelegenheit abfinden können und "es ist am Ende nicht mehr ganz so schlimm gewesen, wie ich es mir vorgestellt hatte", erklärt Favara. Wenn auch die Reaktionen der "Fans" im Gästebuch auf der Homepage des Vereins gerade nach dem Hinspiel heftig gewesen seien: "Die gesamte Mannschaft und auch ich persönlich wurden an den Pranger gestellt", sagt der Verteidiger.
Auch der Vorsitzende des SV Haslach, Hans-Joachim Schmidt, durchlebte in der vergangenen Saison "Himmel und Hölle". Am Ende stand die Enttäuschung, und es gab Mitleid und Trost. "Wie reagieren die Schulterklopfer in Momenten der Niederlage?" Mit dieser Frage von Trainer Volker Barthruff lassen sich die unterschiedlichen "Fan-Arten" nach Meinung des Vorsitzenden am besten kategorisieren: "So erkennt man, wer wirklich hinter Verein und Mannschaft steht. Glücklicherweise sind die wahren Fans in der Überzahl." Diese geben Motivation, weiterzumachen und in der kommenden Saison einen neuen Anlauf in Sachen Aufstieg zu unternehmen. Sollte der gelingen, könnte sich der SV Haslach schon bald wieder mit dem FC Kirnbach messen. Denn der darf als Meister der Kreisliga A ab sofort in der Bezirksliga sein Können unter Beweis stellen. Kapitän Daniel Wöhrle erinnert sich: "Nachdem die Meisterschaft feststand, gab es im Dorf zwei, drei Wochen kein anderes Thema." Verständlich – immerhin haben die Kicker mit dem Aufstieg Historisches geschafft: "Kirnbach hat bisher noch nie in der Bezirksliga gespielt. Die Vorfreude ist riesig." Da die Mannschaft sich aber bewusst sei, dass es ein schwieriges Unterfangen und eine "große Herausforderung wird, haben wir relativ schnell den Schalter umgelegt und uns auf die bevorstehende Aufgabe konzentriert", sagt der 29-Jährige, auch wenn ihm die feucht-fröhlich Meisterschaftsfeier wohl noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.


