Kehl/Straßburg - Grund zu feiern: Die Sanierung der größten derzeit einsatzbereiten Hochwasserschutzanlage, des Kulturwehrs Kehl/Straßburg, ist abgeschlossen worden. Die Sanierung aller sechs Wehrverschlüsse hat fast zweieinhalb Jahre gedauert. Der für die Gesamtmaßnahme vorgesehene Kostenrahmen von zehn Millionen Euro wurde laut dem Regierungspräsidium (RP) Freiburg eingehalten. "Die Herausforderung bei der Sanierung war, sie im laufenden Betrieb, also auch für den Fall eines Hochwassereinsatzes, sicher zu bewältigen", sagte Ulrich Springer, Abteilungspräsident Umwelt beim RP.

Beim Austausch der Druckarme und des Drucksegments wurden oberhalb und unterhalb Revisionsverschlüsse gesetzt, die ein Arbeiten in einer trockenen Baugrube ermöglichen. Das Kulturwehr ist mit einer Rückhaltekapazität von 37 Millionen Kubikmetern die größte derzeit einsatzbereite Hochwasserschutzanlage am Oberrhein.

Nach mehr als 25 Betriebsjahren stand sie auf dem Prüfstand. Vergleichbar mit einer Hauptuntersuchung beim Auto wurden innerhalb der vergangenen drei Jahre alle sicherheitsrelevanten Bauteile am Wehr und den umgebenden Dämmen auf Herz und Nieren geprüft. "Die Zwischenbilanz fiel zunächst gut aus: Die Dämme halten auch heute dem Wasser stand, die Bauwerke sind ausreichend bemessen, die Betonbauteile weisen einen guten Zustand auf. Die Elektronik wurde über die Jahre fortlaufend erneuert. Allein bei den Drucksegmenten, mit denen das Wehr reguliert wird, wurde Sanierungsbedarf festgestellt", fasste Harald Klumpp, Leiter der Projektgruppe Offenburg des Integrierten Rheinprogramms, zusammen. "Bei der abschließenden Überprüfung der Stahlwasserbauteile Ende 2008 haben wir in allen Druckarmen der sechs Segmente feine Risse im Stahl festgestellt – ein völlig unerwartetes Ergebnis für solch ein Bauwerk." Schließlich hätten solche Anlagenteile normalerweise eine Lebenserwartung von mehr als 80 Jahren, so Klumpp weiter.

Die Fachleute des RP haben sich zusammen mit hinzugezogenen Experten in Absprache mit dem Landratsamt Ortenaukreis für einen Neubau für das erste Wehrfeld entschieden, um einen möglichst raschen, gefahrlosen Austausch zu ermöglichen. "Beim ersten Neubau haben wir viel Erfahrung gesammelt, die bei der Sanierung der folgenden Drucksegmente hilfreich war", sagte Gerhard Gündner, Betriebsleiter des Kulturwehres. Das erste ausgebaute 20 mal fünf Meter große Segment wurde im Werk geprüft. Eine Weiterverwendung war möglich. Daher wurde die Austauschsanierung für die restlichen fünf Wehrfelder sowohl aus technischer als auch wirtschaftlicher Sicht als die beste Variante gewählt. Das erste ausgebaute und aufbereitete Segment diente wiederum als "Ersatzteil" für das folgende Bauteil im nächsten Wehrfeld.

u Am 27. Mai 1975 wurde von Deutschland und Frankreich der Bau des Kulturwehrs Kehl/Straßburg und der südlich angrenzenden Polder Altenheim beschlossen. Bauherr der am 10. Januar 1977 genehmigten Hochwasserschutzanlage war die Bundesrepublik Deutschland. u 1990 übergab der Bund die Anlage dem Land Baden-Württemberg. Im Regierungspräsidium Freiburg ist das Referat 53.3 – Integriertes Rheinprogramm – für die Anlage verantwortlich. u Das Kulturwehr ist eine Kombination eines Staubalkenwehres mit einer festen Schwelle. Gesteuert wird der Abfluss durch sechs Wehrverschlüsse aus Stahl mit je einer Breite von 20 und einer Höhe von fünf Meter. u Bei der Sanierung im Bestand war für alle Beteiligte Präzisionsarbeit erbracht. Ein Beispiel: Ein Schwimmkran mit einer Tragkraft von 300 Tonnen und einem Mastausleger von 48 Metern war notwendig, um die 50 Tonnen schweren Drucksegmente auszutauschen – Millimeterarbeit bei einem Spielraum zwischen Massivbau und Segment auf beiden Seiten von gerade einmal 3,5 Zentimetern. Zwischen März 2010 und Oktober 2012 wurden die sechs Segmente ausgetauscht.