Stuttgart - „Die haben acht kleine Schutzengel gehabt“, sagt Marion Wünn, die Leiterin des Tierheims in Botnang, während sie den acht Hundewelpen beim wilden Toben in der Quarantänestation zuschaut. „Das war eher eine ganze Heerschar an Schutzengeln“, widerspricht der Pfleger Stefan Groß und krault Silvester am Bauch.

Silvester: Ursprünglich trugen alle Hundewelpen diesen Namen – in acht verschiedenen Sprachen. „Aber die waren zum Teil unaussprechlich“, sagt Wünn. Sie war es, die die schöne Idee hatte, die acht Mischlingshunde auf diesen Namen zu taufen – denn schließlich war der Silvestertag der Glückstag im bisher kurzen Leben der Welpen. Am Silvesternachmittag entdeckte der Hund einer Spaziergängerin die acht Welpen im Sillenbucher Wald. Dort hatte sie ihr Besitzer in einem Umzugskarton ausgesetzt – nahe des Waldwegs Kernenblickstraße. „Aber nicht etwa direkt am Wegesrand, sondern zehn Meter tief im Wald – und der Karton war zugeklebt. Man hatte sie dort zum Sterben abgestellt“, so Wünn.

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Die Welpen waren abgemagert und hatten Flöhe

Anzeige gegen unbekannt läuft; sollte der Täter gefasst werden, könnte er wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eine Geldstrafe von bis zu 25 000 Euro bekommen. „Ich habe wenig Hoffnung“, sagt Wünn.

Zum Glück hatten die Kleinen ihre Schutzengel: Als die Finderin zusammen mit ihrem Mann die acht Welpen – zwei Mädchen und sechs Rüden – beim Tierheim abgab, stand es schlecht um sie: Sie waren abgemagert, voller Flöhe und verwurmt.

Heute haben sie keine Flöhe, sind entwurmt – und schwerer zu hüten als ein Sack Flöhe: Die acht Welpen, die rund sieben Wochen alt sind, sind eine aufgeweckte Rasselbande. Da wuselt es hellbraun und schwarz durcheinander, mal ist das Fell länger und wuschelig, mal kurz und drahtig. Silvester, Smarty, Sonja, Siggi, Silva, Sebbi, Stevie, Scott, wie sie nun heißen, sind zwar ein Achtlingswurf, aber alle acht sind einmalig.

Niemand weiß, wie groß die Hunde werden können

„Wir haben keine Ahnung, was für Rassen in dem Wurf drinstecken könnten“, sagt Wünn – selbst über die Größe, die die jetzt noch so kleinen Hundchen einmal erreichen werden, lässt sich nur mutmaßen. „Man kann die Tatzengröße als vagen Anhaltspunkt nehmen. Eventuell könnten sie kniehoch werden“, sagt Stefan Groß. „Letztlich aber sind das Überraschungseier.“

Und zwar gar wonneproppige: „Die Welpen sind überm Berg, selbst die Kleinste und Schwächste, Silva, um die es sehr schlecht stand, hat inzwischen 700 Gramm zugenommen“, sagt Stefan Groß. Generell haben alle Welpen nach nicht einmal zwei Wochen fast das Dreifache an Gewicht auf den Rippen.

Die Kriterien für die neuen Hundebesitzer sind hart

Der Hundekorb ist ihnen längst zu klein geworden. Sie erkunden die Quarantänestation, auf der sie aus Sicherheitsgründen nicht besucht werden dürfen, fünfmal am Tag kommen sie in den Auslauf. Sie wollen die Welt entdecken. „Sie sollten bald vermittelt werden, damit sie alles kennenlernen, was sie da draußen so erwartet“, sagt Groß.

Herrchen und Frauchen für die acht Welpen zu finden dürfte indes kein Problem sein. Bereits jetzt gibt es mehr Bewerber als Hunde. Allerdings sind die Kriterien, nach denen die Auswahl getroffen wird, hart – schließlich will das Tierheim sichergehen, dass die Welpen in ein gutes Zuhause kommen. „Das erste halbe Jahr muss eine Person ständig daheim sein“, sagt Wünn. Zudem muss genug Platz und Zeit zur Verfügung stehen. „Familien mit Hund wird der Vorzug gegeben, Anfänger erhalten von uns generell keinen Welpen“, sagt Wünn. Nur noch an diesem Samstag kann man sein Interesse an einem Welpen bekunden und eine Selbstauskunft beim Tierheim ausfüllen.

Das Tierheim Botnang, Furtwänglerstraße 150, ist samstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Telefon 65 67 74 - 0 (samstags von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr).