
Lauterbach/Böhringen (czh). Wie beim Brennholzmachen geben auch Heupellets mehrmals warm auf ihrem Weg von der Wiese über die Pelletieranlage in den Ofen.
Das Gras muss gemäht und richtig getrocknet werden, bevor Heu aus der Landschaftspflege oder Stroh zu Quaderballen gepresst werden können. Auch überständiges oder verregnetes Heu eignet sich für die Herstellung von Heupellets.
"Aus schlechtem Heu machen wir Heupellets, gutes Heu wird verfüttert", erklärte Bernhard Müller, warum Heupellets keine Konkurrenz für Futtermittel sind. Der Landwirt und Landhändler aus Böhringen hat nach vielen Versuchen die erste Pelletieranlage in Baden-Württemberg zusammengestellt, mit der er in einer Stunde etwa eine Tonne Pellets pressen kann. Dann darf aber kein Zinken oder Metallteil aus einer Landmaschine im Ballen versteckt sein, denn die werden im Ballenauflöser auseinander gerissen und dann im Mahlwerk klein gemahlen. Das Heuschrot wird über eine Reihe von Schlauchfiltern und Gebläsen entstaubt und wandert in die Presse.
Unter hohem Druck wird das Material durch eine Ringmatrize zu Pellets gepresst, die in großen Silos gelagert werden. Der Brennwert von einem Kilogramm Pellets ist mit 4,8 Kilowatt ähnlich gut wie der von Holz (4,9 Kilowatt). "Das Brennmaterial wächst jedes Jahr wieder nach und könnte uns unabhängiger machen von fossilen Energieträgern", hob Bernhard Müller den Wert der heimischen Ressource hervor. Etwa 2,5 Kilogramm der gepressten pflanzlichen Biomasse kann einen Liter Heizöl ersetzen und liegt damit besser als Hackschnitzel. Berechnungen der Universität Hohenheim ergaben, dass mit der in Deutschland verfügbaren Menge an Heu und Stroh etwa die Hälfte des Heizöls ersetzt werden könnte. Der Preis für eine Tonne Heupellets liegt momentan bei 160 Euro (Holzpellets bei 240 Euro). Die regenerativen Brennstoffe können in einem Biomassekessel bei hohen Temperaturen verschwelt werden. Sie hinterlassen bei richtiger Luftführung Asche, die als Dünger verwendet werden kann.
Im Kreis Rottweil werden hauptsächlich Bauernhöfe mit Pellets beheizt, die im Tausch von schlechtem Heu gegen guten Brennstoff bei Bernhard Müller hergestellt werden.