Kundenpolitik kritisiert Vordereinstieg bei Bussen hat Nachspiel
Michael Gerster, 01.05.2012 11:11 Uhr
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) beschwert sich, die SSB hätten einen Dialog zum Thema Vordereinstieg verweigert.Foto: Leif Piechowski
Stuttgart - Der Vorwurf hat es in sich. „Nach dieser Erfahrung nehmen wir den SSB die Behauptung, sie möchten die Fahrgäste rundum zufriedenstellen, nicht mehr ab“, heißt es in einer in den vergangenen Tagen verbreiteten Mail des VCD. Unterschrieben ist die Beschwerde von Christoph Link, Vorsitzender des Kreisverbands Stuttgart. „Die Zeiten, in denen sich ein öffentlich subventioniertes Unternehmen kommentarlos über ein ernsthaftes Engagement hinwegsetzen kann, sollten eigentlich vorbei sein“, schiebt er hinterher.
Hintergrund des Streits ist die Haltung des VCD zum zwingenden Vordereinstieg in Busse, den die SSB im Februar 2011 in Stuttgart eingeführt haben, um die Zahl der Schwarzfahrer zu senken. Der VCD begleitete diesen Prozess von Anfang an kritisch.
Erbetene Stellungnahme blieb ohne Reaktion
Später im Jahr gab er eine Umfrage unter Mitgliedern und Fahrgästen in Auftrag. Tenor dieser Anfang November verbreiteten Erhebung: Drei Viertel der Befragten sehen in der Regelung Nachteile, nur 15 Prozent Vorteile. Moniert wurden etwa Verspätungen in Spitzenzeiten vor allem bei Linien mit von vielen Schülern und Studenten besetzten Bussen. Außerdem seien viele Fahrer mit der Fahrscheinkontrolle überfordert, das Täuschen sei leicht möglich.
Diese Ergebnisse, so der VCD, habe man Anfang November auch an die SSB geschickt, ohne eine Antwort darauf zu erhalten. Ende Januar 2012 habe man schriftlich um eine Stellungnahme gebeten – ohne Reaktion. Der Versuch einer Kontaktaufnahme über das Internet oder Telefon sei ebenfalls gescheitert. Nach langen Warteschleifen habe man zu hören bekommen, dass der zuständige Mitarbeiter nicht erreichbar sei. Seit Verschicken des Briefes im November sei knapp ein halbes Jahr vergangen – und außer einer Eingangsbestätigung nichts passiert. „Ob jemals eine Antwort zu erwarten ist – keine Ahnung“, sagt Link.
Bei den Stuttgarter Straßenbahnen will man die Vorwürfe nicht auf sich sitzenlassen. „Wir sind überzeugt, dass wir dem VCD alle Informationen übermittelt haben, die für eine Beurteilung der Maßnahme nötig sind“, sagt Susanne Schupp, Sprecherin der SSB. So habe man bereits im Juli 2011 auf eine VCD-Anfrage vom Mai geantwortet. Der Tenor zum Vordereinstieg finde sich auch in einer Ende Juni verbreiteten Pressemitteilung. In dieser erklärt der Technische Vorstand Wolfgang Arnold, dass die Schwarzfahrerquote um die Hälfte gesunken, die Einnahmen gestiegen und die Pünktlichkeit trotz Vordereinstiegs auf dem Vorjahresniveau geblieben sei. „Schon damals ist klar gewesen, dass die Maßnahmen nicht mehr zurückgenommen werden“, so Schupp.




