Kongo blutet, die Politiker debattieren
Schwarzwälder-Bote, 07.08.2012 22:06 UhrVon Carola Frentzenund James Reinl Addis Abeba/Kinshasa. Der Horror für die Menschen im Ostkongo kennt keine Grenze. Kinder werden als Soldaten rekrutiert, Schüsse, Vergewaltigungen, Granateneinschläge gehören zum Alltag.
Fast eine halbe Million Menschen sind laut UN seit April auf der Flucht. Viele Kinder wurden von ihren Eltern getrennt – beim verzweifelten Versuch, einer Zwangsrekrutierung durch die Rebellen zu entkommen. Ganz auf sich allein gestellt, halten sie sich in den Wäldern versteckt.
Die Hoffnung ruht auf einem Treffen regionaler Staats- und Regierungschefs in der ugandischen Hauptstadt Kampala: Elf Länder beraten seit gestern über eine Friedenstruppe, die in Abstimmung mit Vereinten Nationen und Afrikanischer Union entsandt werden könnte. Bis dahin kommen täglich weitere Hiobsbotschaften aus der seit Jahrzehnten umkämpften Region.
Umso schockierter waren die Geberländer, als ein UN-Expertenbericht offenbarte, dass Nachbar Ruanda die Gewalt offenbar schürt. Hochrangige Militärs sollen beim Aufbau der ostkongolesischen Rebellenorganisation M 23 (Bewegung des 23. März) "direkte Unterstützung" leisten.
Die M-23-Rebellen hatten für die kongolesische Armee gekämpft, sich aber im Mai nach einer Meuterei abgespalten. Geleitet wird die Truppe vom berüchtigten Militärführer Bosco Ntaganda, der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag unter anderem wegen Massenvergewaltigungen und des Einsatzes von Kindersoldaten gesucht wird.
Ende Juli reagierten zuerst die USA, dann auch die Niederlande, Deutschland und Großbritannien. Sie legten ihre Entwicklungshilfe für Ruanda zunächst auf Eis. Berlin setzte 21 Millionen Euro aus. "Dieses Druckmittel kann sehr effektiv sein, weil Ruanda ganz stark von Entwicklungshilfe abhängig ist", sagt Thierry Vircoulon von der International Crisis Group. Der Kongo-Experte Jason Stearns ist skeptischer: "Die M 23 ist die stärkste Kraft und kann sich selbst finanzieren, vor allem durch illegale Geschäfte."
Aber warum hat Ruanda ein Interesse im Nachbarland? Zum einen ist der Ostkongo so reich an Bodenschätzen wie kaum eine andere Region der Welt. Zudem haben die kongolesischen Rebellen enge ethnische Verbindungen zur Regierung in Kigali. Elodie Martel, Chefin der Hilfsorganisation Oxfam im Kongo, fleht: " Alle sind gefordert, die Katastrophe im Kongo zu beenden."



