Meßstetten Junge Frau ohne Chance gegen Feuer

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Raub der Flammen: Das ältere Gebäude in Tieringen wurde durch den Brand völlig zerstört. Die Polizei geht von einem Sachschaden in Höhe von mehreren 10 000 Euro aus. Die Kriminalpolizeiaußenstelle Albstadt nahm noch in der Nacht die Ermittlungen auf. Foto: Angst Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Christoph Holbein

Meßstetten-Tieringen. "Das ist schlimm, tragisch": Der Schock und die Trauer sind Ortsvorsteher Jürgen Löffler anzumerken. Bei einem Brand in einem älteren Bauernhaus in Tieringen starb in der Nacht zum Freitag eine 22-jährige Frau. Sie wurde im Schlaf überrascht.

Das Feuer war gegen 2 Uhr aus bislang nicht geklärter Ursache vermutlich im Erdgeschoss ausgebrochen, wie die Polizei mitteilt. Während es trotz eines massiven Einsatzes der Feuerwehren aus Tieringen, Meßstetten, Hossingen, Oberdigisheim und Unterdigisheim sowie der Führungsgruppe Heuberg nicht gelang, die im Dachgeschoss schlafende 22-Jährige zu retten, schaffte ihr 19-jähriger Bruder, den der beißende Qualm geweckt hatte, die Flucht ins Freie durch die Haustür.

44-Jährige verletzt sich bei Sprung aus Fenster

Die 44-jährige Mutter und Eigentümerin des Gebäudes, das sie zusammen mit ihren beiden volljährigen Kindern bewohnte, entging den Flammen durch den Sprung aus einem Fenster im ersten Obergeschoss in den Hof. Dabei erlitt sie "erhebliche Beinverletzungen" und eine starke Rauchgasvergiftung, so die Polizei. Sie musste in eine Spezialklinik gebracht werden. Ihr Sohn kam mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung in eine Kreisklinik.

Der junge Mann kommtzu befreundeter Familie

"Das war der schlimmste Brand der vergangenen Jahre", sagt Löffler. Gemeinsam mit Meßstettens Bürgermeister Lothar Mennig kümmerte er sich darum, ob es Verwandte der Familie gibt, bei denen die Geschädigten unterkommen können, zumal der 19-Jährige im Verlauf des Freitags aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Ihn nahm, so informierte der Ortsvorsteher, eine befreundete Familie aus der Nachbarschaft auf. In der Klinik betreute der DRK-Notfallnachsorgedienst den jungen Mann im Laufe des Vormittags. Vereinzelt sorgten sich die Helfer auch um geschockte Nachbarn.

Und sie standen den Wehrmännern zur Seite, welche die Leiche bergen mussten. Das geschah wegen der Ermittlungen erst gegen 9.45 Uhr über die Drehleiter. Während das Rote Kreuz mit Rettungstransportwagen, Notärzten, Helfern der Bereitschaft Tieringen, der Schnelleinsatzgruppe Balingen und einem Fahrzeug der Bereitschaft Obernheim-Oberdigisheim vor Ort war, rückte die Feuerwehr mit neun Fahrzeugen und rund 80 Personen an: "Der Einsatz ist gut verlaufen, aber es war halt nichts mehr zu retten, weil der Brand einfach so weit fortgeschritten war", resümiert Gesamtkommandant Matthias Schwarz.

Kommandant will Rauchmelder allerorten

Er musste mit den Beamten der Kriminalpolizei zusammen per Drehleiter durch das Fenster nach der Leiche sehen: "Sie lag noch wie im Schlaf im Bett. So einen Anblick hätte ich mir gerne erspart." Der Kommandant appelliert deshalb, flächendeckend Rauchmelder in Wohngebäuden zu installieren. Das hätte in diesem Fall möglicherweise Leben gerettet, weil die Menschen das Feuer früher mitbekommen hätten. So aber ging das alte Gebäude mit Holzdecke und mittels Stroh isoliert in Minutenschnelle in Flammen auf.

Ein paar Minuten verzögerte sich die Alarmierung der Wehr, weil der Erstalarm über den eingeschlagenen Feuermelder am Rathaus und die örtliche Sirene erfolgte. Ein etwas früheres Ausrücken der Feuerwehr hätte laut Schwarz aber auch nichts geholfen. So hat auch Kreisbrandmeister Stefan Hermann, der vor Ort war, nichts am Ablauf auszusetzen: "Wir haben alles Menschenmögliche getan, aber es brannte so stark, dass niemand mehr ins Gebäude gelangen konnte."

Was das Feuer ausgelöst hat, soll ein Sachverständiger klären. Da das Gebäude in der Hausener Straße einsturzgefährdet ist, konnten der Ermittler und die Kriminaltechniker ihre Untersuchungen, die sie am Freitagvormittag aufgenommen hatten, laut Polizei nicht umfassend ausführen. Der Brandort bleibt deshalb bis auf weiteres beschlagnahmt und ist vom Bauhof der Stadt Meßstetten entsprechend abgesichert. Wenn der Bauschutt abgetragen ist, setzt der Experte sein Forschen nach der Ursache des Brandes fort. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen liegen keine Hinweise auf ein Fremdverschulden vor.

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