Von Karlheinz Hoffmann

Königsfeld. Bürgermeister Fritz Link beleuchtete in seiner Neujahrsansprache die Wertedimensionen der abendländischen Philosophie. Er gab zudem einen Ausblick auf anstehende Investitionen in der Gesamtgemeinde.

"Gemeinschaft erleben, Vergangenes und Künftiges mit ihren Auswirkungen auf unser Gemeinwesen zu beleuchten, uns gemeinsamer Werte und Ziele zu vergewissern und uns wechselseitig alles Gute zu wünschen, ist uns ein inneres Bedürfnis", so Fritz Link zu Beginn seiner Rede. Was aber brauche es für ein gutes neues Jahr?

Catharina Elisabeth Goethe, die Mutter von Johann Wolfgang von Goethe, habe am Neujahrstag 1770 ein Rezept an ihren Sohn verfasst. "Man nehme zwölf Monate, putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht. Es wird jeder Tag einzeln angerichtet aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor. Man füge drei gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, einen Teelöffel Toleranz, eine Körnchen Ironie und eine Prise Takt." Ob bewusst oder unbewusst habe sie zwischen den Zeilen zugleich die Wertedimensionen der abendländischen Philosophie für ein gelindes Leben und Zusammenleben generell einfließen lassen.

Europäische Union als Wertegemeinschaft

Die europäische Union habe sich als Wertegemeinschaft ausgemacht. Dieser Begriff werde aber immer sehr strapaziert. Der Tübinger Philosophie-Professor Otfried Höffe definiere auf verschiedenen Grundlagen fünf wegweisende Wertedimensionen, so Fritz Link.

Der erste Grundwert ist die Gerechtigkeit. Mit einem verbindlichen Rechtssystem, der Garantie der Menschenrechte und der Demokratie als Staatsform genügt unsere Gesellschaft heute diesem Leitwert der Gerechtigkeit. Als zweiter Grundwert ist hier das Mitleid, die Hilfsbereitschaft und das Wohlwollen beziehungsweise die Nächstenliebe als konkreter Ausdruck der Gerechtigkeit und Humanität zu nennen. Als besonderes Beispiel gelebter Menschlichkeit hob Fritz Link hier Albert Schweitzer hervor. Seit 100 Jahren besteht sein Krankenhaus in Lambarene.

In diesem Jahr sind zahlreiche Aktionen geplant. An einer Spendenaktion beteiligt sich auch die Gemeinde. Der Spendenbetrag wird im August von einer Delegation persönlich überbracht. "Dadurch leisten wir echte Solidarität. Sie stellt den dritten Wert dar. Da hier eine Sorge um das eigene solidarische Gemeinwesen besteht, ist jedoch nach Professor Höffe im Zeitalter der Globalisierung eine vierte Dimension, nämlich kosmopolitische oder Weltbürgerwerte wünschenswert", unterstrich der Bürgermeister.

Ökologische Verantwortung

Hierzu zähle auch globale Solidarität. Getreu dem Motto "Global denken – lokal handeln" sei die Gemeinde der ökologischen Verantwortung mit dem 2012 realisierten Modellprojekt "LED-City Königsfeld" nachgekommen. Mit der Erneuerung der Heizanlage in der Grund- und Hauptschule folge hier im laufenden Jahr ein weiterer Schritt zu mehr Energie-Effizienz.

In der fünften Wertedimension sieht Otfried Höffe, dass die Bürger nicht um des Gemeinwesens willen da sind, sondern dass sie nach eigenem Willen ihre Selbstentfaltung suchen. Diesem Zweck dienen auch die Werte Nachhaltigkeit, Besonnenheit und Klugheit.

Ideenvielfalt in den Bürgerwerkstätten

In der Gemeinde wird dies gelebt, betonte Fritz Link. Die Ideenvielfalt komme in den Bürgerwerkstätten zum Vorschein. Dies werde nicht nur mit der Fertigstellung des "Curavital" belegt. Hier gebe es attraktive bürgernahe Serviceleistungen.

Neue Baugebiete am Tonishof und auf dem Zinnet seien realisiert worden. Mut und Optimismus, den Catharina Goethe in ihrem Gedicht forderte, zahle sich auch in der Gemeinde bei der Planung und Umsetzung der verschiedenen Vorhaben aus, so Fritz Link. Die Zukunft solle auch weiterhin gemeinsam definiert werden. Hier gibt es unter anderem einen Jugendworkshop "Die Zukunft junger Menschen im ländlichen Raum".

Schließlich zitierte er Abraham Lincoln "Wer im Leben kein Ziel hat, verläuft sich" und Vergil "Dem Mutigen lacht das Glück".