
Von Gerold Bächle
Friedenweiler-Rötenbach. Narren wissen es besser, wissen es schneller, und steckt hinter den Fastnachtsaussagen ein Fünkchen Wahrheit?Hier darf sich nun jeder der knapp 500 Gäste beim Löffinger Öschabend so seine Gedanken machen. Auf jeden Fall plauderte das neue Ansager-Duo Evelyne Heer aus Rötenbach und Hermann Nägele aus Löffingen so einiges aus dem Nähkästchen. Eine echte Bereicherung waren die herzerfrischenden Auftritte von zwei echten Profis, die ohne großes festgeschriebenes Konzept die Narren begeisterten und die Lachmuskeln strapazierten. Glaubte man anfangs ihres Auftritts noch, einen "roten Faden" zu finden, so steigerte sich dies zu einer immer größeren Flexibilität und Spontanität, was nur echte Könner wie die Rötenbacher Narrenmutter und der langjährige (16 Jahre) nun Ex-Narrenvater von Löffingen drauf haben.
Auf jeden Fall wird sich Hermann Nägele, nachdem er sich als Narrenvater nicht mehr aufstellen ließ, als Kandidat für den Ende des Jahres ausscheidenden Bürgermeister aus Rötenbach Clemens Hensler bewerben. "So einfach wird dies wohl nicht werden", meint die Narrenmutter, ihrem Hermann fehlt eindeutig die Frisur von Hensler, allerdings könnte der Bäcker zumindest die Friedenweiler mit größeren Brezeln für die Wahl begeistern. Echte Krisenstimmung herrscht im Hause Evelyn Nägele, dass Hermann das Amt des Narrenvaters abgegeben hat. "Einmal konnte ich die First Lady sein, hatte immer ein Platz ganz vorne bei Veranstaltungen und konnte kostenlos essen und trinken", so die Argumentation.
Leider ist dies nun vorbei, und sie müsse sich nun mit dem Öschbrot begnügen. Das Öschbrot, welches es jedes Jahr beim Öschabend gibt, sei einfach nicht mehr in und für drei Euro, auch wenn es nun auf einem Teller serviert werde, einfach zu teuer. Eine Frauenhand unter den männlichen Laternenbrüdern wäre hilfreich, um endlich mal eine abwechslungsreichere Speisekarte bieten zu können. Außerdem mache nun Rudolf Gwinner – der langjährige närrische Begleiter - ihrem Hermann das Amt des Rötenbacher Bürgermeisters streitig. "Kein Wunder, nachdem Hermann auf dem Fässlewagen von vorn ganz nach hinten gerutscht sei".
Sicherlich wird der Öschabend 2012 in die Geschichte eingehen bei diesem Ansager-Duo, dass kein Blatt vor dem Mund nahm und sich selbst auch durch die kritische, närrische Brille sah. "Bist du als Narrenvater gegangen oder gegangen worden", so die kritische Frage seiner Ehefrau Evelyn. Die Zwei griffen wirklich auch kritische Fragen auf. So gehören beim Öschabend alle Öschzünfte dazu, also auch Reiselfingen und Göschweiler, und wenn Rötenbach nach Löffingen eingemeindet wird auch Friedenweiler. Ja diese neue Gemeindereform hat etwas, so könnte Löffingen mit Friedenweiler die 10 000 Einwohner-Zahl knacken, und Rötenbach könnte von den vollen Kassen der Stadt Löffingen profitieren. Und beim Slogan des Hochschwarzwalds "andere wenns – Leffinge häts" müsste so eine Eingemeindung nicht nur für Rötenbach der Renner sein.