Hornberg - "Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden". Hauchzart zunächst, dann zunehmend eindringlich und temperamentvoll nahm der Chor das von den beiden Flügeln musikalisch vorgegebene Thema auf. Brahms "Deutsches Requiem" am Sonntagabend in der evangelischen Kirche wurde für viele Besucher zu einem nachhaltigen und tiefempfundenen Erlebnis.

Sichtlich bewegt vom Gehörten und Erlebten zeigte sich das erfreulich zahlreiche Publikum des kirchenmusikalischen Events. Das Bezirkskantorat Lahr bot "Ein Deutsches Requiem" (op.45 für Soli, Chor und Klavier zu vier Händen) von Johannes Brahms dar und verstand es, die Aufführung zu einem beeindruckenden musikalischen Ereignis werden zu lassen.

Bei diesem Hornberger Konzert zum Totensonntag und dem vorangegangenen Auftritt in der evangelischen Kirche in Lichtenau wurde die von Brahms selbst geschaffene Variante des Werkes für Soli, Chor und zwei Klaviere aufgeführt, die das Werk um Vieles durchsichtiger und inniger miterleben lässt als die Orchesterfassung, die auf eine große Chorbesetzung baut und in der Akustik von Kirchen zuweilen problematisch sein kann.

Der etwa 30köpfige Chor hatte das Requiem, wie man nachlesen konnte, in Gemeinschaft mit dem Pianisten Carl-Martin Buttgereit in einer Studienwoche in Castagneto bei Turin erarbeitet. "Allen hohen technischen und intonatorischen Ansprüchen zum Trotz konnte uns das Werk anrühren, herausfordern und in seinen Bann schlagen" beschrieb Kirchenmusikdirektor Hermann Feist seine tiefen Eindrücke von dieser Zeit.

Er selbst dirigierte das Brahm’sche Requiem sichtlich bewegt und mit Herzblut. Der Chor brachte denn auch alle Teile des Stückes mit größter Perfektion zum Vortrag und ließ -nach 75-minütiger Hochleistung- bis zum Schluss keinerlei Ermüdung erkennen.

Die bekannte Sopranistin Cornelia Winter, die schon mit vielen berühmten Dirigenten zusammenarbeitete und sich unter anderem bei den Schloss-Festspielen Heidelberg und beim Kultursommer Rheinland-Pfalz einen Namen machte, gefiel in der Hornberger Kirche durch ihre tragende Stimme, absolut sichere Intonation und eine hervorragende Artikulation.

Die gleichen Attribute darf man dem 25-jährigen Lahrer Bariton Menno Koller zuschreiben, der – seit Kindesbeinen ein leidenschaftlicher und talentierter Blockflötist – ehrgeizig und erfolgreich an seiner Solisten-Karriere als Bariton und Bassist arbeitet.

Carl-Martin Buttgereit und Friederike Richter, die in Brahms Reqiem "Klavier zu vier Händen" spielten, haben in Musikerkreisen ebenfalls Rang und Namen, sind national und international als namhafte Künstler bekannt und treten oft in Rundfunk und Fernsehen auf. Für die Brahms-Aufführung waren sie schlichtweg eine Idealbesetzung.

Die Beschäftigung mit dem Tode und das Abschiednehmen sind in unserer Zeit eher ein privater Vorgang, gesellschaftlich oft ein Tabu-Thema. Da ist es bemerkenswert, wie stark doch das Brahms-Requiem Menschen zum Mitmusizieren und zum Zuhören anlockt und fasziniert.

Im Gegensatz zu anderen Kompositionen, die lateinische Texte verwenden und dadurch eine gewisse Distanz zulassen, verwendet Brahms lutherische Bibeltexte, wodurch sein Requiem eine unvergleichlich stärkere Eindringlichkeit erhält, die – wie es in einem Kommentar zu lesen ist – eine direkte Vertonung des Textes erst möglich macht.

Die Zuhörer dankten den Mitwirkenden, nachdem die Totenglocke der Kirche verstummt war, am Ende sichtlich bewegt mit langanhaltendem Beifall. Am Karfreitag 2013 will die Lahrer Kantorei die Orchesterfassung des Brahm’schen Requiems in der Stiftskirche aufführen.