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Leckerbissen vor der Sommerpause

Schwarzwälder-Bote, vom 03.07.2011 21:01 Uhr

Von Jürgen Haberer

Lahr. Die Reihe "Weltklassik am Klavier" hat sich mit einem echten Leckerbissen in die Sommerpause verabschiedet. Rund 70 Zuhörer tauchten mit der 29-jährigen Polin Aleksandra Mikulska ein in die Klangwelt von Frédéric Chopin. Am 1. Oktober geht es dann weiter mit dem russischen­ Pianisten Alexey Lebedev.Die Musik ihres Landsmanns Frédérik Chopin liegt der jungen Pianistin aus Warschau unüberhörbar am Herzen. Im Januar 2010 hat sie in der Hausacher Stadthalle ein viel beachtetes Album mit Werken Chopins eingespielt, in Lahr servierte sie nun eine Hommage, in deren Mittelpunkt erneut die Sonate Nr. 3 in h-Moll op. 66 stand. "Ich entdecke immer wieder etwas Neues in der Sonate, obwohl ich mich seit Jahren mit ihr beschäftige", unterstrich Aleksandra Mikulska in der im klassischen Kontext zumindest in der von ihr praktizierten Form keinesfalls üblichen Einführung in das Werk. Sie sprach über Klangfarben und Besonderheiten, darüber, dass die Sonate Interpret und Zuhörer gleichermaßen herausfordert, aber auch über ihre Vorliebe für den langsamen dritten Satz, das Largo, das sie später mit einer fast greifbaren Hingabe servierte.

Es war nicht das einzige Mal, dass sie im Lauf des Konzerts das Wort ergriff. Unmittelbar nach dem ersten Stück, dem ebenfalls auf der im Herbst erschienenen CD zu findenden Scherzo Nr. 2 in b-Moll op. 31, platzierte sie einen kleinen Vortrag, der das Programm bis zur Pause umfasste, vor allem aber ein kleine Reihe Schlaglichter auf Chopin selbst warf. Mikulska und der von ihr unüberhörbar bewunderte Komponist und Pianist fanden in ihren Worten und in der Musik zusammen, obwohl sie mit gerade einmal 29 Jahren bereits mehr Konzerte gegeben hat als Chopin in seinem ganzen Leben. Sie tauchte förmlich ein, biss sich in atmosphärischen Feinheiten fest, legte ihre ganze Empfindsamkeit in romantische Passagen, ohne das Temperament in der Musik Chopins aus den Augen zu verlieren. Kraftvoll und stürmisch stieg sie in die "Heroische Polonaise" ein, fand dann aber einen Weg hin zu einer tänzerischen Grundhaltung.

Mikulska verband Virtuosität mit Gespür, ließ das Publikum teilhaben an ihrer eigenen Ergriffenheit. Ihre von den Kritikern hoch gelobte Interpretation der Sonate Nr. 3 wurde zu einem an die symphonische Tondichtung erinnernden Glanzlicht, in dessen Zentrum das ergreifend ausformulierte Largo funkelte. Es war eine ehrliche, von innen heraus wirkende Auseinandersetzung mit Chopin, die sie mit einem als Zugabe servierten Walzer krönte.

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