Kommunion Ein Gespür für Gott entwickeln

Eva Funke, 15.04.2012 08:00 Uhr

Stuttgart - An diesem Sonntag, dem ersten nach Ostern, wird in vielen katholischen Kirchengemeinden Weißer Sonntag gefeiert. In der Landeshauptstadt werden rund 800 Mädchen und Jungen ihre erste heilige Kommunion empfangen. Das sind etwa so viele Kinder wie in der Vergangenheit.

„Obwohl die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, sind zur Erstkommunion seit Jahren in etwa gleich viele Kinder angemeldet“, sagt Eugen Haag. Der 54-Jährige ist Diakon der katholischen Pfarrgemeinden Liebfrauen und St. Peter in Bad Cannstatt und betreut in diesem Jahr insgesamt 41 Erstkommunionskinder . Dass es auch in seinen Gemeinden jedes Jahr etwa gleich viele Kinder sind, erklärt er mit dem hohen Anteil an ausländischen Familien. „Davon profitieren wir, denn für Italiener, Spanier oder Polen ist es selbstverständlich, dass ihre Kinder an der Erstkommunion teilnehmen“, sagt er und stellt aber auch fest, dass deutsche Kinder angemeldet werden, weil das „zur Tradition gehört“. Nach der Erstkommunion sei es das für einige dann aber leider auch gewesen. Zur Firmung, bei der das Durchschnittsalter bei 14 bis 15 liegt, kämen nur noch etwa 60 Prozent der Erstkommunionskinder. Letztere sind meist in der dritten Grundschulklasse, also neun Jahre, wenn sie zum ersten Mal Jesus Christus im Zeichen von Brot und Wein empfangen.

„Die Kinder wollen alle gern zur Erstkommunion“

„Die Kinder wollen alle gern zur Erstkommunion“, meint Haag. Seine Beobachtung ist, dass es mitunter zu Konflikten kommt, wenn die Eltern sich getrennt haben. „Dann will der eine, dass das Kind die Erstkommunion mitmacht, der andere lehnt das ab“, sagt Haag und glaubt, dass es bei den Meinungsverschiedenheiten oftmals nicht um die Kirche und den Glauben geht, sondern darum, dem Partner eins auszuwischen. In diesem Jahr hat es der Diakon allerdings erstmals erlebt, dass ein von seiner Familie getrennt lebender Vater den Missbrauchsskandal innerhalb der Kirche als Grund nannte, seinen Sohn nicht zur Erstkommunion zu lassen. „Der Junge war angemeldet und in einigen Vorbereitungsstunden. Trotzdem wurde er wieder abgemeldet“, sagt Haag und erinnert sich daran, dass das für den Buben bitter war.

In den Vorbereitungskursen lernen die Kinder spielerisch, was es mit der heiligen Kommunion auf sich hat, und sie sollen ein Gespür für das Geheimnis Gottes bekommen. „Dreimal während der Vorbereitungszeit laden wir die Familien zu m Gottesdienst ein.“ Doch auch wenn es mit dem Kirchgang nicht klappt , dürfen die Kinder zur Erstkommunion. Haags Ziel ist es, die Mädchen und Jungen durch die Erstkommunion so für den Glauben und die Kirche zu begeistern, dass sie anschließend Ministranten werden. „Dadurch haben si eine Aufgabe in der Kirchengemeinde und nehmen am Gemeindeleben teil.“ Mit Zwang – ob zu Kirchenbesuchen oder zur Teilnahme an jeder einzelnen Vorbereitungsstunde – funktioniert das seiner Meinung nach nicht. Ganz wichtig ist dem Diakon auch, dass die Erstkommunion ein schönes Fest für die gesamte Familie wird – mit Geschenken, Essen und/oder Kaffee trinken und allem, was dazu gehört.

Damit sich künftig wieder mehr Jugendliche firmen lassen, will die Kirche diese Feiern ebenfalls möglichst auf einen Sonntag legen. „Dadurch kann auch das zum Familienfest werden und an Bedeutung gewinnen“, meint Haag.

In der Liebfrauenkirche in der Wildunger Straße in Bad Cannstatt wird an diesem Sonntag, 10.30 Uhr, der Festgottesdienst zur Erstkommunion gefeiert , in St. Peter, Winterbacher Straße, ist es um die gleiche Zeit am darauffolgenden Sonntag so weit. Weitere Feiern an diesem Sonntag jeweils um 10 Uhr: St. Eberhard in der City, St. Elisabeth im Westen, St. Ottilia in Münster, ­St. Barbara in Hofen, Salvator in Giebel.
 
 
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