
Von Hans-Jürgen Kommert Königsfeld. Über "Pilze und Asthma" referierte Hans-Martin Ulmer in Königsfeld. Etwa 50 Besucher interessierten sich für seinen Vortrag.
Viele Jahre war Hans-Martin Ulmer in der Königsfelder Albert-Schweitzer-Klinik Oberarzt der Abteilung Pneumologie und Allergologie. Vor zwei Jahren wurde er in der Rehaklinik Irma in Bad Dürrheim Schwerpunktleiter in seinem Fachgebiet. Nun hielt er einen höchst interessanten Vortrag über das Thema "Pilze und Asthma" an seiner früheren Wirkungsstätte.
Ulmer, der auch berechtigt ist, sich "Umweltmediziner" zu nennen, machte deutlich, dass nicht alles schlecht gewesen sei in früheren Zeiten: "Wir haben zwar früher die Umwelt mitgeheizt, dafür war das allgemeine Raumklima deutlich besser." Ausnahme dabei seien feuchte Kellerräume, Waschküchen oder innenliegende Bäder gewesen, die schlecht belüftbar waren.
Schimmelpilze Urformen des Lebens
"Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Pilze und vor allem Schimmelpilze zu den Urformen des Lebens zählen", machte er auf die historische Existenz der heute verschrienen Winzlinge aufmerksam.
Und es seien auch bei weitem nicht alle Sporensender tatsächlich schädlich, sondern teils sogar richtig lecker, wie beispielsweise im Zusammenspiel mit diversen Käsesorten leicht nachweisbar sei. Tatsächlich aber schwebten in der Luft wesentlich mehr Arten von Sporen, als man jemals denken würde.
Nur wenige davon machen dem Menschen zu schaffen, wenn er einer seiner ureigensten Tätigkeiten nachgehe, der Atmung. "Jeder Mensch nimmt täglich etwa 15 Kubikmeter Atemluft auf. Beim Sport steigert sich dies noch einmal enorm", verdeutlichte der Referent den Durchsatz unserer Lunge. Und der große Widerpart sei hier ein Winzling namens "Aspergillus", ein Schimmelpilz, dessen Sporen in der Raumluft schweben.
Deutliche Vorlieben weise er auf: Feuchtes und warmes Terrain liege ihm am meisten. Die höchste Konzentration könne man wahrnehmen. "Wenn ein Raum feucht-muffig riecht, deutet dieser Geruch auf Schimmel hin", erklärte Ulmer den Besuchern. Aspergillus enthält mehrere toxische Stoffe, die eine so genannte Mykotoxikose verursachen könnten. Wichtiger sei aber ihre problematische allergologische Wirkung, die vor allem zu einer Verengung der Atemwege, also Asthma führe. Ein Mittel dagegen sei hier in erster Linie Kortison, in der Anfangsphase sogar hoch dosiert. Dieses eigentlich körpereigene Hormon, das in der Nebennierenrinde erzeugt werde, sei in den vergangenen Jahren erheblich verbessert worden, so dass die Nebenwirkungen weitgehend zurückgedrängt worden seien.
Nähe der Biotonne sollte gemieden werden
Betroffen seien Menschen mit einer Lungenerkrankung wie Bronchitis. "Ein Asthmatiker, der immer wieder auch entzündliche Lungenentzündung bekommt, ist extrem gefährdet", klärte der Mediziner auf.
Nach dem Vortrag stand Ulmer noch für Fragen zur Verfügung. Und einen kleinen Tipp gab’s dazu: "Wer belastet ist, sollte in jedem Fall im Sommer die Nähe der Biotonne meiden."