Meßstetten. Gemeinsam mit der Halbjahresinformation der Klasse vier bekommen die Eltern dieser Tage die Grundschulempfehlung. Dann müssen sie entscheiden, auf welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken. Das funktioniert sehr verantwortungsbewusst, sagt Rektor Günther Fechner von der Burgschule.

Ist es sinnvoll, dass es die Grundschulempfehlung so nicht mehr gibt?

Diese Empfehlung gibt es weiterhin, nur die Verbindlichkeit ist weggefallen. Die Lehrer empfehlen für das Kind noch immer die aus ihrer Sicht richtige Schulart – aufgrund der Noten, des Arbeits- und Lernverhaltens und des allgemeinen Leistungsstands. An der Burgschule haben sich die Eltern im vergangenen Schuljahr zu weit mehr als 90 Prozent an das gehalten, was die Grundschule empfohlen hat. Ich bezweifle auch sehr, ob dem Kind etwas Gutes damit getan ist, dieser Empfehlung nicht zu folgen.

Es hat sich also im Grunde nichts geändert?

Bei uns hat sich nichts geändert. Die Übergänge in die verschiedenen Schulen waren im vergangenen Schuljahr so verteilt wie in den Vorjahren.

Wie läuft so eine Grundschulempfehlung ab?

Der Klassenlehrer bietet zunächst den Eltern ein Gespräch an. Wenige Tage später wird in der Klassenkonferenz, an der alle Lehrer teilnehmen, die in der Klasse unterrichten, die Grundschulempfehlung festgelegt. Der Klassenlehrer macht einen Vorschlag und erläutert diesen. Je nach Gesprächsbedarf beraten die Lehrer und der Schulleiter, um eine Entscheidung zu treffen. Jeder Lehrer hat eine Stimme. Das Ergebnis wird dann den Eltern schriftlich mitgeteilt. Und mit dieser Entscheidung gehen die Eltern an die entsprechende Schule und melden ihr Kind an.

Bisher war die Grundschulempfehlung verbindlich. Haben sich die Eltern daran gehalten?

Die allermeisten haben sich daran gehalten. Die Eltern hatten bisher die Möglichkeit, ein Beratungsverfahren zu beantragen und ihr Kind eine Aufnahmeprüfung machen zu lassen. Diese Aufnahmeprüfung gibt es nicht mehr. Das Beratungsverfahren ist noch möglich. Nunmehr allerdings ist es die Entscheidung der Eltern, was sie mit den Ergebnissen machen. Früher mussten sich die Eltern an die Empfehlung halten. Ich finde es aber gut, dass diese Verbindlichkeit weggefallen ist, weil dadurch der Elternwille gestärkt wird. Ich hoffe aber, dass die Eltern im Sinne ihres Kind entscheiden. In Meßstetten ist das so. Da sind die Eltern sehr verantwortungsbewusst.

Die Grundschulempfehlung hat also noch ihren Stellenwert?

Ja, die Eltern akzeptieren diese Empfehlung. Bisher gab es an der Burgschule keine Konfliktfälle.

Muss sich dennoch etwas ändern?

Nein. Wichtig ist, dass Eltern und Lehrer das Wohl der Kinder im Blick haben. Problematisch wird es für die Kinder, wenn sie eine Schulart besuchen, in der sie überfordert sind. Das führt auch zur psychischen Belastung.

Haben Sie einen Wunschan die Eltern?

Mein Wunsch ist, dass sie mit dieser Grundschulempfehlung verantwortungsbewusst umgehen – im Sinne des Kindes.

Sehen Sie mit dem Wegfall der Verbindlichkeit Probleme für bestimmte Schularten?

Die sehe ich bei uns nicht.

Sind die Lehrer in ihrer Kompetenz dadurch nicht beschnitten?

Das spüren wir hier an der Burgschule nicht. Ich sehe das eher als Entlastung, dass nicht die Schule alleine den Weg vorgibt, sondern die Verantwortung auf mehrere Schultern gelegt ist.

Kommen die Eltern dieser Verantwortung nach?

Ich bin davon überzeugt, dass dem so ist. Allerdings ist Erziehungsarbeit mit Bestandteil in der Schule, und ein verstärktes Miteinander weist dann auch den für den Schüler richtigen und passenden Schulweg. Und wenn es gelingt, dass Schüler in ihrer Schule weder unter- noch überfordert sind, dann wird er seine Schule mit Erfolgserlebnissen, ordentlichen Noten und einem gestärkten Selbstbewusstsein meistern.

Die Fragen stellte Christoph Holbein