Kreis Freudenstadt - Dass der Abfall pünktlich entsorgt wird, ist für jeden Bürger selbstverständlich. Doch bis zum heutigen modernen Entsorgungssystem war eine Menge Aufbauarbeit notwendig. Maßgeblich daran beteiligt war die Firma Veolia (früher Altvater) in Glatten, die Ende des Jahres schließt.Der Markt in der Entsorgungswirtschaft ist hart umkämpft. Das führte dazu, dass die Firma Veolia mit ihrem Standort in Glatten nach der europaweiten Ausschreibung den Auftrag zur Entsorgung des Restmülls, der Biotonnen, des Schrotts, der Gartenabfälle und des Sperrmülls nach rund 40 Jahren verloren hat. (wir berichteten). Das tut Karlheinz Stoll besonders weh. 18 Jahre lang arbeitete er bei der Firma Altvater, davon viele Jahre als stellvertretender Betriebsleiter. Er erinnert sich noch an manche Strapazen im Zusammenhang mit der Abfallbeseitigung im Kreis Freudenstadt. Unserer Zeitung berichtete er über die Geschichte der Müllentsorgung im Landkreis, die eng mit dem Standort Glatten verbunden ist.

Bereits die Eltern von Karlheinz Stoll arbeiteten in Glatten bei der Firma Altvater. Sein Vater, von Beruf Schlosser, hat die Müllfahrzeuge in Schuss gehalten. Damals sah die Abfallentsorgung noch anders aus als heute. Die Mülleimer waren aus schwerem Blech, an den Fahrzeugen gab es keine Hydraulik zum Entleeren der Behälter. Die Arbeiter hatten einen Knochenjob zu erledigen – und das bei Wind und Wetter.

So war es nicht verwunderlich, dass es schwierig war, Arbeitskräfte zu bekommen. "Mein Vater hat an Haustüren geklingelt, um Leute anzuwerben", erinnert sich Karlheinz Stoll. meist waren es Menschen aus einem sozial schwachen Umfeld, die sich auf die Müllfahrzeuge stellten und die Tonnen schleppten. "Doch bei Altvater in Glatten haben viele nicht nur Arbeit, sondern auch sozialen Halt gefunden", so Stoll.

Er kann sich noch gut erinnern, dass türkische Arbeitskräfte in Stockbetten im Firmengebäude, dem ehemaligen Elektrizitätswerk, übernachtet haben. Wenn es geregnet und geschneit hat, sind die Mitarbeiter, die nicht draußen unterwegs waren, losgefahren und haben den Müllmännern trockene Kleidung gebracht. Auch Tee wurde im Firmengebäude gekocht, damit sich die Arbeiter nach einer harten Schicht aufwärmen konnten. "Denn die durften nicht krank werden", berichtet Karlheinz Stoll.

Nicht nur für die Leerung der Müllbehälter war die Firma verantwortlich, auch der Mülleinbau auf den Deponien Bengelbruck und Rexingen wurde unter der Regie des Glattener Unternehmens erledigt. Laut Stoll war die Firma Altvater seinerzeit auch für die Entsorgung im Kreis Calw und in den Städten Wolfach und Schiltach zuständig. "In Glatten waren zeitweise bis zu 60 Mitarbeiter beschäftigt", weiß er. Der Firmenname wechselte öfter in Glatten. Aus Altvater wurde Sulo und später Veolia, "doch immer ging es weiter", so Stoll, der auch viele Jahre Fahrer eines Müllwagens war. Stets hatte die Firma Aufträge.

"Ich empfinde es als schlimm, dass zum Jahresende der Standort Glatten von Veolia geschlossen wird", sagt Stoll und vermutet, dass es auch vielen Bürgern im Landkreis so geht. Nach so vielen Jahren kennt mancher Kreiseinwohner "seine" Müllmänner. "Man winkt sich zu oder der Arbeiter trägt einer älteren Frau auch schon mal den Mülleimer aus der Garage", weiß Stoll.

Doch auch die Angst fuhr manchmal auf den Mülllastern mit. "Vor allem im Winter, zum Beispiel in den engen Seitentälern des Wolftals", erinnert sich Karlheinz Stoll an seine Zeit als Fahrer. Nur noch mit Schneeketten gab es dann ein Durchkommen. "Doch Du hast gewusst, Du machst es für die Bürger", schildert Stoll die Motivation. Und er ist überzeugt, dass die Mitarbeiter von Veolia die Müllbeseitigung sicherstellen, bis zum letzten Tag, auch wenn danach in Glatten die Lichter ausgehen.