Stuttgart - Baden-Württembergs früherer Umweltminister Harald Schäfer ist im Alter von 74 Jahren gestorben. „Wir verlieren einen hoch engagierten und kompetenten Sozialdemokraten, der bei allem notwendigen Streit um die Sache immer auch außergewöhnlich ausgleichend gewirkt hat“, sagte SPD-Landeschef Nils Schmid am Mittwoch in Stuttgart. „Sein Humor, seine Warmherzigkeit und sein Optimismus werden uns sehr, sehr fehlen.“

Schmid bezeichnete Schäfer als einen überzeugten Linken mit klaren Positionen. Der gelernte Oberstudienrat galt als Intimfeind des damaligen Regierungschefs Erwin Teufel (CDU). Schäfer hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Unter Teufel war Schäfer von 1992 bis 1996 in der großen Koalition Minister und für eine rigide Umweltpolitik bekannt. Er kümmerte sich vor allem um Luftreinhaltung, Atompolitik und Müll. Als Erfolge während seiner Amtszeit konnte er abnehmende Abfall- und Sondermüllmengen, die Einrichtung der Klimaschutz- und Energieagentur sowie mehr Umweltmanagement in vielen Industriebetrieben verbuchen. Schmid sagte, Schäfer sei „ein begeisterter und begeisternder Pionier der Umwelt- und Ökologiepolitik“ gewesen.

Der amtierende Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sagte: „Harald B. Schäfer hat in der baden-württembergischen Umweltpolitik im positiven Sinn Spuren hinterlassen.“ Schäfers Beharrlichkeit sei es zu verdanken, dass die SPD sich zu einer kernkraftkritischen Partei entwickelt habe. Die Umweltverbände BUND und Nabu bezeichneten Schäfer als einen der Väter der Nationalpark-Idee in Baden-Württemberg. Er habe in der Umweltpolitik „viele wichtige Impulse“ gesetzt, sagte Nabu-Chef Andre Baumann.

"Ich bereue nichts"

Für den Koalitionspartner CDU sowie für viele Unternehmer war Schäfer allerdings ein rotes Tuch. Seine Umweltpolitik setze auf Verordnungen und behördlichen Dirigismus, so die Kritik. Als Beispiel wurde auf den von Schäfer durchgesetzten Ozon-Großversuch im Juni 1994 im Raum Heilbronn verwiesen. Dieser ergab, dass Fahrverbote sowie Verkehrs- und Produktionsbeschränkungen auf lokaler Ebene Spitzenwerte des bodennahen Ozons nicht verhindern können. Umweltschützern und den Grünen war vor allem Schäfers Zustimmung zum Dauerbetrieb des Atomkraftwerks Obrigheim ein Dorn im Auge.

Zwischen dem Schöngeist Schäfer und Regierungschef Teufel bestand eine Art Intimfeindschaft. Auch aus seiner Abneigung zum damaligen SPD-Landeschef Ulrich Maurer machte Schäfer nie einen Hehl. In der eigenen Partei geriet er damit mehr und mehr in eine Minderheitenposition. „Ich bereue nichts“, sagte Schäfer später mal.

Geboren am 20. Juli 1938 in Waldbrunn im Odenwald, studierte er in Heidelberg und München Geschichte, Deutsch sowie Politische Wissenschaften und war anschließend mehrere Jahre im Schuldienst tätig. 1962 wurde er Mitglied der SPD und war von 1977 bis 1996 stellvertretender Landeschef. Neben dem damaligen Wirtschaftsminister Dieter Spöri war Schäfer einer der bekanntesten Köpfe der Landes-SPD.

Von 1972 bis 1992 hatte Schäfer für die SPD im Bundestag gesessen und den Wahlkreis Offenburg/Ortenau vertreten. Allerdings war er über die Liste in das Parlament gerückt. Im Wahlkreis war er bei der Direktwahl regelmäßig gegen CDU-Konkurrent Wolfgang Schäuble gescheitert.

Nach der Niederlage der SPD bei der Landtagswahl im Jahr 1996 legte Schäfer alle politischen Ämter nieder - zum Ärger der Parteibasis. „Heute bin ich Hausmann“, hatte er Jahre später erklärt.