
Hüfingen. Ein Pflaster an der Schläfe, eine dicke Beule dahinter – für den Hüfinger Gastwirt Karl-Heinz Jäger im Lokal Bausch eine schmerzliche Erinnerung an den späten Gast vom Mittwochabend der vergangenen Woche: Ein 33-Jähriger hatte mit einer Flasche brutal zugeschlagen und die Geldbörse an sich gerissen.Dabei hätte alles noch schlimmer kommen können, weiß auch der gestandene Gastronom. Da sitzt abends kurz vor Feierabend noch jemand vor dem Geldspielautomat und bestellt sich ein Bier, das dritte in diesem Fall. Kein ungewöhnlicher Vorgang also.
Später kommt man sogar noch ins Gespräch, man setzt sich zusammen an den schon verwaisten Stammtisch vor der Theke. Der Tag scheint gemütlich ausklingen zu wollen und der bis dahin eher unauffällige Gasthausbesucher bestellt sogar schon seinen finalen Absacker.
Doch statt nach dem letzten Getränk den Heimgang anzutreten, ist er plötzlich hinter Karl-Heinz Jäger an die Theke geeilt, just als dieser die Flasche wieder darunter verstauen möchte und sich bückt.
Als Jäger den Schatten sieht, ist es für die Gegenwehr auch schon zu spät. Eine Flasche kracht an seine Schläfe. Benommen taumelt er, sucht nach Halt. Einen Moment, den der Räuber nutzt, ihm den Bedienungsgeldbeutel mit den Einnahmen aus der Hosentasche zu ziehen.
270 Euro werden sich darin befinden, wie die Polizei später ermitteln wird. Nicht gerade üppige Beute.
Nur mit dem beherzten Eingreifen der Lebensgefährtin des Wirts hatte der Täter wohl kaum gerechnet. Das wurde dem Gaststättenräuber von Hüfingen wohl zum Verhängnis. Denn diese im hinteren Bereich der Gaststättenräume schon mit Aufräumarbeiten beschäftigt, hört das dumpfe Krachen auf den Kopf und das Stöhnen ihres Freundes danach.
Erschrocken und entschlossen zugleich eilte Emila Ghinda in die Gaststube. Von Angst keine Spur. "Daran habe ich in diesem Augenblick auch gar nicht gedacht. Erst viel später kam es mir", gesteht sie. Auch Karl-Heinz Jäger hat sich inzwischen wieder aufgerappelt, steht in der Tür, um die Verfolgung aufzunehmen. Barfuß und ohne Zögern spurtet Emila hinter dem Räuber her. In der Landwirtschaft aufgewachsen hat sie keine Scheu vor körperlichen Strapazen und wie in dieser Nacht vor der klirrenden Kälte. Sie erwischt den Flüchtenden schließlich auf der Straßenseiten gegenüber, als dieser auf Glatteis ausrutscht.
Doch was kann eine Frau in dieser Situation ausrichten. Der Täter flüchtet weiter in Richtung Reifenhandel, dort fällt er erneut hin, verletzt sich auch noch an der Hand. Durch die Hilfeschreie vor ihrem Haus auf den Plan gerufen werden schließlich Moni und Hugo Ritzmann in der Schaffhauser Straße 5, gut 100 Meter vom Tatort entfernt. Während Moni noch zum Hörer greift und die Polizei ruft, steht Hugo Ritzmann – den Hüfingern als Korporal der Bürgerwehr bekannt – schon auf der Straße, zögert keine Minute und ringt den Täter nieder. So hält er ihn im Schwitzkasten und in Schach bis die Polizei eintrifft.
Nicht nur die Witterung ist dem 33-Jährigen damit zum Verhängnis geworden, sondern auch die Zivilcourage der Betroffenen und der Nachbarn schließlich.
Täter und Opfer wurden zur ambulanten ärztlichen Versorgung ins Krankenhaus Donaueschingen gebracht. Das Amtsgericht Villingen erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Konstanz Haftbefehl. Inzwischen sitzt der Täter in Haft.