Hornberg - An das Scheppern der Kuhglocken und Gebimmel der vielen kleinen Hässchellen beim Gehen muss ich mich noch gewöhnen. Aber irgendwie macht es Spaß, in diesem schicken schwarz-roten Teufelshäs mal durch die närrische Zeit zu ziehen. In der Tat ist es das erste Mal in meinem doch schon etwas fortgeschrittenem Leben, dass ich eine Narrenmaske trage und aktiver Umzugsteilnehmer bin. So ganz freiwillig ist das ja nicht geschehen.

Zur Erinnerung: Vor knapp einem Jahr hatte mich das Hornberger Narrengericht verurteilt, "einen Umzug im Hörner-Häs" mitzumachen. So schnell vergeht die Zeit. Und so bin ich jetzt in die Kammer der Narrenzunft gegangen, um meine Strafe anzutreten. Annemarie Bühler wusste Bescheid und gab mir ein Häs zur Anprobe: Es passte auf Anhieb. Ralf Fuhlert sorgte für den Dreizack: ›Der muss von der Größe her genau in Schulterhöhe sein", erklärt er mir. Kein Problem, es gibt ja genug davon, alle ordentlich in einer Schiene an der Wand aufgehängt.

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Schließlich kommt das wertvollste Stück: Cornelia Hein reicht mir feierlich die Teufelsmaske. Den Glockengurt dazugerechnet, trage ich jetzt einen Wert von rund 1000 Euro nach Hause. Vorher gibts aber noch die Verhaltensregeln eines Hästrägers, ach ja, und schwarze Schuhe muss ich mir auch noch besorgen, das ist streng geregelt.

Zuhause schaue ich mir die kostbaren Stücke genauer an. Vor allem mit der Teufelsmaske muss ich mich erst einmal anfreunden. Aufgesetzt, geht es sehr eng zu. Einerseits ist so eine Maske ja ganz toll, ich kann Schabernack treiben, und keiner erkennt mich.

Andererseits: Auch ich erkenne wenig von meiner Umgebung, nur die beiden gerade mal zehn Cent großen Sehlöcher stehen mir zur Verfügung, um mir gezielt Opfer zum Aufspießen auszusuchen. Zumal ich als Brillenträger feststellen muss, dass diese unter der Maske sehr schnell beschlägt, und ohne gehts auch nicht so gut.

Also entschließe ich mich spontan, ein braver Teufel zu sein, ganz nach dem Motto: "Jedem zur Freud und niemandem zum Leid". Aber das kann ich ja noch spontan entscheiden, wenn ich – hoffentlich – erkenne, wer mir da vor den Dreizack läuft.

Jetzt beschäftige ich mich erst einmal mit den Regeln, die ein Hästräger zu beachten hat, und natürlich auch mit der der Geschichte der Hornberger Hörner, die schon recht gruselig ist und mit der ich mich eigentlich so gar nicht identifizieren kann. Außer, dass meine Vorfahren im 15. Jahrhundert angeblich tatsächlich Raubritter gewesen sein sollen, aber weit weg in Belgien.

Sei´s drum, ich verschwinde unter der Maske und werde zuerst bei auswärtigen Umzügen üben. Darauf freue ich mich schon. Eckhard Gräff