Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Meßstetten Tiefer Einblick ins eigene Ich

Schwarzwälder-Bote, vom 31.01.2012 19:03 Uhr
vorherige Bild 1 von 2 nächste
Zusammenarbeit ist angesagt beim Sozialtraining. Foto: Schwarzwälder-Bote
Zusammenarbeit ist angesagt beim Sozialtraining. Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Christoph Holbein

Meßstetten. Auf ihren Stühlen sitzend halten die Kinder ihre Beine ausgestreckt. Der weiche gelbe Ball wandert über die Füße durch den Kreis. Im Zusammenwirken schafft die Gruppe mehrere Runden. Mit diesem Spiel startet das Sozialtraining an der Burgschule.

An diesem Morgen ist die eine Hälfte der Klasse 5a mit Klassenlehrerin Sandra Schlagenhauf bei Schulsozialarbeiterin Ina Kästle-Müller im Raum der Schulsozialarbeit zu Gast. Immer eine Stunde in der Woche trainieren die Fünftklässler im Wechsel im Fach Soziales Lernen, wie Konflikte entstehen und wie sie zu lösen sind. Es geht um Sozialverhalten, und das, so Kästle-Müller, "lernt man nur in der Gruppe" – unter anderem durch solche gemeinsamen Spiele: "Das gefällt mir gut, weil wir da als Klassengemeinschaft zusammenarbeiten", freut sich die elfjährige Zilan.

Die Schüler formulieren Ich-Botschaften

Soziales Lernen ist seit dem vergangenen Schuljahr frisch an der Meßstetter Burgschule eingeführt. Neben anderem gibt es da zum Beispiel Sitzungen des Klassenrats, bei denen die Schüler zusammensitzen und Probleme besprechen. Im Sozialtraining bekommen die Kinder Grundlagen, wie sie mit Streit im täglichen Zusammenleben umgehen, wie sie Ich-Botschaften formulieren und wie sie Konflikte positiv lösen: "Wir spielen, wie beispielsweise eine Schlägerei zu vermeiden und stattdessen die Ausein­andersetzung auf dem Weg zu klären ist, dass alle Beteiligte wieder zufrieden sind", erläutert die Schulsozialarbeiterin. Und die Schüler zeigen sich interessiert.

Mit den Techniken lässt sich Streit schlichten

"Es wird alles gut erklärt", sagt der elfjährige Josef, dem vor allem die "schönen Spiele" gefallen, etwa der "schwebende Stab": Die Kinder stehen sich in Reihe gegenüber und balancieren auf ihren Zeigefingern eine dünne Stange, die sie gemeinsam auf den Boden legen sollen. Nahezu ohne Schwierigkeiten schafft es die eine Gruppe, der anderen gelingt es zunächst nicht. Die Kinder reflektieren, warum es da geklappt hat und bei den anderen nicht. Diejenigen, bei denen es nicht funktioniert hat, dürfen es noch einmal versuchen. Und diesmal geht es gut – im "Teamwork": "Dass wir zusammen geholfen haben, das war gut", meint denn auch die elfjährige Kerstin.

"Wir arbeiten viel mit diesen Kooperationsspielen, um die Teamfähigkeit zu fördern", erklärt Kästle-Müller – zumeist eine Schulstunde lang, 45 Minuten, bei Bedarf aber auch schon mal einen gesamten Vormittag. Die Kinder lernen, über sich, ihre Gefühle und Stimmungen nachzudenken, erfahren, sich selbst einzuschätzen, wann sie aggressiv reagieren, und üben die Technik, Streit zu schlichten. Wenn dann mal wieder jemand ein Mäppchen wegnimmt und durch das Klassenzimmer schmeißt, können die Schüler diesen Konflikt selbst entschärfen. "Die Kinder werden toleranter und erkennen Mobbing schneller."

Träger der Schulsozialarbeit an der Burgschule ist das Dia­sporahaus Bietenhausen. Für Klassenlehrerin Sandra Schla­genhauf ist dabei in erster Linie wichtig, dass Schüler zusammenarbeiten, die ansonsten nicht so miteinander agieren und reden: "Das Angebot finde ich sehr, sehr positiv; es schweißt zusammen."

Auch im Unterricht arbeitet die Lehrerin viel mit den Schülern auf diesem Gebiet. Die Spiele legen dabei die Basis: "Wir haben gemeinsam etwas geschafft, wir wollen gemeinsam etwas erreichen." Die Kinder entwickeln sich, merkt Schlagenhauf: "Soziales Lernen findet in jeder Stunde statt, darauf lege ich Wert."

Die Schulsozialarbeiterin ist mit einem Filzstift an die Flip-Chart, den Tafelschreibblock, getreten und notiert, was die Kinder an Problemen in ihrer Schule erkannt haben, denn beim nächsten Treffen sollen sie diese Konflikte spielen, etwa wenn jemand einen anderen beleidigt, schubst, an der Bushaltestelle drängelt oder ohne Grund schlägt. "Wir wollen schauen, was es da für Lösungen gibt, was wir dagegen machen können", sagt Ina Kästle-Müller. Dabei geht es auch um Selbstbehauptung und Selbstschutz, um den Mut, den Gegenüber anzuschauen und ihm zu sagen, er soll "aufhören".

Kommentare (0)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
Gym-Meß-tics in Hochform
TSV holt sieben Meistertitel und zehnmal Platz zwei beim Landesturnfest in Heilbronn
Mit vollen Segeln über den Kontinent
Musikverein Tieringen bietet bei seinem Konzert eine Reise quer durch Europa und die verschiedenen Musikstile
Telefon 07431 9364-24
Telefax 07431 9364-51
 
E-Mail
redaktionebingen@
schwarzwaelder-bote.de
Städte
Landkreis Zollernalb
» Nachrichtenüberblick aus dem Landkreis
  • Albstadt
  • Balingen
  • Bisingen
  • Bitz
  • Burladingen
  • Geislingen
  • Grosselfingen
  • Haigerloch
  • Hechingen
  • Jungingen
  • Meßstetten
  • Nusplingen
  • Obernheim
  • Rangendingen
  • Rosenfeld
  • Schömberg
  • Schwenningen
  • Stetten a.k.M.
  • Straßberg
  • Winterlingen
  • Zeitung in der Sc.
Anzeigen
Abo & Service
Anzeige
Anzeige
Nachrichtenticker
08:45   Zahl der Verkehrstoten steigt auch 2012 weiter
08:44   BMW in der Schweiz mit Millionen-Buße belegt
08:42   Tokios Börse schließt gut behauptet
08:05   Exporte beflügeln deutsches Wirtschaftswachstum
07:42   Merkel berät mit Oppositions-Spitzen über Fiskalpakt
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Angebot der Woche

Interaktiv
  • Umfrage
Unser Star für Baku - Roman Lob

Baku rüstet sich für den Eurovision Song Contest. Glauben Sie, dass Deutschlands Vertreter Roman Lob erfolgreich ist?

 
Ja, sein Beitrag klingt vielversprechend.
Nein, der kommt nicht mal unter die besten Zehn.
Mir egal, ich schau mir das nicht an.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • Weblogs
Anzeigen
Anzeige
Hochwertige Fahrradteile im Fachhandel kaufen – finden Sie den passenden Fahrrad Rahmen für Ihr Bike.
Sporttabellen & Termine
Sonderthemen

Schwarzwäder Bote Mediengruppe   Partner    
  Gesundheitsnetzwerk Schwrzwald-Baar   Schwarzwald Tourismus