Lebensgefühl „Mir ist ums Bier nicht bange“

Walther Rosenberger, 13.05.2012 09:06 Uhr

Alpirsbach - Carl Glauner und Markus Schlör führen gemeinsam die Schwarzwälder Brauerei Alpirsbacher Klosterbräu. Im Interview erklären sie, warum Deutschland lieber Kaffee als Bier trinkt, und wie sie das ändern wollen.


Herr Glauner, Herr Schlör, es ist 11 Uhr morgens, in der nächsten Stunde soll es ums Brauereigeschäft und um Bier gehen, und auf dem Tisch vor Ihnen steht eine Tasse Kaffee. Ist so etwas für zwei Brauereichefs überhaupt standesgemäß?
Glauner: Wir starten mit Kaffee. Bier gibt es später. Nach unserem Gespräch haben wir schon etwas Feines vorbereitet.

Morgens ein Bierchen trinken, ist also auch bei Brauern unüblich?
Glauner: Bier ist für uns ein Genussprodukt, das man den ganzen Tag über trinken kann, in der Regel allerdings nicht morgens. Allerdings tut es uns schon leid, dass die Tradition des Frühschoppens ein wenig aus der Mode gekommen ist.

Früher trank man Bier zu jeder Gelegenheit, auch während der Arbeit. Heute ist das undenkbar. Passt Alkohol generell noch in unsere Leistungsgesellschaft?
Glauner: Klar ist, dass Bier heute nicht mehr den Stellenwert im Alltag hat, den es vielleicht direkt nach dem Krieg hatte. Allerdings ist es überall dort nicht wegzudenken, wo es um entspanntes Genießen geht. Nehmen sie die Biergärten am Wochenende oder die Wanderhütten im Sommer. Bier braucht seine Gelegenheiten. Insgesamt kann man aber schon sagen, dass der Umgang mit Bier verantwortungsvoller geworden ist.
Schlör: Es stimmt aber schon, dass sich der Arbeitsalltag der Deutschen gewandelt hat und uns das als Brauern nicht in die Karten spielt. Früher war körperliche Arbeit der Standard. Das ging mit einem hohen Flüssigkeitsbedarf und Kalorienverbrauch einher. Um diese Bedürfnisse zu decken, war Bier ziemlich gut geeignet. In der heutigen, verdichteten Arbeitswelt, in der auch die Pausen kürzer geworden sind, hat es das entspannungsfördernde Getränk schwerer. Der stark steigende Absatz von alkoholfreiem Bier zeigt uns aber, dass die Menschen auf den Geschmack nicht gerne verzichten. ­Daher ist mir ums Bier nicht bange.

 
 
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