Titisee-Neustadt - Eine Stadt im Ausnahmezustand: Titisee-Neustadt trauert mit seinen Bürgern um die 14 Menschen, die beim Brand in der Caritas-Behindertenwerkstatt ums Leben gekommen sind. Als Zeichen dafür soll es am Samstag eine Trauerfeier geben.

Bürgermeister Armin Hinterseh zeigte sich am Morgen einen Tag danach tief betroffen. "Die Anteilnahme in der Stadt ist sehr groß. Deshalb wollen die Bürger sich auch in einem Trauergottesdienst von den Opfern verabschieden. Wir von der Stadt werden alles erdenkliche tun, um die Schmerzen der Angehörigen zu lindern."

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Irgendwelche Sicherheitslücken in Sachen Brandschutzmaßnahmen konnte Bürgermeister Hinterseh nicht ausmachen. "Die Maßnahmen waren oder sind alle auf der Höhe der Zeit. Auch die Tatsache, dass der komplette Treppenraum rauchfrei war, unterstützt diese Behauptung." Ins gleiche Rohr stieß auch der Feuerwehr-Kommandant Gotthard Benitz. "Mir wurden keine neuen Erkenntnisse übermittelt, die in irgendeiner Form auf Mängel bei den Brandschutzmaßnahmen hinweisen könnten.

Der erste Rettungsweg war frei. Eine Frage, die noch nicht beantwortet und Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen ist, lautet nach wie vor: Wie war es möglich, dass sich das Feuer so schnell ausgebreitet hat? In den Räumen wurde mit verschiedenen Materialien gearbeitet. In der Vorweihnachtszeit wird immer viel gebastelt für die bevorstehenden Weihnachtsmärkte."

Erfreuliches konnte Gotthard Benitz auch berichten, denn die drei Kollegen, die bedingt durch einen zu hohen Kohlenmonoxid-Gehalt im Blut ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, sind wieder zu Hause. "Dies war unsererseits eine reine Vorsichtsmaßnahme."

Der Feuerwehrkommandant sah seine Kollegen auch bei diesem extremen Einsatz gut vorbereitet. "Während des Einsatzes wurden die Kollegen schon psychologisch betreut. Und auf solche Einsätze bereiten wir die Feuerwehrmänner in regelmäßigen Abständen auch immer wieder vor. Das letzte Training in dieser Art liegt knapp ein Jahr zurück."

Übertragungswagen der Fernsehanstalten wiesen dann gestern am späten Nachmittag den Weg zum Gerätehaus der Feuerwehr in Neustadt: Für 17 Uhr hatte die Polizei eine Pressekonferenz anberaumt. Es wurde bekannt, dass ein Gasofen als Unglücksursache dann ausgemacht wurde. Teilnehmer waren unter anderem Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Landrätin Dorothea Störr-Ritter, Bürgermeister Armin Hinterseh, Leitender Oberstaatsanwalt Peter Häberle, DRK-Geschäftsführer Wolfgang Schäfer-Mai (Freiburg), Kreisbrandmeister Alexander Widmaier und Egon Engler Vorstand des Caritas-Verbandes Freiburg.

Mehr als zehn Fernsehteams, zahlreiche Fotografen, Mitarbeiter vom Hörfunk und von Printmedien belagerten den Sitzungssaal im Obergeschoss des Feuerwehrhauses. Unisono sprachen die insgesamt acht Teilnehmer der Pressekonferenz ihr Mitgefühl gegenüber den Angehörigen aus und zeigten sich gleichzeitig beeindruckt von der reibungslosen Zusammenarbeit der fast vierhundert Einsatzkräfte, die am Montag um das Leben der Behinderten und ihrer Betreuer kämpften – bei 14 Menschen aber nicht mehr helfen konnten.

"Wir haben von den zahlreichen Hilfsangeboten aus der Nachbarschaft erhalten", so Bürgermeister Armin Hinterseh, der gleichzeitig bekannt gab, dass am kommenden Samstag um 11 Uhr eine Trauerfeier in der Kirche in Titisee-Neustadt stattfinden wird. Doch wie geht es danach weiter? "Wir möchten so schnell wie möglich eine Betreuung der Behinderten gewährleisten", so Egon Engler, Vorstand des Caritas-Verbandes Freiburg, Wann dies sein wird, steht jedoch noch nicht fest, auch wenn bereits Ausweichmöglichkeiten angeboten wurden. "Ein Wiederaufbau der Werkstätten wird aber auf alle Fälle stattfinden, auch wenn wir wohl lange Zeit auf ein Provisorium zurückgreifen müssen", so Engler weiter.