Kreis Rottweil - Wildtiere werden im Winter zu oft gestört. Das sagen die Jäger. Sie bitten die Spaziergänger, auf den Wegen zu bleiben und die Tiere nicht zu stressen.

Bei geschlossener Schneedecke bricht regelmäßig das Wintersportfieber aus: Jeder holt aus einer Ecke des Dachbodens Schlitten oder Ski, und ab geht es querfeldein durch die Natur. Was deren Bewohner dazu sagen, sei egal. "Im Winter, insbesondere wenn die Natur tief verschneit ist, ist es wichtiger denn je, den Wildtieren ihre Ruhe zu lassen", äußert Kreisjägermeister Günter Hund.

Der Kreislauf der Tiere sei in dieser Zeit auf Sparflamme geschaltet, und jede Störung zwinge sie zu einer Flucht, die in lebensgefährlicher Weise an ihren Kraftreserven zehre. Vor wenigen Jahren habe eine Studie ergeben, dass in den Alpen Störungen durch Wintersport die Bestände des seltenen Birkhuhns um 30 bis 50 Prozent reduziert hatten. Die gestörten Tiere produzierten bis zu 60 Prozent mehr Stresshormone. Das beeinträchtige ihren Gesundheitszustand nachhaltig. Zudem würden sie häufiger Opfer von Beutegreifern, wenn sie aus ihren Verstecken vertrieben würden. Auch eine Studie im Schwarzwald habe eine stressbedingte Veränderung des Hormonspiegels von Auerhühnern nachgewiesen, deren letzte Bestände äußersten Schutz dringend nötig hätten.

Die Kreisjägervereinigung Rottweil appelliert an alle Erholungssuchenden: "Bitte bleiben Sie unbedingt auf den Wegen und halten Sie Hunde an der Leine."

Der Landesjagdverband erwägt, die Jagd auf wiederkäuende Wildarten (Reh, Hirsch, Gämse), die von der Ernährungsumstellung am stärksten betroffen sind, mit dem Einsetzen von Notzeiten zu beenden. Diese Forderung will er in das Beteiligungsverfahren zur Novellierung des Landesjagdgesetzes einbringen.

Gleichzeitig setzt er sich dafür ein, dass eine artgerechte Erhaltungsfütterung bei witterungsbedingter Nahrungsknappheit aus Gründen des Tierschutzes zulässig bleibt, um ein qualvolles Verhungern von Wildtieren zu vermeiden.