Kreis Calw - Jugendlichen im Kreis Calw wird es offenbar immer noch leicht gemacht, an Hochprozentiges zu kommen. Das ist das Ergebnis von Testkäufen, welche die Polizei gemeinsam mit dem Landratsamt und Kommunen durchgeführt hat. In mehr als der Hälfte der Fälle bekamen Jugendliche Alkohol verkauft.Der Verkauf von alkoholischen Getränken an Jugendliche ist nach wie vor ein brisantes Thema. Eine ganz besondere Verantwortung komme dabei den Beschäftigten im Einzelhandel, Tankstellen und Kiosken zu. "Dort versuchen die Jugendlichen oft an Hochprozentiges zu gelangen", heißt es in einer gestern veröffentlichten Mitteilung der Polizeidirektion Calw.

Nach dem Jugendschutzgesetz darf an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren keine branntweinhaltigen Getränke verkauft oder ausgeschenkt werden. Zwischen 16 und 18 Jahren muss es bei Bier, Wein oder Sekt bleiben.

Mit jugendlichen Testkäufern gingen die Calwer Polizei, Mitarbeiter des Landkreises und der Kommunen auf Tour und führten Kontrollen in Geschäften durch. Tatsächlich gelang es diesen Jugendlichen in 18 Fällen Alkohol zu erwerben. Alles in allem wurden im gesamten Landkreis Calw in zurückliegender Zeit 34 Testkäufe durchgeführt. "Das Ergebnis ist nicht wirklich erfreulich. Ganz besonders vor dem Hintergrund, dass solche Testkäufe bei den Betrieben angekündigt und diese noch mal eindringlich auf die Jugendschutzbestimmungen hingewiesen wurden", sagt Polizeisprecher Winfried König.

Das Kassenpersonal werde zudem in vielen Fällen durch Warnhinweise darauf aufmerksam gemacht, nach dem Ausweis zu fragen, wenn Alkohol über die Theke geht. In der Praxis sehe das oft anders aus: Teilweise wurden die Jugendlichen gar nicht nach dem Alter gefragt. Wenn sie aufgefordert wurden, ihren Ausweis zu zeigen, beachteten die Verkäuferinnen zum Teil das Alter nicht und händigten die alkoholischen Getränke trotzdem aus.

"In einem Fall waren die Verhaltensregeln an der Pinnwand im Einkaufsmarkt angebracht. Leider eben nur dort befestigt und nicht in den Köpfen der Beschäftigten verankert", so König. Den Betroffenen drohe ein nicht unerhebliches Bußgeld. Das könne in bestimmten Fällen auch gut und gerne 300 Euro überschreiten.

Die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes werde auch in der närrischen Zeit von der Polizei überprüft. "Veranstalter, Eltern und Verantwortliche der Vereine sollten ihren Pflichten nachkommen und die Altersgrenzen beim Ausschank von Alkohol beachten", rät die Polizeidirektion. Alkohol leiste Vorschub bei der Begehung von Straftaten und begünstige Gewalt.

Viele Jugendliche fassten bereits vor dem Besuch einer Fasnetsveranstaltung den Vorsatz, sich so richtig zu betrinken. Damit solche Absichten nicht im Krankenhaus, in Schlägereien oder mit sonstigen verheerenden Folgen enden, appelliert die Polizei an alle Verantwortlichen, sich klar an die Regeln zu halten: Keinen Alkohol für unter 16-Jährige, Branntwein und branntweinhaltige Getränke dürfen nur an über 18-Jährige ausgeschenkt werden und letztlich gehe Spaß haben und Feiern auch ohne Alkoholgenuss.