
Stuttgart - Eben noch schien der Actionfilm als letzter Zufluchtsort des ungenierten Zurschaustellens von Männlichkeit ausgedient zu haben: Statt muskelbepackter Recken hat Hollywood zuletzt lieber blassen Strebern oder starken Frauen die Hauptrollen überlassen. Doch nun schlägt das Machokino zurück.
Harte Zeiten für echte Männer. Selbst in den Actionspektakeln Hollywoods, in denen sie sich früher nach Herzenslust und konkurrenzlos austoben durften, sind sie ständig von Arbeitslosigkeit bedroht. Die Jobs nehmen ihnen immer öfter Mädchen, Frauen und vor allem Nerds weg - also jene dürren Jungs, die ihre Zeit am Computer statt im Fitnessstudio verbringen, die in der Schule zwar gut in Mathe und Physik, in Sport aber stets eine Niete waren.
Eben erst hat der Krach-bumm-Produzent Jerry Bruckheimer im Fantasy-Thriller "Duell der Magier" so einem Knilch die Hauptrolle überlassen. Nicht der Kapitän des Football-Teams, sondern ein Physik-Ass darf die Welt retten. Schon davor hatte Bruckheimer die Hauptrolle des Märchenspektakels "Prince Of Persia" nicht etwa mit einem robust-muskulösen Actionstar wie Vin Diesel, sondern mit Jake Gyllenhaal besetzt, der bisher nicht durch seine Körperlichkeit, sondern als guter Schauspieler aufgefallen ist, etwa als schwuler Cowboy in "Brokeback Mountain". Der Held in "Kick-Ass" ist ebenso ein Strebertyp wie der Titelheld aus der Agentenserie "Chuck". Und als vor wenigen Tagen in Los Angeles der Emmy für den besten Hauptdarsteller in einer Sitcom vergeben wurde, ging der TV-Preis nicht an den coolen Alec Baldwin ("30 Rock"), sondern an Jim Parsons, das herrlich nervige Physikgenie Sheldon Cooper aus der Serie "The Big Bang Theory".
So etwas lassen sich echte Männer nicht gern gefallen. Gleich mehrere Filme propagieren derzeit ein fast schon archaisch anmutendes Männerbild. "Das A-Team" und "The Expendables" sind als Machofeste inszeniert: Frauen kommen nur als sexuelle Attraktionen oder Kollateralschaden vor, taugen bestenfalls als Nebenkriegsschauplatz, als Verschnaufpause, wenn die Jungs von ihren Sandkastenspielen müde sind.
Vor allem Sylvester Stallones "The Expendables" ist ein Rückfall in die Zeit vor Alice Schwarzer und Lara Croft. Dieser reaktionäre, zerstörungswütige und ultrabrutale Streifen will das Actionkino der 1980er Jahre wieder einführen, in der der selbstgefällige Muskelprotz noch in Mode war. Man definiert sich über die eigene Körperlichkeit, den Oberschurken (Julia Roberts Bruder Eric) erkennt man leicht daran, dass er der Einzige ist, dessen Bizeps nicht so groß ist wie anderer Leute Oberschenkel, und Coolness wird mit Zynismus verwechselt.
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