Landtagswahl Enges Rennen um die letzte CDU-Bastion

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Im Straßenbild nicht mehr zu übersehen: Bald ist Wahltag Foto: dpa

Stuttgart - Vor vier Wochen, bei der Vorstellung der Wahlplakate, ging Franz Untersteller den Wahlkampf ganz pragmatisch an: „Die drei runter, wir drei rauf, das passt“, sagte der Umweltminister der Grünen erstaunlich locker. Er bezog die Umfragewerte von Christdemokraten und seiner Öko-Fraktion auf den eigenen Wahlkreis, den Nordosten des Stadtgebiets. Dort stellt die CDU seit 1976 ununterbrochen den Sieger. Reinhard Löffler, lange Jahre auch als Stadtrat fest verankert, knüpfte 2006 an die Erfolge seiner Vorgänger an und hielt die Konkurrenz 2011 erneut auf Abstand.

Doch angesichts der jüngsten Umfragewerte könnte auch die letzte CDU-Bastion in der Landeshauptstadt ins Wanken geraten. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, das im Schlussspurt auf den 13. März hin entschieden werden wird. Die bundespolitische Stimmungslage kann am Ende mehr entscheiden als viele Hausbesuche und Diskussionsabende, bei denen sich die ­Kontrahenten wenig schenkten.

Lange war hier das Revier der SPD

Der am stärksten industriell geprägte Wahlkreis der Stadt war bis 1976 Revier der Sozialdemokraten, bis 2001 lieferte er für die SPD-Bewerber noch ein sicheres Zweitmandat. Doch inzwischen ist es 15 Jahre her, dass die Genossen hier die 30-Prozent-Marke überwinden konnten. Mit nur noch 23,1 Prozent blieb der Norden allerdings auch 2009 noch der stärkste SPD-Wahlkreis in Stuttgart. Der Grünen-Koalitionspartner schickt die Kulturstaatssekretärin Marion von Wartenberg ins Rennen. In den Kampf an der Spitze kann sie nicht eingreifen. Für Wartenberg, deren Themen vor allem Bildung und Ausbildung sind, geht es um einen Achtungserfolg. Darum, den freien Fall der Genossen zu bremsen.

Die große Unbekannte im Wahlkreis III ist die AfD. Sie hat hier einen Kandidaten, der mit seiner Bekanntheit punkten kann: Bernd Klingler. Bei der jüngsten Gemeinderatswahl im Mai 2014 wurde er in seiner Partei Stimmenkönig. Allerdings gehörte er da noch der FDP an. Sein Stadtratsmandat behielt er beim Wechsel zur Alternative für Deutschland. Die Liberalen verloren so den Fraktionsstatus. Entsprechend tief ist der Groll. Gegen Klingler ist bei der Staatsanwaltschaft ein Verfahren über den Umgang mit Fraktionsmitteln der FDP anhängig. Vor der Landtagswahl wird darüber aber kaum noch entschieden werden.

Für die aussichtsreichsten Parteien treten in diesem Wahlkreis an:

Grüne: Franz Untersteller

Er ist 59 Jahre alt und wurde in Emsheim/Saar geboren. Nach dem Abitur studierte er Landschaftsplanung an der Fachhochschule Nürtingen, wo der Vater zweier Kinder heute wohnt. Untersteller setzte sich mit der Umwelt- und Klimapolitik auseinander, wurde Mitarbeiter des Freiburger Öko-Instituts, und wechselte 1983 als parlamentarischer Berater in die Landtagsfraktion der Grünen. Seit 2006 gehört er dem Landtag an. Untersteller sei „heiß“ auf den Ministerjob, hieß es vor der Wahl 2011. Die Energiewende trieb er voran, auch wenn im Wahlkreis die Prüfung von zwei Windrad-Standorten im Tauschwald an der Standort-Ablehnung der Regionalversammlung scheiterte.

FDP: Gabriele Heise

Sie wurde 1966 in Hagen geboren, studierte in Passau und London Rechtswissenschaften und Sprachen und arbeitet seit 2015 freiberuflich für eine Kanzlei in Stuttgart. Heise ist verheiratet und hat zwei Kinder, lebt seit 2006 mit der Familie in Feuerbach und ist im Bezirksbeirat. 1998 trat sie in die FDP ein, war von 2011 bis 2013 Generalsekretärin in Baden-Württemberg, dann im Bundesvorstand und ist seit 2015 stellvertretende Landesvorsitzende der Liberalen. Bei den Wahlen 2011 verpasste sie im Kreis Stuttgart II den Einzug in den Landtag knapp. Ihre Schwerpunkte sieht sie in der Bildungs-, Finanz-, Haushalts- und Energiepolitik.

CDU: Reinhard Löffler

Er wurde 1954 in Offenburg geboren und studierte Volks- und Rechtswissenschaften in Basel, Freiburg und Montreal und promovierte in Freiburg. Seit 1983 arbeitet Löffler bei der IBM, inzwischen als Direktor für den Geschäftsbereich öffentliche Verwaltung. Der Vater von drei Kindern war seit 1994 Bezirksbeirat, dann von 1999 bis 2009 Stadtrat in Stuttgart. Seit 2006 sitzt er im Landtag, ist wirtschaftspolitischer Sprecher und war Obmann der CDU-Fraktion im Untersuchungsausschuss Schlossgarten II. Löffler ist um deutliche Worte nicht verlegen. 2010 brachte ihm eine körperliche Auseinandersetzung mit einem mutmaßlichen Nebenbuhler ungewolltes Aufsehen ein.

Die Linke: Reiner Hofmann

Er ist 63 Jahre alt und als ehemals freigestellter Betriebsrat bei Porsche auch Mitglied der IG Metall. Hofmann ist in Stuttgart geboren. Der Betriebswirt erreichte als Linke-Kandidat 2011 im Wahlkreis Stuttgart II 3,7 Prozent der Stimmen. Bei der erneuten Kandidatur setzte er sich in einer Kampf­abstimmung gegen die vom Kreisvorstand gesetzte Bewerberin durch. Hofmann bezeichnet sich als aktiver Linkspolitiker, der sich schon immer für soziale Belange eingesetzt habe und dessen Schwerpunkt auf der Politik für Arbeiter und der Solidarität mit Kuba liege. Hofmann ist Bezirksbeirat in Mühlhausen.

SPD: Marion von Wartenberg

Die 58-Jährige ist in Stuttgart geboren und lebt mit Mann und Tochter in Weilimdorf. Die gelernte Erzieherin arbeitete als Klinik- und Altenseelsorgerin der Evangelischen Landeskirche, bis 2013 war sie stellvertretende Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit den Schwerpunkten Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, dann wechselte sie als Staatssekretärin ins Ministerium für Kultus, Jugend und Sport. Von Wartenberg will sich vor allem für frühkindliche Bildung, gerechte Bildungschancen und bessere Übergänge von der Schule in Ausbildung und Beruf einsetzen. Bildungsgerechtigkeit und die Verhinderung von ­Altersarmut sind unter anderen ihre Ziele.

AfD: Bernd Klingler

Der 47-jährige selbstständige Werbefachwirt ist in Stuttgart geboren und lebt in ­Weilimdorf. Für die FDP war er lange im ­Gemeinderat, auch an führender Stelle. 2014 wechselte er zur AfD, deren Diktion er vertritt: Im Land mache sich eine Invasion von Eindringlingen breit, die die Sozialsysteme aussaugten. Die meisten seien Wirtschaftsflüchtlinge. Klingler sieht kulturelle und soziale Strukturen gefährdet, will eine Stärkung der Polizei, mehr Straßenbau. Die AfD bezeichnet sich als unideologisch und empfiehlt grundsätzlich, sich nicht über die Medien über inhaltliche Positionen der ­Partei zu informieren.

  
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