Stuttgart - Es könnte alles so schön sein: Der niederländische Eröffnungsfilm „Kauwboy“ ist gerade beim Europäischen Filmpreis ausgezeichnet worden, die Autoren Peter Härtling („Ben liebt Anna“), Manuela Olten („Muss mal Pipi“) und Paul Maar („Das Sams“) kommen zu den Stuttgarter Kinderfilm­tagen, eine siebenköpfige Kinderjury aus der Stadt entscheidet den Wettbewerb. Das Festival wird vieles zeigen, was Kinder auf ganz andere Art an das Medium Film heranführen kann als die Standardware in Kino und ­Fernsehen – auch ein Thema für den flan­kierenden medienpädagogischen Fachtag.

Doch die Veranstalter – der Treffpunkt Kinder der Volkshochschule Stuttgart, das Evangelische Medienhaus und das Landesmedienzentrum – schlagen Alarm: „Nun ist eine Grenze erreicht“, sagt Martin Dellit, Geschäftsführer im Evangelischen Medienhaus. „Das Programm bekommen wir gerade noch so hin, aber wir können keine Regisseure und Schauspieler mehr einladen, ­deren Anwesenheit die Erfahrung für die Kinder besonders nachhaltig macht.“ Rund 60.000 Euro haben die Kinderfilmtage diesmal zur Verfügung, 100.000 Euro müssten es sein – und es sind Sponsoren weggefallen, Stiftungen etwa, die Projekte nur auf Zeit unterstützen dürfen. Eine Kooperation mit dem Literaturhaus hat es immerhin ermöglicht, die drei Autoren einzuladen.

Die Kosten indes steigen. „Viele Kinderfilme finden keine Verleiher mehr, und die Produzenten verlangen bis zu 800 Euro Abspielgebühr, das hat es früher nicht gegeben“, sagt Iris Loos vom Treffpunkt Kinder. „Bei Kinderfilmen helfen keine Untertitel, man muss sie einsprechen und zum Teil Dialoglisten erstellen, das kostet Geld“, sagt Dellit. „Wir bräuchten mehr Begleitmaterialien für Lehrer und Schüler zur Nachbereitung“, ­ergänzt sein Mitarbeiter Roland Kohm. „Wir müssen eine zentrale Organisationseinheit schaffen“, sagt Hanns Helwerth vom Landesmedienzentrum – der ebenso wie Dellit 2013 in den Ruhestand gehen wird. „Die Absicherung des Festivals ist personell nicht garantiert“, sagt Dellit. „Bisher ging das mit viel Selbstausbeutung, unsere Institutionen ­haben Defizite aufgefangen, weil wir dafür gekämpft haben.“ Überraschende Unterstützung kommt jetzt von Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU). „Die Kinderfilmtage“, sagt Eisenmann, „haben sich fest im Filmfestkalender der Landeshauptstadt etabliert. Ich werde mit allen Beteiligten ­Gespräche führen. Die Kinderfilmtage müssen weitergehen – mit welchen Partnern und in welcher Trägerschaft, das werden wir ­diskutieren.“

Die Kinderfilmtage

Zeitraum und Orte: 4.–9. 12., Treffpunkt Rotebühlplatz und Literaturhaus

Eröffnung: 4. 12. Stuttgart-Premiere von „Kauwboy“ (8.30 Uhr, Rotebühltreff), parallel dazu „Krücke“ (1993) mit Autor Peter Härtling (8.30 Uhr, Literaturhaus)

Einige Filme laufen um 17 Uhr, damit Eltern mit ihren Kindern gehen können

Preisverleihung: Am Familiensonntag mit vielen Aktionen (9. 12.) um 17 Uhr, der Gewinnerfilm wird gezeigt

Info: www.stuttgarter-kinderfilmtage.de