Anhaltender Husten, blutiger Auswurf und Gewichtsverlust: typische Anzeichen für Lungenkrebs.

Lungenkrebs steht in der aktuellen Statistik der häufigsten Krebsneuerkrankungen (Stand 2002) an dritter Stelle, wobei Männer etwa dreimal so oft erkranken wie Frauen. Da die Erkrankung von den Zellen der Bronchien innerhalb der Lunge ausgeht, wird sie auch als Bronchialkarzinom bezeichnet. Lungenkrebs ist eine der wenigen Krebsarten, bei denen die Hauptrisikofaktoren gut bekannt sind. Der wichtigste unter ihnen ist Tabakrauch, im Wesentlichen das Rauchen von Zigaretten. Menschen, die rauchen, tragen gegenüber Nichtrauchenden ein bis zu 30fach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Bei Männern sind bis zu 90 Prozent der Lungenkrebsfälle auf das Rauchen zurückzuführen, bei Frauen derzeit bis zu 60 Prozent. Passivrauchen erhöht das Risiko in geringerem Ausmaß ebenfalls. Als krebsfördernd gilt auch die Belastung mit bestimmten Schadstoffen am Arbeitsplatz (z.B. Asbest, Arsen, Chrom, Nickel, aromatische polyzyklische Kohlenwasserstoffe) sowie mit Radon in Häusern. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen von Lungenkrebs: das kleinzellige und das nichtkleinzellige Bronchialkarzinom. Die Unterscheidung betrifft das Aussehen der Tumorzellen, aber auch das biologische Verhalten der Tumoren und ist im Hinblick auf die Therapie von Bedeutung. Die genannten Risikofaktoren gelten für beide Formen.

Lungenkrebs - Symptome / Diagnose

Lungenkrebs bereitet im Frühstadium nur selten Beschwerden. Eine gezielte Früherkennungsuntersuchung gibt es nicht. Zu den Symptomen, die vor allem Raucher unbedingt ärztlich abklären lassen sollten, zählen

  •     neu aufgetretener, anhaltender Husten,
  •     sich verschlechternder chronischer Husten,
  •     Auswurf mit oder ohne Blutbeimengungen.


Atemnot, Fieberschübe, allgemeine Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust sind meist Anzeichen einer schon weiter fortgeschrittenen Erkrankung. Zeigt die Lunge im Röntgenbild verdächtige Veränderungen, sind weitere Untersuchungen erforderlich. Nur eine Gewebeprobe kann letztendlich die Diagnose bestätigen. Diese gewinnt man mit Hilfe einer Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie), bei der in Narkose ein Schlauch über die Luftröhre in die Bronchien vor geschoben wird. Alternativ kann unter computertomografischer Kontrolle eine dünne Nadel durch die Brustwand in den verdächtigen Bezirk eingeführt und etwas Gewebe angesaugt werden (Feinnadelbiopsie). Finden sich in den Gewebeproben Krebszellen, ist zu klären, wie weit der Tumor sich ausgebreitet und ob er bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen gebildet hat. Geeignete Untersuchungen dazu sind die Computertomografie des Brust- und Bauchraums mit Kontrastmittel und ggf. eine Skelettszintigrafie, die Hinweise auf Knochenmetastasen liefert. Auch eine Computertomografie oder Kernspintomografie des Gehirns kann angebracht sein. Wichtig ist es zudem, die Herz- und Lungenfunktion im Hinblick auf die Verträglichkeit der Behandlung zu prüfen.

Lungenkrebs - Behandlungsmöglichkeiten


Die Behandlung richtet sich nach dem Ausbreitungsgrad und danach, ob es sich um ein kleinzelliges oder ein nichtkleinzelliges Karzinom handelt. Beim nichtkleinzelligen Karzinom kommen im wesentlichen die Behandlungsmöglichkeiten Operation, Bestrahlung (Strahlentherapie) und Chemotherapie in Frage. Zusätzlich könnten sich neue Strategien bewähren, die direkt in die Wachstumskontrolle der Tumorzellen eingreifen, z.B. Wachstumssignale blockieren. Welche Verfahren allein oder in Kombinationen eingesetzt werden, hängt vom Stadium der Erkrankung ab. In frühen Stadien gilt die Operation mit Entfernung der betroffenen Lungenanteile als Methode der Wahl. Voraussetzung für die Operation ist eine ausreichende Lungenfunktion. Neuere Studien deuten darauf hin, dass nach vollständiger Operation eine zusätzliche (adjuvante) Chemotherapie möglicherweise von Vorteil ist. Eine zusätzliche Strahlentherapie wird dann durchgeführt, wenn der Tumor nicht ganz entfernt werden konnte oder Krebszellen in den benachbarten Lymphknoten gefunden wurden.

Bei größeren Tumoren hat sich in den letzten Jahren eine der Operation vorgeschaltete kombinierte Chemo- und Strahlentherapie bewährt. Erscheint eine Operation grundsätzlich nicht möglich, wird häufig eine alleinige Bestrahlung oder, falls der Gesundheitszustand des Patienten es zulässt, eine Chemostrahlentherapie durchgeführt. Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet, ist keine dauerhafte Heilung zu erwarten. Die Behandlung hat dann das Ziel, die Erkrankung unter Kontrolle zu bringen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Mit einer Chemotherapie kann dies für gewisse Zeit gelingen. Wenn der Tumor aber auf keine Chemotherapie anspricht, sind die Möglichkeiten begrenzt. Medikamente mit einem neuen Wirkungsmechanismus, die die Weiterleitung von Wachstumssignalen in den Tumorzellen bremsen, können hier bei einem Teil der Patienten noch eine Chance bieten, den Tumor und seine Symptome für gewisse Zeit zu kontrollieren. Zusätzlich können die von den Tochtergeschwülsten betroffenen Organe bzw. Körperregionen zur Linderung von Schmerzen bestrahlt werden. Bei größeren Einzelmetastasen wird von Fall zu Fall entschieden, ob eine operative Entfernung Vorteile bringt. Das kleinzellige Karzinom bildet im Gegensatz zum nichtkleinzelligen Karzinom häufig schon in frühen Stadien kleinste Metastasen. Weil es zudem empfindlicher für eine Chemotherapie ist, steht diese in der Behandlung des kleinzelligen Karzinoms an erster Stelle.

Nur sehr kleine Tumoren werden primär operiert, gefolgt von einer Chemotherapie und bei befallenen Lymphknoten auch von einer Strahlentherapie. In allen anderen Fällen mit örtlich begrenzter Erkrankung besteht die Behandlung aus einer Chemotherapie gefolgt von Strahlentherapie oder aus einer kombinierten Chemostrahlentherapie mit dem Ziel der vollständigen Tumorrückbildung. Dies gelingt bei bis zu 50 Prozent der Patienten. Allerdings kommt es im weiteren Verlauf trotzdem häufig zu einem Rückfall, der dann weit weniger gut zu behandeln ist. Auch in schon bei Diagnosestellung fortgeschrittenen Stadien kommt eine Chemotherapie zum Einsatz. Sie kann die Erkrankung für gewisse Zeit zurückdrängen und vor allem die Symptome lindern.

Lungenkrebs - Nebenwirkungen und Folgen


Die Folgen der Operation hängen vom Ausmaß des erforderlichen Eingriffs ab und treffen in erster Linie Funktionseinbußen der operierten Organe. Häufige Folge der Strahlentherapie sind Hautreizungen und -rötungen. Als Komplikation kann eine Lungenentzündung auftreten. Vorübergehende Entzündungen der Speiseröhre kommen ebenfalls vor. Selten muss bei starken Beschwerden die Nahrungsaufnahme durch das Legen einer Magensonde erleichtert werden. Mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Haarausfall und erhöhte Infektanfälligkeit, von denen sich einige, z.B. Übelkeit und Erbrechen, durch Medikamente wirkungsvoll lindern lassen.

Lungenkrebs - Nachbehandlung / Rehabilitation

Nach der Behandlung finden regelmäßige Untersuchungen statt, um therapiebedingte Komplikationen und Rückfälle der Erkrankung zu erkennen. Die Kontrollen bestehen hauptsächlich aus einer gründlichen körperlichen Untersuchung einschließlich des Abfragens bestimmter Symptome sowie aus einer Röntgenaufnahme des Brustraums. Auch eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs kann durchgeführt werden. Nachsorgeuntersuchungen finden in den ersten beiden Jahren alle drei Monate, in den folgenden drei Jahren alle sechs Monate statt. Beim kleinzelligen Karzinom sind die Untersuchungsabstände im ersten Jahr kürzer, weil frühe Rückfälle hier häufiger sind. Bei Patienten mit fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung stehen in der Nachsorge die Vorbeugung und die Behandlung von krankheitsbedingten Symptomen und Komplikationen im Vordergrund.

Was kann man bei einem Rückfall tun?
Rückfälle treten in erster Linie als Metastasen in Erscheinung. Hier kann eine Chemotherapie bei einem Teil der Patienten zu einer zeitweisen Rückbildung bzw. zu einer Verzögerung des Fortschreitens führen. Außerdem werden die krankheitsbedingten Symptome günstig beeinflusst, und die Lebensqualität kann länger erhalten werden.

Wie sind die Heilungsaussichten?

Nur in frühen, noch örtlich begrenzten Stadien besteht die Aussicht auf langfristige Heilung. Leider wird Lungenkrebs häufig erst in bereits fortgeschrittenen Stadien entdeckt. Hier lassen sich durch die Therapie meist nur vorübergehende Rückbildungen erreichen. Die Therapie zielt hier in erster Linie darauf ab, Beschwerden so gut es geht zu verhindern oder zumindest zu lindern.
 

 
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