
Mannheim/Lörrach - Viele Städte bieten Flächen für legale Graffiti an. Sie wollen damit Sachbeschädigungen verhindern und Jugendliche aus der Illegalität herausholen. Graffiti kosten die Städte im Land viel Geld.
"Wir nennen uns Maler", sagt Michael Vogt. Früher habe er in einem Supermarkt gearbeitet und wenig verdient, heute erhalte er große Aufträge von Firmen wie Adidas oder Mercedes-Benz. "Es gibt schwierigere Arten, sein Geld zu verdienen", erklärt er. Vogt ist mit 37 Jahren Mitglied der "Rentnerfraktion" seiner Szene, wie er sagt. Welcher Szene? Der Graffiti-Szene. Vogt erklärt, die Architekten seien für die vielen Graffiti hauptsächlich verantwortlich. "Hätten wir nicht so viel Beton und graue Wände, würde es viel weniger Graffiti geben."
Michael Vogt macht nicht nur selbst Kunst, er engagiert sich auch für seine Szene: Bis vor kurzem hat er mit Norman Achenbach eine Fläche für legale Graffiti in Mannheim betreut. Im Juli 2009 übergab die Stadt den Männern die Pfeiler der relativ zentral gelegenen Jungbuschbrücke ein Jahr lang zur Selbstverwaltung. Diese Fläche wurde "Hall of Fame" (zu Deutsch: Ruhmeshalle) genannt. Das Probejahr ist vorbei, Stadt und Polizei schreiben jetzt Berichte und entscheiden über neue Projekte. Vogt findet, dass das Projekt erfolgreich verlaufen ist.
Auch in Lörrach gibt es seit August eine Fläche für legale Graffiti. Die Stadt im Südbadischen erlaubt den Bürgern, die Brückenpfeiler einer Autobahnbrücke an der A 98 zu besprühen. Für diese Erlaubnis müssen die Sprayer eine Lizenz beantragen - von der Stadt Greencard genannt. Diese Erlaubnis erhält, wer beim Sozialen Arbeitskreis Lörrach seine Adresse angibt und eine Erklärung unterschreibt. Mit dieser Erklärung verpflichten sich die Unterzeichner, keine rechtsradikalen und sexistischen Graffiti zu sprühen, keine Türen und Scharniere zu besprayen und nach der künstlerischen Gestaltung der Brückenpfeiler ihren Müll aufzuräumen. Wer jedoch unerlaubt an irgendeiner Stelle Graffiti anbringt, begeht eine Sachbeschädigung.
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