Frank Schroft vor dem Capitol in Washington D.C., wo bereits an der Tribüne für die Amtseinführung des Präsidenten – oder der Präsidentin – gebaut wird. Foto: Schroft

Interview: Frank Schroft über seine Eindrücke der Welt von Obama, Clinton und Kennedy.

Meßstetten/Washington D.C.. Für eine Woche hat der Meßstetter Bürgermeister Frank Schroft den Großen Heuberg mit der großen weiten Welt vertauscht und mit einer Reisegruppe  des Deutsch-Amerikanischen Instituts Tübingen  und der Konrad-Adenauer-Stiftung die US-Hauptstadt erkundet, auf die am Dienstag  wegen der Präsidentschaftswahlen alle Welt blicken wird. Im Schwarzwälder Boten verrät Schroft, was er erlebt hat und welche Parallelen er zu deutschen Wahlkämpfen ausmacht.

Sie haben – so hieß es im Programm – »die USA vor den Präsidentschaftswahlen« erlebt: in der Hauptstadt Washington D.C.. Auch die Kandidaten Hillary Clinton und Donald Trump?

Der Bundesdistrikt Washington D.C. wird von den Kandidaten nicht umkämpft, da er eindeutig den Demokraten zugeordnet wird. Von daher haben wir die Kandidaten leider nicht persönlich bei einer Wahlkampfveranstaltung erlebt – sie waren in den hart umkämpften »Swing States«, den Bundesstaaten mit noch  unsicherem Wahlausgang, unterwegs. Wir hatten allerdings das Glück,   den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama zwei Mal bei der Ankunft mit seinem Hubschrauber im Rosengarten des Weißen Hauses zu beobachten – das war schon beeindruckend.
 

Alle USA-Kenner sprechen derzeit von einem gespaltenen Land. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen?

Es stimmt, dass die  Fronten  zwischen Hillary Clinton und Donald Trump in diesem Wahlkampf sehr verhärtet sind. Von einem gespaltenen Land würde ich allerdings nicht sprechen. Es ist vielmehr so, dass die Amerikaner ein sehr gespaltenes Verhältnis zu den Kandidaten haben. Beliebt ist weder Hillary Clinton noch Donald Trump.

Als ehemaliger Bundestagswahlkampfleiter und Bürgermeister haben Sie selbst viele Wahlkämpfe erlebt. Worin unterscheidet sich Wahlkampf in den USA am stärksten von deutschen?

Amerikanische Wahlkämpfe werden auf eine Art und Weise geführt, die für uns in Deutschland undenkbar sind. Sie sind sehr persönlich und diffamierend. Auch die politischen Gegner verunglimpfen den jeweils anderen laufend, etwa in Wahlwerbespots, die rund um die Uhr ausgestrahlt werden. Dieses »Negative Campaigning« gefällt der amerikanischen Bevölkerung zwar nicht, aber es wirkt.
 

Halten Sie derartige Schlammschlachten auch in Deutschland für denkbar?

Es gibt Studien, die belegen, dass »Negative Campaigning« für deutsche Wahlkämpfe – glücklicherweise – nicht erfolgsversprechend wäre. Der Angriff selbst wird in der Regel von den Wählern sehr negativ bewertet, sodass der Angegriffene sogar davon profitiert, angegriffen zu werden. Größere Schlammschlachten wie die in den USA bleiben uns in der Zukunft damit hoffentlich erspart.

Was hat Sie an Washington am meisten beeindruckt?


Neben dem Weißen Haus und dem Capitol, in denen schon viele Entscheidungen  weltweiten Ausmaßes getroffen wurden, war es vor allem der Nationalfriedhof in Arlington, wo mehr als 260 000 gefallene Soldaten respektive verstorbene  Persönlichkeiten – darunter  John F. Kennedy – bestattet wurden und jährlich über 5000 aufs Neue beigesetzt werden.
Gibt es auch Aspekte, die Sie negativ überrascht haben?


Ehrlich gesagt nein. Ich habe ein Land vorgefunden, wie ich es erwartet habe.

Washington liegt gut 900 Kilometer von Toccoa/Georgia entfernt, mit dem Meßstetten in den 1970-er Jahren zarte Bande geknüpft hatte. Hatten Sie Gelegenheit auf Ihrer Reise, in Sachen Wiederannäherung aktiv zu werden?


Nein. Das Programm war sehr eng gestrickt, sodass mir leider keine Zeit für eine Kontaktaufnahme mit Toccoa blieb.

Gibt es Pläne im Rathaus Meßstetten, die Freundschaft zu Toccoa wieder aufleben zu lassen?


Ich habe zwischenzeitlich mit meinem US-Kollegen Kontakt aufgenommen und gefragt, ob er an einer »Wiederbelebung« der noch nicht förmlich abgeschlossenen Städtepartnerschaft aus den 1970-er Jahren interessiert wäre. Er war von der Idee sehr begeistert und hat zugesagt, mit uns daran weiter zu arbeiten. Momentan überlegen unsere Administrationen, wie wir in dieser Angelegenheit weiter vorgehen. Es bleibt also spannend.

Noch einmal zurück zur Wahl: Welchen Ausgang erwarten Sie in der Nacht zum Mittwoch und warum?


Eine Prognose zum Ausgang der Wahl vermag ich nicht anzugeben. Die Kandidaten sind fast gleich auf und wir wissen nicht, wie die aktuellen Berichterstattungen über Clinton und Trump auf die Wähler wirken. Ich hoffe aber, dass Hillary Clinton gewinnt, weil sie eine erfahrene und vernetzte Politikerin ist, die nicht zuletzt auch für uns Deutsche weitaus berechenbarer ist als Donald Trump.

Nach allem, was Sie erlebt haben: Möchten Sie mit dem künftigen Staatsoberhaupt der USA tauschen?


(lacht) Nein. Nach allem, was ich in dieser Woche erlebt habe, bin ich froh, wieder in der Meßstetter Kommunalpolitik angekommen zu sein.