Stuttgart - „The LAST Tour“ hat James Last seine aktuelle Tournee augenzwinkernd getauft. Doch an den Titel glaubt der 84-Jährige wohl selbst nicht so ganz. Der Entertainer hat immer noch Lust auf die Bühne. Und auf den Gin Tonic danach. Am 7. Mai ist er zu Gast in der Porsche-Arena in Stuttgart.

Herr Last, wird das Ihre letzte Tournee?
Möglich wär’s. Aber Schluss ist erst, wenn der Deckel zuklappt.

Spielen Sie Ihre eigenen Stücke immer noch gern?
Wenn man auf der Bühne etwas spielt, das einem selbst gefällt, ist das etwas ganz anderes. Alles andere wäre Betrug.

Welches Album haben Sie sich zuletzt gekauft?
„21“ von Adele. Eine tolle Sängerin.

Sie sind seit Anbeginn der deutschen Popmusik aktiv dabei. Welcher Trend, welcher Sound hat Sie am meisten fasziniert?
Früher wurde Musikern noch viel mehr reingequatscht. Von einem Originaltitel blieb da meist nicht viel übrig. Doch dann kamen die Beatles und haben von Anfang an alles selbst gemacht. Das sage ich jungen Bands bis heute: Sie sollen sich selbst treu bleiben und sich von niemandem reinreden lassen.

Im November ist ein Album mit verschollenen Aufnahmen von Ihnen erschienen, die 1969 aufgenommen wurden – das „America ­Album“. Was empfinden Sie beim Hören?
Ich war überrascht, wie frisch und gut die Stücke klingen. Muss wohl tatsächlich an der Musik liegen.

An Ihrem ureigenen Stil also?
Ich habe keinen Stil. Ich habe ja nichts erfunden oder so. Ich schreibe die Musik auf, die mir in den Sinn kommt.

In der Musik, so sagt man über Sie, haben Sie die Kunst des Weglassens perfektioniert. Gilt das auch für Sie im Alltag, indem Sie auf alles Belastende verzichten?
Ich hoffe es. Wäre gut, wenn es so wäre.

Sie besitzen Wohnsitze in Florida und in Hamburg. Was mögen Sie an diesem geteilten Wohnen?
Dass ich die Auswahl habe. Obwohl wir in Florida oft Hamburg vermissen und in Hamburg oft sagen, wie schön es doch in Florida ist. Der Hamburger Hafen fehlt mir dann ­besonders oft.

Mit Ihrer Agilität passen Sie nur bedingt ins Rentnerparadies Florida . . .
Das kann schon sein. Meine Philosophie ist es, nach vorne zu schauen. Viele ältere Leute konzentrieren sich nur auf die Vergangenheit und meinen, dass früher alles schöner war. Dabei haben die Alten von heute früher genauso rumgetobt wie die Jugendlichen heute. Ich weiß es, ich habe es doch miterlebt! Nur weil sie alt sind, regen sie sich heute darüber auf. Das ist doch Blödsinn.

Bestimmt werden Sie dann noch immer jeden Abend nach dem Konzert einen Gin Tonic genießen, oder?
Na klar. Aber das mache ich ja nicht nur dann, wenn ich unterwegs Konzerte spiele.

Welche Gin-Sorte bevorzugen Sie?
Tanqueray. Der bekommt mir am besten, außerdem mag ich den leichten Zitronen­geschmack. Früher haben wir allerdings deutlich mehr davon getrunken.

Konstanten wie diese ziehen sich durch Ihre Vita. Welche Grundeinstellung hat Sie all die Jahre durch dieses Geschäft gebracht?
Man muss mit der Zeit gehen. Da ich alles selbst schreibe, muss ich nichts aus der Hand geben und muss mich auch nicht auf andere Leute verlassen.

Haben es Musiker heutzutage einfacher?
Musiker nicht, nein. Aber es gibt eben Leute, die aus einem Piano mühsam ein paar Töne herausbekommen und meinen, sie seien ­Musiker. Was sie aber nicht sind. Diese Leute haben es einfacher. Musik entsteht durch Interpretation, nicht durch das Lesen von Notenlinien. Sie entsteht eigentlich erst ­zwischen den Linien. Das hat man, oder man hat es nicht.

242 Goldene Schallplatten sprechen für Sie.
Wenn Sie sagen, es sind 242, muss ich Ihnen das glauben. Ich weiß auch nicht, wie viele Lieder ich arrangiert oder wie viele Konzerte ich gespielt habe. Ich weiß nur, dass wir über 80-mal in der Royal Albert Hall in London gespielt haben. Ein tolles altes Haus.

Sie reisen immer mit sehr großer Besetzung. Wo kommen Sie eigentlich alle unter?
Alle 40 Musiker wohnen immer im selben Hotel. Das artet zwar nicht immer in eine Party aus, aber nach einem Konzert kann man meist nicht gleich ins Bett gehen. Dafür ist man viel zu aufgedreht. Wir treffen uns dann in der Lobby und haben großen Spaß, genau wie auf der Bühne.

Ihnen fehlt also nichts, was Sie früher hatten?
Nein, sonst würde ich das ja ändern.

Sie arbeiten auch mit jüngeren Künstlern wie Fettes Brot oder Unheilig zusammen. Ist das ein gegenseitiges Lernen?
Tatsächlich kommen viele junge Musiker auf mich zu, und an sich finde ich das immer spannend.

Mit wem würden Sie gerne unbedingt zusammenarbeiten?
Früher habe ich gesagt: eine Show mit Barbra Streisand. Das wäre sensationell gewesen. Heute ist es vielleicht Lady Gaga . . .

Was ist das Wichtigste auf der Welt?
Die Liebe. Ohne sie würde alles auseinanderbrechen.

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