Jettingen - Deutlich besser als erwartet hat der Jettinger Haushalt 2011 abgeschlossen. Statt wie geplant 1,4 Millionen Euro aus den Rücklagen zu entnehmen, kann die Gäugemeinde nun sogar eine Million Euro auf die hohe Kante legen. Allerdings ist Jettingen die Kommune im Landkreis Böblingen mit den drittniedrigsten Einnahmen – nur Deckenpfronn und Bondorf stehen noch schlechter da.

Bürgermeister Hans Michael Burkhardt mahnte: "Wir sind im Prinzip ein Hartz-IV-Haushalt." Man lebe "typisch schwäbisch" von niedrigen Ausgaben, nicht von hohen Einnahmen.

Insgesamt konnte Kämmerer Walter Lang dem Gemeinderat eine Jahresrechnung vorlegen, deren Zahlen sich in vielen Bereichen positiver gestalteten als im Planansatz vorgesehen. Dennoch: Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt die Kurve häufig nach unten. So nahm Jettingen 2011 nur Gewerbesteuern in Höhe von 900.000 Euro ein, 2010 waren es 1,4 Millionen Euro. Die Personalausgaben befinden sich mit mehr als 2,5 Millionen Euro auf einem Rekord-Hoch. 2007 lagen sie noch unter zwei Millionen Euro. Burkhardt: "Der Kindergarten-Bereich drückt die Personalkosten sehr, sehr heftig nach oben."

Auch die Einwohnerzahl entwickelt sich negativ. 2011 lebten in Jettingen 7497 Menschen. 2009 waren es 7634, 2004 gar 7713. Das hat finanzielle Auswirkungen, etwa durch niedrigere Einkommenssteuer-Einnahmen. Umso mehr freut sich der Rathaus-Chef, dass sich der Rücklagen-Stand mit 15,5 Millionen Euro ebenfalls auf einem Rekord-Niveau bewegt. "Von dem werden wir sicherlich in den nächsten Jahren leben", gab Burkhardt zu bedenken, zumal die Unterhaltungskosten immer weiter steigen. Kommendes Jahr beispielsweise ist die Sanierung der Schwabenhalle an der Reihe.

Dennoch räumte der Bürgermeister ein, dass die Erhöhung der Rücklagen "kein reeller Zuwachs, sondern nur eine Verschiebung" des Kapitals sei – vor allem resultierend aus Grundstücksverkäufen. Die Zuführungsrate vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt lag 2011 bei 1,7 Millionen Euro und bewegt sich damit auf dem Niveau von 2009 und 2010. Der Schulden-Stand konnte minimal auf 229 000 Euro reduziert werden. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt in Jettingen damit bei 30,25 Euro.