Kreis Freudenstadt "Die GEMA schafft ein Monster"
Jürgen Lück, 28.07.2012 08:04 Uhr
Die GEMA will ihre Gebühren neu ordnen.Foto: Ulm
Kreis Freudenstadt - Die drohende Erhöhung der GEMA-Gebühren sorgt für heftige Reaktionen bei Veranstaltern im Kreis Freudenstadt.Discotheken-Besitzer Oliver Widmann befürchtet gravierende Veränderungen für jede Art von Veranstaltung. Er sagt: "Die meisten haben bisher noch nicht begriffen, was für ein Monster die GEMA da schafft. Die Gebührenerhöhung betrifft Musikvereine, kleine Konzertveranstalter wie auch Weihnachtsmärkte. Wenn nichts passiert, werden viele dieser kleinen Events so teuer, dass es sie bald nicht mehr geben könnte. Das ist existenzgefährdend."
Für Widmanns Disco Martinique in Freudenstadt bedeuten die neuen GEMA-Gebühren einen Aufschlag von 400 Prozent. Er sagt: "Wenn ich das auf den Eintrittspreis umlege, muss ich noch mehr GEMA-Gebühren zahlen." Denn die Höhe der neuen Gebühren hängt auch vom Eintrittspreis ab. Dazu gibt es beim Musikabspielen über fünf Stunden lang noch einmal einen Gebührenaufschlag von 50 Prozent, so Widmann.
Derzeit verlangt er an der Kasse seiner Disco zwischen drei und fünf Euro, ein 0,3-Liter-Bier kostet 2,60 Euro. Widmann: "Wie die neue Preisstruktur aussieht, kann ich noch nicht sagen. Nur eins: Ich befürchte, dass dann weniger Besucher kommen."
Auch für Fans der klassischen Musik dürften die neuen GEMA-Gebühren Konsequenzen haben. Ulrich Weissert, Organisator der Konzertreihe in der Alpirsbacher Klosterkirche und Leiter der Alpirsbacher Kreuzgangkonzerte, meint: "Die Veranstalter gehen immer mehr dazu über, GEMA-freie Konzerte und Stücke zu fordern. Moderne Sachen werden aus Kostengründen zunehmend nicht mehr aufgeführt. Das ist traurig. Denn so kann die musikalische Vielfalt oft nicht mehr geboten werden."
Martin Scherer, Stadtmarketing-Chef von Horb, der unter anderem den Weihnachtsmarkt, kleinere Konzerte und das große Stadtfest organisiert, sagt: "Wir versuchen gerade, die vielen Modelle der GEMA durchzurechnen. Wir arbeiten daran, eine optimale Variante für unsere Veranstaltungen zu finden. Mehrkosten – davon gehen wir bisher aus – werden sich aber nicht vermeiden lassen."
Benjamin Breitmaier, Mitorganisator und Pressesprecher des Mini-Rock-Festivals in Horb, erklärt: "Wir sind bei der GEMA in die Kategorie der Konzertveranstalter eingeteilt. Je mehr Besucher und Umsatz, desto mehr GEMA-Gebühren. Der Satz ist bisher aber gleich geblieben. Würde dort eine Erhöhung ähnlich wie bei den Clubbesitzern von 600 Prozent kommen, wäre das für uns fatal. Nach acht Jahren wissen wir, wie preissensibel unser Publikum zwischen 16 und 25 Jahren ist. Eine direkte Umlegung der höheren GEMA-Sätze ist da nicht drin. Unser Risiko würde sich erhöhen. Die GEMA will die Gebühren erhöhen, denn sie sammelt Geld von allen Veranstaltern ein, um es an die Künstler zu verteilen."
Sänger Geri, Ex-"Klostertaler", der gerade in Bildechingen bei Horb weilt, meint: "Als Komponist und Songwriter profitiere ich vielleicht. Für die Veranstalter ist das aber ein großer Brocken."



Die Gema ist ein Monster
Das Monster ist die Gema, daran gibt es nichts zu rütteln. Ausserdem ist es ein Selbstbedienungsladen der ordentlichen Mitglieder, die auch das absolute und alleinige Stimmrecht ausüben. Der Geri hofft vielleicht auf ein paar Euro mehr, aber für jeden Euro, den er mehr bekommt, stecken sich die Herren ordentliche Mitglieder das hundertfache in die Tasche, in diesen Genuss kommt kein U- Musiker, nur die E-Musiker, die kaum Anteil am Aufkommen der Gema haben, da das meiste Geld von U- Musikern eingespielt wird, insbesondere sind darunter viele 'one hit wonder', die Mio Umsatz machen, aber nur einen Status als angeschlossenes Mitglied erhalten und damit an der Ausschüttung am wenigsten beteiligt sind, sofern sie überhaupt etwas bekommen, wenn sie bspw. den Text und / oder die Musik verbrochen haben. Wer in die Charts will, braucht einen Verlag und mgl. ein Majorlabel, die ebenfalls Geld einstreichen. Das Gros der ausübenden Musiker zahlt erst einmal an die Gema und bekommt dann, wenn überhaupt, nur einen Bruchteil wieder ausgeschüttet. Es ist ein recht verworrenes System, das bspw. in den USA dazu führt, dass Künstler, je mehr sie verkaufen, desto weniger verdienen lässt. Für Disco's wird es wohl nur die Alternative geben, Eintrittspreise abzuschaffen und auf Getränke umzulegen, um einen niedrigeren Status zu erhalten. Auf Festivals wird man teilweise wohl verzichten müssen oder die Preise steigen unermesslich, Konzertveranstalter werden es wohl ebenfalls schwer haben, am meisten wird es aber kleinere Musikschaffende am meisten treffen, denn die werden dann kaum mehr gebucht. Wie es sich für 'Lokale Bands, Alleinunterhalter und Cover Bands' anlässt, kann man noch gar nicht abschätzen. Der Markt ist hier bereits am Boden, kleine Sportvereine etc. werden wohl keine Livemusik mehr bezahlen und Konserven anbieten oder die Gagen noch mehr drücken. 'Hau wech die Scheisse' kann da nur das Motto lauten und man sollte jedem Politiker genau auf die Finger schauen, wie er das Problem GEMA angeht, denn nur mit der Politik war dieses System überhaupt so machbar. Die meisten 'Künstler' gehen durch die GEMA leer aus, resp. zahlen drauf und ohne GEMA gibt es keinen Airplay, also Radioeinsätze, da hier nur GEMA Musik gespielt 'werden kann', weil das Abrechnungssystem allein darauf basiert. Freie Musik gibt es in der öffentlichen Darbietung überhaupt nicht.