Löffingen (gb). Nur zwei Konzerte gab das Landesblasorchester (LBO) im Herbst in Ländle und eines davon in Löffingen. Ein Genuss auf höchstem musikalischen Niveau von 85 hoch begabten Musikern. Dass ein solches Musikvergnügen auch noch als Benefizkonzert zu werten ist, machte den Genuss noch größer.

Mucksmäuschen still war es, doch dann tobte der Applaus der über 200 Gäste, die zu diesem Konzert gekommen waren. Musik, die alle Sinne anregte und die ins Heute und Gestern führte. Bürgermeister Norbert Brugger brachte es bei seinem Dank – die Musiker spielten zu Gunsten des Konzertflügels der Festhalle – zum Ausdruck: Es sei einfach Spitzenklasse gewesen. Auch der Vorsitzende der Stadtmusik, Rudolf Gwinner, durch den Dirigenten Thomas Epple in enger Verbindung mit dem LBO, erklärte, das Konzert habe ein Niveau der Champions-League.

Schon mehrfach kam das Baarstädtchen in den besonderen Genuss des LBO mit der Dirigentin Isabella Ruf-Weber, die an nur vier Wochenenden die 85 hochbegabten Musiker aus dem Ländle zur Konzertreife für anspruchsvolle symphonische Blasmusik führt. Nach Löffingen kamen sie mit "Marco Polo, La Ruta de la Seda", eine Komposition, welche die Reise Marco Polos aufzeigte. Luis Serrano Alarcon, er gehört zweifelsfrei zu den herausragenden Neuentdeckungen der letzten Jahre, schuf hier einen mehrteiligen Zyklus der 24-jährigen Reise. Den Teil entlang der Seidenstraße – in fünf Episoden – präsentierte die LBO in der Festhalle. Die Musik nahm die Gäste mit auf diese Reise aus dem Gefängnis aus Genua heraus in den Zug der Händlerkarawane, die durch eine fremde Welt des Fernen Ostens reist. Um dies alles zu untermauern, kamen exotische Instrumente wie der Duduk, eine armenische Flöte, die Tar, eine gezupfte Langhalslaute und die Zurna, eine osmanische Kegeloboe, zum Einsatz.

Nicht weniger beeindruckend die musikalische Darbietung des mächtigen Ismailitischen Oberhaupts Alten vom Berg mit einer majestätischen Kraft, die zu spüren war. Sehnsuchtsvolle Klänge verdeutlichen die Strapazen der Karawane durch die Sandwüste Taklamkan, bis dann im letzten Satz in einem furiosen musikalischen Finale das Ende der Reise mit der Ankunft in Cambaluc, dem heutigen Peking, ein vorläufiges Ende findet. Auch hier wurde das regionaltypische Instrument die Hulusi, ein chinesisches Blasinstrument eingesetzt. Eine grandiose Darbietung, die sich schon im ersten Teil zeigte, welcher vom Gastdirigent Andreas Kraft geleitet wurde.

Mit Adagio g-Moll, der wohl berühmtesten Komposition und Eröffnung der Wiederentdeckung der lang vergessen Barockkomponisten, setzte die LBO Akzente. Das heitere Werk "Burlesque op. 42" atmet den Geist der russischen Folklore. Begeisterung pur spürte man auch bei "Divertimento", dem achtsätzigen Werk von Leonard Bernstein, eine Hommage an die Stadt Bosten. Die Bandbreite ihres Könnens präsentierte die LBO durch "Blue Shades", welche in die Welt des Blues, Jazz und Swing führte, mit einem ausgeprägten Klarinettensolo.

Bereits fünf Mal spielte das LBO in Löffingen. "Wir kommen gerne wieder. Löffingen war wieder ein toller Gastgeber", versprach die LBO-Vorsitzende Ilka Hermann bei der geforderten Zugabe.