
Von Peter Glitsch
Königsfeld. Mit einem glanzvollen Auftakt begann die letzte von Uta Homolka organisierte Konzertreihe der Geistigen Nothilfe Königsfeld. Das Notos-Quartett – Sindri Lederer (Violine), Liisa Randalu (Viola), Florian Streich (Violoncello) und Antonia Köster (Klavier) – bot Kammermusik auf höchstem Niveau und faszinierte durch Virtuosität und musikalische Gestaltungskraft.
Das Konzert begann mit der Fantasy fis-moll von Frank Bridge, der nicht nur der Lehrer Benjamin Brittens, sondern ein bedeutender Komponist von Kammermusik war. Das von gegensätzlichen Emotionen und virtuoser Spielfreude farbiger Klanglichkeit und satztechnischer Kunstfertigkeit geprägte Werk gab dem Notos-Quartett Gelegenheit, sich als hoch qualifiziertes Ensemble vorzustellen. Ihr differenziertes, ausgewogenes Zusammenspiel ließ den melodisch bedeutsamen Stimmen genügend Raum, ohne auf dramatische Steigerungen zu kompakter Klanglichkeit zu verzichten. Ein besonderes Erlebnis war der herrlich gestaltete Schluss.
Das darauf folgende Klavierquartett B-Dur op. 41 von Camille Saint-Saéns – ein Meisterwerk der Kammermusik – vereint in seinen vier Sätzen eine Vielfalt von musikalischer Ausdrucksgestaltung: lyrische Melodik und filigrane Figuration, durchsichtig polyphones Dialogisieren und Verdichtung zu großen Klangsteigerungen finden sich ebenso wie spielerisch pointierte Rhythmik. Bei der faszinierenden Interpretation zeigten sich die vier Künstler als von jugendlichem Elan erfüllte Vollblutmusiker mit exzellentem technischen Rüstzeug, wobei besonders Antonia Köster mit einer pianistischen Höchstleistung glänzte. Das stets perfekte Zusammenspiel des Ensembles ist aber ebenso von großartiger Sensibilität geprägt, die sich in nuancenreicher Tongebung und Dynamik äußert.
Den Abschluss bildete das 1889 entstandene zweite Klavierquartett von Antonin Dvorak in Es-Dur op. 87. Der erste Satz lebt von einem Thema, dessen geballte Diktion kraftvoll entwickelt wird, während der empfindungsvolle Leuto-Satz mit seiner rhapsodisch freien Form den wirkungsvollen Kontrast bildet. Der von einer graziösen Tanzweise bestimmte dritte Satz mit einem ausgedehnten Trio voll drängender Bewegung im kraftvoll punktierten Rhythmus leitete zum Finale über, dessen dynamisch vorwärts strebende Haltung an den ersten Satz anknüpft und in einem klangprächtigen Ende gipfelt. Das technisch wie gestalterisch anspruchsvolle Werk zog die Zuhörer in seinen Bann: Faszinierend war das perfekte Zusammenspiel, ebenso die ausgefeilte und ausdrucksstarke Tongebung in den lyrischen Partien. Es gab viel verdienten Beifall, ja "standing ovations" für eine künstlerische Leistung, die durch die Zugabe fast noch getoppt wurde: Mit dem Scherzo aus dem c-moll-Klavierquartett von Richard Strauß setzten sie einen witzig-brillanten Schlusspunkt.