
"Wir wollen die Sprayer aus der illegalen Nische herausholen. Deshalb stellen wir öffentliche Wände zur Verfügung, die legal gestaltet werden dürfen", sagt der Pädagoge Marc Trautmann vom Sozialen Arbeitskreis. Trautmann rechnet nicht damit, dass alle 20 bis 30 Sprayer aus Lörrach sich angesprochen fühlen, doch das Projekt stoße auf Interesse: Bereits 13 Personen hätten eine Erlaubnis beantragt, darunter eine Frau und mehrere Sprüher über 40. Die Idee, Flächen für legale Graffiti bereitzustellen, kam 2009 vom Jugendparlament Lörrach. Nach dem Einverständnis des Regierungspräsidiums beschloss der Gemeinderat die Greencard mit großer Mehrheit.
Stuttgart steht Mannheim und Lörrach diesbezüglich in nichts nach - auch hier gibt es seit rund zehn Jahren Flächen, die mit Graffiti verschönert werden dürfen, wie Werner Pfisterer vom Tiefbauamt Stuttgart erklärt. Eine persönliche Erlaubnis wie in Lörrach sei dafür nicht nötig. Bekannt für ihre Graffiti ist die sogenannte Hall of Fame unter der König-Karls-Brücke in Bad Cannstatt. Dort stehen rund 900 Quadratmeter zur Verfügung, sagt Pfisterer. Die Hall of Fame werde rege genutzt. Eine weitere Fläche steht in einer Unterführung in der Kronenstraße nahe des Hauptbahnhofs zur Verfügung. Jugendgruppen können dafür Entwürfe einreichen und diese bei einer Genehmigung umsetzen. Es gebe aber auch in Stuttgart trotzdem noch viele illegale Sprühereien, sagt Pfisterer.
Deshalb hat sich in der Landeshauptstadt eine Anti-Graffiti-Initiative gebildet, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Stadtbild von Geschmiere freizuhalten. Unter anderem sind die Stuttgarter Straßenbahnen, das Polizeipräsidium, das Justizministerium und die Stadt Mitglied der Initiative. Durch zeitnahes Entfernen der Graffiti und der Kennzeichen der Sprayer versucht die Initiative, den selbst ernannten Künstlern den Spaß am illegalen Besprühen zu verderben. "Wenn die Sprayer sehen, dass ihre Graffiti nach wenigen Tagen entfernt sind, verschwindet der Anreiz", so Pfisterer.
Die Beseitigung unerlaubter Graffiti kommt Stuttgart teuer zu stehen. Für das Säubern von Tunneln, Brücken, Unterführungen und Parkhäusern hat das Tiefbauamt im vergangenen Jahr 250 000 Euro ausgegeben. Zusätzliche Kosten entstehen bei der Beseitigung an Schulen und anderen städtischen Gebäuden. Ein Problem sieht Pfisterer darin, dass die Bahn zu wenig Geld zur Reinigung von beschmierten Waggons und Bahnhöfen in die Hand nehme. Vor allem Bahnstützmauern und Bahnbrücken sind ein beliebtes Ziel von Sprayern. Aus Mannheim ist bekannt, dass illegale Graffiti nicht selten Forderungen der Geschädigten in sechsstelliger Höhe verursachen. Jugendliche, die beim Sprayen erwischt werden, sind deshalb oft jahrelang mit Wiedergutmachungsarbeiten beschäftigt. Auch Michael Vogt aus Mannheim wurde mit 16 bei einem illegalen Graffito erwischt und musste eine Strafe zahlen. Doch daraus hat er gelernt und verwendet seine Spraydosen seitdem nur noch, wo es ihm erlaubt ist.
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