
Von Klaus Stopper
Jungingen. Mehr als 50 Junginger Senioren schauen aus 127 Buchseiten heraus. Männer, Frauen, fröhlich, nachdenklich, manche verkleidet. Ein Fotobuch nicht nur für Junginger, denn es zeigt die Fasnet und das Leben aus einem wunderbar fröhlich-melancholischen Blickwinkel heraus.
Es trägt den Titel "humba, humba, täterä – Alte Junginger Narren" und wurde nun von dem in Jungingen geborenen Matthias Bumiller als Hommage an seine frühere Heimat im Eigenverlag veröffentlicht.
Bumiller lebt heute in Stuttgart. Das Gestalten von Büchern anderer Autoren ist sein Beruf. Aber es reizt ihn immer wieder, auch eigene Bücher zu produzieren. Einige davon befassen sich mit seiner früheren Heimat, so unter anderem ein liebevoll zusammengestelltes Werk über das Junginger Schillerdenkmal, und ebenso der 2009 erschienene Fotoband "Jucker, Spork und Hurra-Marie", in dem er Fotos von Junginger Senioren zusammengefasst hat, die er im Nachlass des ehemaligen Orts-Pfarrers Eugen Wessner gefunden hatte.
Wessner, ein begeisterter Fotoamateur, hatte 1966 in einer Serie die Junginger Senioren fotografiert. Meist stehen sie vor ihren Häusern, jeder in Alltagskleidung, die fast genauso viel über die Person verrät, wie die tief zerfurchten Gesichter. Eine Generation Menschen, die meisten davon haben ihr ganzes Leben in Jungingen verbracht. Von Kindheit an kannten sie sich, nun sind sie hochbetagt.
Das Eigenwillige an diesem Buch: Es enthält außer Namen und Berufen der Abgebildeten keine Informationen. Wer die Fotografierten nicht persönlich kannte, malt sich in der Fantasie aber unwillkürlich aus, was das wohl für Persönlichkeiten waren, die da abgebildet sind.
In seinem neuen Buch "humba, humba, täterä" greift Bumiller die Idee des ersten Portraitbands wieder auf. "Eigentlich wäre es an der Zeit, die Idee von Pfarrer Eugen Wessner wieder aufzugreifen, und die heutige Generation der über 70-jährigen Junginger zu fotografieren", beschreibt er im Vorwort sein Motiv.
Und als ihm sein Vater, Manfred Bumiller, vor einem Jahr erzählte, dass er demnächst mit seiner Tanzkapelle "Die Sieben Schwaben" zur Junginger Seniorenfasnet aufspielen würde, war das die Gelegenheit. So viele alteingesessene Junginger auf einem Fleck – Matthias Bumiller packte die Kamera ein, reiste von Stuttgart in seinen Heimatort und fotografierte die heitere Runde. Die Bilder zeigen Senioren bei einem ruhigen, kleinen, närrischen Fest. Die Teilnehmer können schon aus körperlichen Gründen nicht mehr auf den Tischen tanzen, aber viele machen ohnehin den Eindruck, dass sie schon so viel Trubel erlebt haben, dass sie es mittlerweile gerne langsamer angehen lassen. Manche sind mit Papiergirlanden närrisch verkleidet, manche originell mit Nudelsieb auf dem Kopf, andere verzichten auf närrisches Beiwerk. Und wieder sind es nur die Namen, die neben den Fotos stehen. Eine neue Generation von Jungingern, die gemeinsam alt geworden ist, vereint in einem Buch.
Der Hauptteil der Auflage ist in Jungingen bereits privat verteilt worden. Wohl kaum ein Teilnehmer dieser Seniorenfasnet, der sich nicht zumindest ein Exemplar besorgt hat. Aber es gibt auch noch einige Exemplaren im freien Verkauf.
u Das Buch ist zum Preis von 19,80 Euro bei Manfred Bumiller in Jungingen, Killertalstraße 27, Telefon 07477/362 zu kaufen. Es kann auch per EMail unter der Adresse: matthiasbumiller@t-online.de direkt beim Autor bestellt werden.