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Von Eckhard Gräff
Hornberg. Erst fuhr er auf Schienen, nämlich als Zugchef im ICE, durch die Welt. Jetzt steht der Hornberger Gideon Rapp auf Brettern, die die Welt bedeuten. Und tauschen will der 28-Jährige nicht mehr.
Es ist nicht leicht, Gideon Rapp zu erreichen. Derzeit spielt er zusammen mit Ilja Richter das Stück "Komiker aus Versehen – ein Abend über Theo Lingen" am Alten Schauspielhaus Stuttgart. Bei einem erneuten Versuch meldet er sich dann doch gegen 19.40 Uhr über sein Handy. "Wir haben 20 Minuten Zeit, dann muss ich auf der Bühne sein", sagt der sympathische junge Schauspieler.
Und er hat viel über sich zu erzählen und sein Leben, das schon sehr früh durch seine Mutter Angelika Rapp, die als Regisseurin bei den Hornberger Freilichtbühnen-Märchen wirkt, von Theaterauftritten geprägt wird.
"Angefangen hat alles bei mir im Kinderchor meiner Mama", erzählt Rapp. Sein erster Auftritt auf der Freilichtbühne war 1988, da spielte er in dem Märchenstück "Aschenputtel" – unter anderem mit Anke und Julia Ketterer – eine kleine Taube. Gleich in der ersten Aufführung gab es schon eine kleine "Panne", über die Gideon Rapp herzlich lacht: "Wir mussten auf dem Boden ›Futter picken‹, und ich tat das mit solch einer Begeisterung, dass ich völlig unseren ›Abflug‹ vergaß und plötzlich, als gerade mal Vierjähriger, alleine auf der Bühne stand", erinnert er sich.
Es folgte noch eine Statistenrolle als Hase, dann kamen die Sprechrollen. "Durch meine Mutter hat sich der Wunsch bei mir schon früh gefestigt, in die Schauspielerei zu gehen", sagt Rapp. Trotzdem entscheidet er sich zunächst für eine "solide" Ausbildung, die er bei der Deutschen Bahn absolviert. Nebenher zog es ihn aber immer wieder auf die Bühne.
Und die Arbeit als ICE-Zugchef sei für ihn auch so etwas wie ein Auftritt auf der Bühne gewesen, nämlich er als Darsteller sowie seine Fahrgäste, sagt Rapp schmunzelnd: "Der Vorhang öffnet sich: Guten Tag, meine Damen und Herren, die Fahrkarten, bitte."
Engagements hatte Gideon Rapp inzwischen in Freiburg, Karlsruhe, Gastpiele in England, Österreich Georgien und der Schweiz sowie in Berlin. "Insgesamt darf ich schon auf über 3500 Auftritte in meinem Leben zurückblicken", rechnet Rapp vor, und ein wenig stolz klingt in seiner Stimme mit.
Hautsächlich allerdings in Deutschland, denn: "Die Sprache ist mein Handwerkszeug auf der Bühne", betont der junge Schauspieler, aber: "Wenn sich im Ausland mal etwas ergibt, warum nicht." Ganz besonders am Herzen liegen Rapp die Märchen von den Gebrüdern Grimm, allerdings oft auf kabarettistische Art: "Grimmige Märchen". Die Kommödie ist eh sein Lieblingsfach, seine großen Vorbilder sind Theo Lingen oder Loriot.
Im Gegensatz zur Comedy und zahlreichen verschiedenen Kabarettproduktionen hat Rapp aber auch in ernsten Produktionen wie dem Karl von Moor in "Schillers Räuber", dem Ferdinand aus "Kabale und Liebe" oder dem Kafkas "Prozess" gespielt. "In Deutschland muss man etwas Ernstes geleistet haben, damit man als Komiker ernst genommen wird", betont Gideon Rapp.
Das Gespräch neigt sich fast dem Ende zu, in fünf Minuten hebt sich im Alten Schauspielhaus Stuttgart der Vorhang für Illja Richter und Rapp. Noch bis Januar bleibt der Jungschauspieler mit Fernseherfahrung in Stuttgart. Und dann? "Es gibt wunderschöne Sachen in Deutschland, ich muss dann einfach von Monat zu Monat schauen", sagt Rapp.
Aber eins ist sicher: "Auf jedenfall werde ich mal wieder in Hornberg auf der Freilichtbühne spielen, da freu ich mich drauf." Es 20 Uhr, und genau jetzt wird sich der Vorhang wieder öffnen für Gideon Rapp, den jungen Schauspieler, der seine Leidenschaft schon als Kind entdeckte.