Stuttgart - Er passte zum "Ländle", als hätte ein Regisseur ihn extra für die Rolle des Landesvaters ausgesucht: Lothar Späth ist der knitze Schwabe, der talentierte Politiker, der brilliante Rhetoriker, kurz: das Cleverle. Am 16. November feiert der CDU-Mann und ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg seinen 75. Geburtstag.

Ministerpräsident wird er (mit erst 40 Jahren), als sein Vorgänger Hans Filbinger wegen seiner Verstrickungen als Marinerichter in der NS-Zeit 1978 seinen Hut nehmen muss. Zwölf Jahre steht Späth einem Bundesland vor, das zufrieden ist mit sich, seiner Wirtschaftskraft - und seinem Ministerpräsidenten. Drei Landtagswahlen gewinnt Späth mit absoluter Mehrheit - ein Rekord. Mit fröhlichem Selbstvertrauen tritt der mächtige Landesvater auch in Bonn auf und wird so zum innerparteilichen Stachel im Fleisch des Bundeskanzlers Helmut Kohl. Seinen Landeskindern gefällt's; "Späth mag d'Leut und d'Leut möget Späth", sagte ein ähnlich populärer Politiker aus dem Schwabenland: Stuttgarts Alt-OB Manfred Rommel.

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Die "Traumschiff-Affäre" beendet Späths politische Karriere

1991 stolpert der gebürtige Sigmaringer über die "Traumschiff-Affäre": Ihm wird vorgeworfen, er habe sich von Firmen Urlaubsreisen bezahlen lassen. Späth tritt zurück und startet eine zweite Kariere in der Privatwirtschaft. Er führt die Jenoptik durch die Nachwendezeit und an die Börse, wird Manager bei der amerikanischen Bank Merill Lynch und Aufsichtsratsvorsitzender beim Holtzbrinck-Verlag.

Noch heute ist Späths wirtschaftliche Expertise gefragt: Beispielsweise als Aufsichtsratsvorsitzender der Beratungsfirma J&M Management Consulting mit Sitz in Mannheim. Mit der Politik habe er abgeschlossen, sagte Späth in einem Interview zum Anlass seines 70. Geburtstags 2007: "Da treiben sich zu viele Leute herum, die ich als Unternehmer nicht einstellen würde."

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