
Fazit: Online-Supermärkte werben damit, dass ihre Kunden dank Rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten und Heimlieferung flexibel, bequem und schnell einkaufen können. In der Praxis funktioniert das nur bedingt. Klar kann man auch noch mitten in der Nacht bestellen. Zumindest beim ersten Mal dauert das mit Registrierung aber deutlich länger als im realen Supermarkt, der inzwischen ohnehin oft bis spät in den Abend geöffnet hat - selbst auf dem Land. Und der Bring-Service funktioniert zwar bei allen Anbietern im Rahmen der angegebenen Lieferzeiten. Da diese aber oft eine Spannweite von mehreren Tagen umfassen, sollte man nicht mit leerem Kühlschrank darauf warten und besser nicht berufstätig sein. Sonst landet das Paket in der nächsten Postfiliale und man muss den Einkauf wieder nach Hause schleppen. Zumindest die nicht frischen Produkte liefern alle getesteten Anbieter in gutem Zustand - dank unverhältnismäßig viel Verpackungsmaterial, das wiederum das Porto in die Höhe treibt.
Vor allem diese Herausforderungen beim Versand sind es, die laut Experten dafür sorgen, dass erst 15 Prozent der Deutschen ihre Lebensmittel online kaufen. "In Ländern wie Großbritannien sind die Margen im Lebensmitteleinzelhandel höher, deswegen können die Anbieter den Kunden dort eher einen kostengünstigen Versand bieten", sagt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels. Bei der deutschen Discount-Kultur rechnet sich das allenfalls bei Großbestellungen oder bei Delikatessen, die eine höhere Gewinnspanne haben. "Um den Verkauf anzukurbeln, müsste man Online-Bestellungen mit dem Abholen der Produkte in nahe gelegenen Geschäften kombinieren, wie es in England schon geschieht", sagt Adrian Hotz vom Institut für Handelsforschung in Köln. Dann aber kann man den Einkaufswagen gleich wieder selbst durch die Gänge schieben.